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Sitzpinkler und Nachspanngucker

Sitzpinkler und Nachspanngucker

Ich muß manchmal aufs Klo. Das wird jetzt niemanden sonderlich wundern, aber ich sag’s einfach mal.
Neulich waren wir bei Heike zu Besuch und Heike ist Single und Single-Frauen haben auf dem Klo immer Sprüche hängen. So bunte bedruckte Karten mit mehr oder weniger sinnvollen Sprüchen wie „Besser einen Mann als gar keinen Ärger“ oder „Ich liebe einfach Dinge: Männer!“

Unter anderem hat Heike da Karten mit dem Weicheier-ABC hängen und auf der Karte mit dem Buchstaben S lese ich neben Sonntagsfahrer und Salatbesteller auch Sitzpinkler. Nun, ich bin bekennender Sitzpinkler. Nicht etwa, daß da die Übermacht der zum Sitzpinkeln verdammten Frauen obsiegt hätte, nein, ich habe erkannt, daß ich viel bequemer sitzen als stehen kann. Zumindest auf heimischem Klo oder da wo’s sauber ist, setze ich mich.

Wenn ich aber schon beim Geständnisseablegen bin, kann ich ja noch eine Weichei-Eigenschaft zugeben:

Ich bin ein Nachspanngucker!

Nee, ehrlich! Ich lese mir immer wenn einer gezeigt wird den ganzen Nachspann durch. Ich finde es absolut spannend zu erfahren, wer dem Stuntman der 3rd Unit, der nur eine Hundertstel Sekunde im Bild war, das Essen gebracht hat. (Oft ist das Ma Sakory’s Delight Catering Services Inc.) Ich bin quasi ein Fan von Ma Sakory, wobei ich nicht weiß, ob Ma jetzt von Mama kommt oder ein amerikanischer Vorname ist.
Es ist doch hochinteressant, zu erfahren, wer da alles mitgewirkt hat und ich gestehe: Ich würde auch gerne mal in so einem Abspann auftauchen. Und wenn ich dafür nur Mr. Clooneys Dog gewalked haben müsste. Sowas steht da tatsächlich!
Mr. Clooney’s Dog-Walker: Hank Philipman.

Sitzpinkler und NachspannguckerSitzpinkler und Nachspanngucker

Aber die Krönung des Ganzen ist das Bonus-Material auf DVDs! Am Liebsten habe ich da den „directors comment“, den Kommentar des Regisseurs zum Film. Da bekommt man den gleichen Film gezeigt, den man soeben gesehen hat, nur statt des normalen Tons hört man, was der Regisseur dazu zu sagen hat.

Da erfährt man sensationelle Sachen! „Drei Jahre hat Stan an dieser Einstellung gearbeitet. Wie er die Kaffeekanne ins rechte Licht rückt ist einfach genial.“
Das hätte ich nicht gedacht und auch nie von Stan erfahren. Ich hätte vermutet, daß es nichts Einfacheres gibt, als einen Frühstückstisch mit einer Kaffeekanne zu filmen und jetzt muß ich erfahren, daß Stan da so viel Arbeit und Mühe investiert hat.

Ein weiteres Kapitel im Bonusmaterial sind die „take outs“. Das sind die Szenen, die zwar gedreht wurden, die aber nicht verwendet wurden. Da sehe ich, daß die „Dexter Motion and Animation Studios“ eine computeranimierte Version des Frühstückstisches und besagter Kaffeekanne entwickelt haben. 320.000 PCs haben zweieinhalb Jahre lang rund um die Uhr gerechnet, um den Schattenfall der Kanne so naturgetreu wie möglich nachzubilden. Der Regisseur hat sich dann aber doch für Stans gefilmte Kanne entschieden, weil Stan und sein Assistent Joe in 27 Ländern unterwegs waren, um dort Probeaufnahmen von Frühstückstischen zu machen.
Gut, die Szene mit der Kanne ist dann am Ende gar nicht im Film zu sehen gewesen, aber ich hätte doch ohne das Bonusmaterial niemals etwas davon erfahren.

Special thanks to:
Ma Sakory’s Delight Caterin Services Inc.
Mr. Clooney’s Dog-Walker: Hank Philipman
Kameramann: Stan
Die Crew von ‚Dexter Motion an Animation Studios‘
und den Assistenten von Stan: Joe

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!


peter wilhelm autorenlesung
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