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Rudi Carell 2

Rudi Carell 2

Die Arroganz von Rudi Carell und seine Überheblichkeit, die ihm in der Branche und auch sonst keine Freunde eingebracht haben, resultieren aus der Persönlichkeitsstruktur von Rudi Carell einerseits und der Art, wie er gearbeitet hat.

Als Mensch, der nichts gelernt hat und nur ein komödiantisches Talent geerbet hat, strebte Rudi Carell auf die Bühne, suchte die Öffentlichkeit. Anfangs war sein Berufswunsch noch nicht sonderlich gefestigt, er probierte es als Kleinkünstler, dann als Schlagersänger. Als er vor fast 50 Jahren beim Grand Prix de Eurovision den vorletzten Platz belegte, machte er aus der Not eine Tugend und zog seine Teilnahme und Plazierung selbst ins Lächerliche. Eigentlich war in Holland damit der Kommödiant Carell geboren.


Damit dann zuerst in den Niederlanden und dann in Deutschland Erfolg zu haben, hat ihn weiter beflügelt. Carell glaubte, DAS Rezept für gute Fernsehunterhaltung gefunden zu haben und weil zunächst sonst niemand nach seinen Vorstellungen arbeitete, hielt er sich für einzig und einzigartig.

Rudi Carell 2Rudi Carell 2

Hieraus resultierte seine dann lebenslange Kritik an nahezu allen anderen Showmastern. Seine Methode hat für ihn funktioniert und ihn erfolgreich gemacht und Rudi Carell konnte es zeitlebens nicht verstehen, daß nicht auch alle anderen, so arbeiten wie er.
Schon aus diesem Grund war Carell bei vielen seiner Kollegen, die er oft mit harscher Kritik, ja mit Hähme überzogen hat, nicht besonders beliebt.

Doch worin bestand die Methode Carell? Rudi Carell war alles andere als spontan. Er konnte beispielsweise sehr schlecht Witze behalten und schon gar nicht erzählen. Seine Kunst kam nicht aus dem Stegreif, sondern von hunderten kleinen Zetteln. Immer war Carell auf der Suche nach Gags für seine Shows und Sketche. Diese schrieb er akribisch auf kleine Kärtchen, die er entweder in seinen Shows Kärtchen für Kärtchen abarbeitete oder in die Drehbücher für seine aufgezeichneten Sendungen einfließen ließ.
Es ist bekannt, daß Carell sich bisweilen schon beim niederschreiben seiner Gags vor Lachen geschüttelt haben soll, wenn er sich vorstellte, wie gut der Witz beim Publikum ankommen würde. Blieb dann der Lacher ausgerechnet bei diesem Gag aus, fühlte er sich persönlich beleidigt und soll hinter den Kulissen getobt und geschimpft haben und sich auf die Suche nach dem vermeintlich Schuldigen gemacht haben.
Alle seine Sendungen waren exakt vorausgeplant, der Ablauf genau festgelegt, nur so war sichergestellt, daß er zum richtigen Zeitpunkt den jeweils geplanten Gag aus der Tasche ziehen konnte.
Mit den teilweise ungeplanten und unerwarteten Reaktionen der Kandidaten kam Carell ebensowenig zurecht, wie mit ausländischen Stars, die aufgrund von Verständigungsschwierigkeiten nicht in der gewünschten Weise reagierten.
Aus der Not eine Tugend zu machen und spontan auf die Kandidaten einzugehen, aus einem misratenen Gag noch etwas Anderes, Lustiges zu machen, wie ein Thomas Gottschalk es könnte und ein Kuhlenkampff es immer konnte, das war nicht die Welt des Rudi Carell.
Der kam schon aus dem Konzept, wenn ein Kandidat nicht an der richtigen Stelle in der Bühnendekoration stehen blieb und fast schon eine Katastrophe war es, wenn die Kandidaten(-familien) ein Spiel komplett nicht verstanden haben und kollektiv etwas anderes machten, als von ihnen erwartet wurde.

Viele seiner Gags holte Carell über den großen Teich. Lange vor der Erfindung des Satellitenfernsehens ließ er sich wöchentlich Videocassetten aus den USA, Australien und England schicken, um ausländische Shows auf Gags hin zu untersuchen. Dieser Tatsache verdanken wir unvergesslich komische Auftritte von Klein- und Varieté-Künstlern, die wir vermutlich sonst nie kennengelernt hätten, hätte Carell sie nicht auf einem Band entdeckt und dann nach Deutschland eingeladen.
Oft kam aber auch, vor allem der englische Humor nicht beim Publikum an und die Gags, man erinnert sich vielleicht an die Gastauftritte von Muhammad Alid und Telly Savallas, waren letztlich nur noch deshalb lustig, weil die Protagonisten weltbekannte Stars waren.
Sehr entgegen kam seinem Talent die Vorabendshow “Herzblatt”. Wir erinnern uns an die stereotyp vorgetragenen Sätze des Showmasters und die auswendig gelernten Antworten der Kandidaten. Hier konnte niemand abweichen, alles lief immer geplant und wie am Schnürchen.
Deshalb wundert es, daß Carell auch Sendungen wie “Laß dich überraschen” machte, in der niemals vorhersehbar war, wie spontan besuchte Menschen reagieren würden. Besonders in diesen Sendungen sieht man, daß Carell teilweise fast schon körperliche Qualen litt, wenn die Kandidaten anders, als erwartet reagieren.

Unbestreitbar hat Rui Carell Pionierarbeit geleistet und Maßstäbe gesetzt. Eine, wenn nicht zwei Generationen von Fernsehzuschauern konnten durch ihn wunderschöne Fernsehabende miterleben.
Aber die Zeit blieb nicht stehen, das Fernsehen entwickelte sich weiter.
Konnte ein Kuhlenkampff noch bis zu 20 Minuten mit zwei Kandidatinnen scherzen und dann endlos überziehen, bleiben heute 1,5 Minuten für so etwas übrig.
Die Gags und Spiele in den Carell-Shows waren teils schier endlos und wurden dann auch noch von mehreren Kandidaten in gleicher Weise wiederholt. Nach heutigen Maßstäben viel zu langatmig.
Als längst andere Showformate aufkamen, hielt Carell an seiner Form der Show fest, gleich wie er sie gestaltete.
Seine berühmte 70% Einschaltquote erreichte kaum noch ein anderer Showmaster. Das lag aber nicht an der mangelnden Qualität der neuen Shows, sondern in erster Linien an den veränderten Sehgewohnheiten und an der sich wandelnden Medienlandschaft.
Carell glaubte aber bis zu letzt, daß einzig die Tatsache, daß die anderen nicht nach seiner Methode arbeiten, Schuld an schlechten Quoten sei.

Der Rückzug hinter die Kamera war ein zwangsläufiger. Die Sendung “7 Tage – 7 Köpfe” zeigt noch einmal deutlich die Handschrift Carells. Die Komiker sagen im Grunde nur einstudierte Witze auf, die Carell und ein Autorenteam aufgeschrieben haben. Einzig das Können der geladenen “Comedians” erweckt den Anschein von Spontaneität und Geistesblitz.

Dennoch: Viele schreiben heute, wie sehr ihnen die Carell-Abende im Gedächtnis geblieben sind. Und ich denke, das ist auch der Hauptverdienst von Carell. Er hat in seiner Zeit etwas anderes gemacht, hat die Menschen zu Lachen gebracht und gute Fernsehunterhaltung abgeliefert. Niemals war er sich zu schade, auch selbst auf die Schippe genommen zu werden, aber bitteschön immer genau nach Fahrplan und so wie es auf seinen kleinen Kärtchen stand.

Sein Humor war eher platt und oberflächlich, ein im Grunde typisch niederländischer Humor. Mich persönlich hat es in den Niederlanden immer gewundert, worüber die Menschen herzhaft lachen können. Diesen etwas platten Humor, gepaart mit angelsächsischen Versatzstücken hat Carell gepflegt und hoffähig gemacht.

So wundert es auch nicht, daß sein letzter humorvoller Spruch lautete, er habe sich alle Gags, die nicht verwendet werden konnten, aufgeschrieben, um sich im Himmel was nebenbei verdienen zu können.
Er hat sie sich aufgeschrieben und nicht etwa gemerkt. Und wir wissen, daß er innerlich grollen wird, wenn Petrus anders reagiert, als Carell es erwartet.

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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