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Presswurstdeutsche

Presswurstdeutsche

Da können ja im Biergarten noch 40 Tische frei sein, wenn da aber noch Leute kommen, dann kann man jederzeit einen Tausender drauf wetten, daß die sich direkt an den Tisch neben einem setzen.
Das ist ein Naturgesetz.
Wie Presswürste müssen die einem auf die Pelle rücken, so als gäbe es keinen anderen für sie geeigneten Platz im gesamten Biergarten. Ein Herdentrieb? Mitnichten! Die wollen in der Nähe anderer Menschen sein, die gehen extra in Biergärten und Lokale, um mal unter Leute zu kommen, das gehört für die zum Wohlfühlfaktor hinzu.

Dazu gehört auch, daß das immer eine Person mehr ist, als an den Tisch passt und diese Person sieht immer aus wie eine Mischung aus Reinhard May und Peter Lustig und diese Reinhard Lustig guckt uns dann fragend an: „Ist der noch frei?“ und nimmt dann, ohne unsere Antwort abzuwarten einen der Stühle von unserem Tisch, dreht ihn um und sitzt dann quasi noch an unserem Tisch, nur mit dem Rücken zu uns. Seinen Anti-Atomkraft-Rucksack stellt er ungeniert auf einen weiteren freien Stuhl an unserem Tisch.

Wenn die Allerliebste und ich in so einen Biergarten gehen, dann suchen wir uns ein lauschiges Plätzchen, machen es uns gemütlich, trinken etwas und wollen uns unterhalten. Ja und wenn wir zwei uns unterhalten, dann tun wir das in einer Lautstärke, die sicherstellt, daß jeder den anderen versteht; jeder von uns beiden. Andere sollen das möglichst nicht verstehen, nicht weil wir Geheimnisse hätten, sondern weil es den Rest der Welt normalerweise nichts angeht.

PresswurstdeutschePresswurstdeutsche

Die Leute die sich aber trotz 123 freier Stühle direkt an den Tisch neben uns setzen müssen, weil das ja ein Naturgesetz ist, die unterhalten sich, als säßen sie etwa 50 Meter auseinander oder litten an fortgeschrittener Schwerhörigkeit. Ganz ehrlich? Da wäre mit 100% gehörlos lieber, die reden dann mit den Händen in Gebärdensprache und nerven nicht.
Jutta hat jetzt Schuppenflechte, eine gewisse Danny hat Robby rausgeschmissen und Bella ist seit vier Wochen arbeitslos. Nein, ich kenne weder Jutta, noch Danny, Robby oder Bella, aber die Leute am Nebentisch krakeelen in voller Lautstärke das Schicksal ihres gesamten Freundeskreises durch die Gegend.

Manchmal stecken die Allerliebste und ich uns gleichzeitig jeder eine Zigarette an und dann produzieren wir jeden Menge Qualm, den wir gerne auch mal zu den Presswurstsitzern hinüberblasen. Denn eins ist sicher: Presswurstsitzer sind immer Nichtraucher und haben Allergien gegen alles Mögliche.

Ich weiß nicht, was bei solchen Leuten im Kopf abgeht, vermutlich kommen die in den Biergarten, sehen uns da sitzen und innerhalb von Millisekunden registrieren sie ausgerechnet unsere Sitzplätze als die besten Sitzplätze der Welt und wollen ebenfalls so gut und toll sitzen wie wir.

Wenn man aber schön qualmt, klappt es in 26,33% aller Fälle, daß wenigstens einer der Presswurst-Lustigs sofort anfängt, mit den Händen zu wedeln und den Rauch nicht zu vertragen. Es dauert dann nicht lange, bis die Lustigs mit entrüsteten Gesichtern die Flucht vor uns Barbaren ergreifen und einen, exakt einen, Tisch weiterrücken.

Sollte das Lustig-Wegqualmen mal nicht klappen, dann greifen die Allerliebste und ich zu unserer Geheimwaffe!
Wir bestellen bei der Bedienung was zum Essen und zwar mit Fleisch!

In 48,91% der Fälle kann einer der Anti-Atomkraft-Wurstsitzer schon den Geruch von Tierleichen nicht ertragen und in diesem Fall rücken die oft sogar unter verbalen Protesten mehr als zwei Tische weiter, um dann die ganze Zeit böse und entrüstet zu uns hinüberzublicken.
Tun sie es wider Erwarten nicht, dann beginne ich der Allerliebsten völlig frei erfundene, aber durchaus echt klingende Geschichten aus meiner Zeit als Kopfschlächter, Tierkadaverzerleger und Darmschleimer zu erzählen, natürlich ausnahmsweise mal ebenso laut, wie die Presswürste; das reicht dann meistens.

Es heißt ja, dieses Sich-zu-vorhandenen-Gästen-in-die-Nähe-setzen sei ein Urtrieb, es stecke noch aus uralten Zeiten in uns und würde uns ein schützendes und sicheres Gefühl geben.
Aber sind wir doch mal ehrlich: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, daß ausgerechnet im griechischen Lokal an der Ecke oder in irgendeinem Biergarten heute noch ein Säbelzahntiger auftaucht?
Ja und selbst wenn er käme: Wie groß wäre die Wahrscheinlichkeit, daß die Allerliebste und ich ausgerechnet den Presswürsten Schutz bieten würden?

Sehr gering, sehr, sehr gering!

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!


peter wilhelm autorenlesung
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