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Sauerland ist weg – und das ist gut so

Sauerland ist weg – und das ist gut so

adolfsauerland

Falsch gedacht, Herr Sauerland

Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland ist in einem beispiellosen Verfahren gestern von den Duisburgern aus dem Amt gewählt worden. Die Duisburger gaben ihm damit die Quittung für sein Fehlverhalten im Anschluss an die Love-Parade-Katastrophe, der 21 Menschen zum Opfer fielen und bei der über 500 Menschen zum Teil schwer verletzt worden sind.

Die Ermittlungsbehörden sahen in ihren Untersuchungen die Hauptschuld bei den städtischen Bediensteten und Beamten, die die Großveranstaltung in dieser Form genehmigt hatten. Auch im Fokus der Ermittler und Strafverfolgungsbehörden stehen ranghohe Polizisten, sowie der Chef der Veranstaltungsfirma Lopavent, Rainer Schaller.

Ob Sauerland eine tatsächliche Verantwortung für das Unglück bei der Love-Parade trägt, möchte ich in diesem Beitrag gar nicht untersuchen. Die einen sagen so, die anderen sagen etwas anderes…
Offenbar hat Sauerland mehr gewusst, als er zugibt und es gibt Hinweise dafür, daß die Veranstaltung seinerzeit unter Außerachtlassung geltender Sicherheitsbestimmungen genehmigt worden ist.

Jedenfalls wurde die Veranstaltung von Sauerlands Leuten, seinen Untergebenen, den Leuten, denen Sauerland vertraut, genehmigt und allein das zieht ihn als Oberbürgermeister mit in die Verantwortung.
Da sind Bundesminister und Kanzler (z.B. Willy Brandt) wegen geringerer Verfehlungen zurückgetreten.
Doch Sauerland zauderte und haderte was das Zeug hielt, hielt sich wochenlang bedeckt, mochte keine Schuld eingestehen und die Verantwortung nicht übernehmen.

Parallelen mag man zum Verhalten von Königin Elisabeth II. erkennen, die nach dem Tod von Lady Diana, zwar genau das getan hat, was traditionell vom Königshaus getan wird, nämlich sich in vornehmer Zurückhaltung üben, was aber bei den Untertanen gar nicht gut angekommen ist und die gesamte Monarchie vor eine Zerreißprobe stellte.

Sauerland ist weg - und das ist gut soSauerland ist weg - und das ist gut so

Doch Sauerland spielte stets das Unschuldslamm, den Uneinsichtigen und den gutgläubigen Optimisten. Die Handwaschung des Pontius Pilatus wird ja immer etwas falsch interpretiert, doch Sauerland muß wohl gedacht haben, daß ihm, angesichts seiner bis dahin erarbeiteten Beliebtheit, eine solche Integrität und Übervater-Funktion innewohne, daß ihm nichts passieren kann.

Kein Wort der Entschuldigung, ein stümperhaften Umgehen mit Trauernden und Verletzten und die ständig vorgetragene Unschuldsbeteuerung verärgerten seine Bürger und die mochten den kleinen, dicken Mann nicht mehr länger als ihren Stadtvater haben.
Erste Rufe nach Rücktritt wies Sauerland noch lachend von sich und wurde auch nicht nachdenklich, als er selbst aus der eigenen Partei unverhohlen zum Rücktritt aufgefordert wurde.

Nun ist die Sache in Nordrhein-Westfalen nicht so einfach. Das Kommunalwahlrecht sieht einen Rücktritt eines Bürgermeisters so nicht vor und Sauerland wäre in diesem Fall seiner gesamten Altersbezüge, auch der aus seinem früheren Beamtenverhältnis als Lehrer, verlustig gegangen. So schreibt es wenigstens sehr plausibel die Online-Enzyklopädie Wikipedia im Artikel über Adolf Sauerland.

Für viele Duisburger lag es daher auf der Hand: „Sauerland klammert sich ans Amt, um seine ‚Rente‘ nicht zu vergeigen.“

Aber dieses Klammern bekam in den letzten Monaten und Wochen schon groteske Züge. Sauerland ließ sich in der Öffentlichkeit nicht mehr blicken, schaltete auf stur und wenn man etwas von ihm zu hören bekam, wie bei einer persönlichen Presseerklärung im Dezember 2011, dann hieß es immer wieder: „Ich bleibe im Amt.“

Es ist in der Tat manchmal für den Bürger nicht nachvollziehbar, warum ein Politiker seinen Hut nehmen muss, wenn in seiner Behörde jemand etwas falsch gemacht hat. Viele sehr beliebte Politiker, die oft auch wirklich nichts für das Geschehene konnten, sind schon gegangen, nur weil irgendwo in ihrem Ministerium oder ihrer Behörde jemand Mist gebaut hat. Vielleicht war das bei Sauerland auch so, aber sein stures, dickköpfiges und uneinsichtiges Verhalten direkt nach der Katastrophe bei der Loveparade haben ihn in den Augen der Öffentlichkeit unsympathisch und herzlos erscheinen lassen.
Wenn er persönlich im Vorfeld der Loveparade vielleicht auch gar nichts falsch gemacht haben mag, hinterher hat er alles falsch gemacht, was ein Politiker nur falsch machen kann. Er hat sich nicht benommen wie ein Stadtvater, sondern wie ein quengeliges Kind, das sein Förmchen im Sandkasten nicht abgeben will.

Jetzt haben ihm die Bürger ihre Quittung erteilt und ihn gestern abgewählt.
Das war nicht einfach, die Hürde war hoch. Aufgrund der Bevölkerungsentwicklung und der entsprechenden Vorschriften waren rund 18.000 Stimmen mehr für die Abwahl erforderlich, als überhaupt notwendig gewesen waren, um Sauerland damals zum OB zu wählen.

Aber die Duisburger waren sich offenbar nahezu einig: Sauerland muß weg!
Und jetzt ist er weg und das finde ich gut.

Wie verblendet und realitätsfern Sauerland ist, erkennt man vor allem auch daran, daß er nach seiner Abwahl erklärte, er habe nicht damit gerechnet und fest daran geglaubt, auch nach dem Votum noch im Amt zu sein. Tja, falsch gedacht, Herr Sauerland.

<small>Bild Sauerland: Diese Datei ist unter der CreativeCommons-Lizenz Namensnennung 2.0 US-amerikanisch (nicht portiert) lizenziert. Urheber: xtranews.de, Quelle: Wikipedia</small>

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
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