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Nummer 45

Nummer 45

Da die Pest-und-Cholera-Nummer bei der Berichterstattung zum Wahlkampf in den USA von den Medien über Gebühr bemüht, ja beinahe missbraucht wurde, sei ein etwas anderer Blick auf das Geschehen im Allgemein und den 45. Präsidenten im Besonderen gestattet. Die US-Amerikaner hatten nämlich mitnichten die Wahl zwischen Pest und Cholera, eher zwischen einer roten und einer blauen Nullnummer.

Auf der einen Seite der polternder Grobmotoriker Trump, ein xenophober Rassist, ein hemdsärmeliger, lauter, ungehobelter Parvenü, der trotzt seines immensen Reichtums von der elitären US-Upper-Class wie ein Aussätziger gemieden wird. Auf der anderen Seite die verschlagene Medusa Clinton, eine, sich in dreisten Lügen windende, Heuchlerin, eine PR-gestählte Front-Cover-Visage, deren widerlicher Opportunismus alles verkörpert, was an Politik so abstoßend erscheint.

Was haben die Tageszeitungen, die Nachrichten, die Kommentare der immer gleichen Interviewpartner, sprich die gänzlich von Intellekt befreite Medienmaschine dem völlig entnervten Zuhörer mit schafsdummem Pathos und sensationssabberndem Timbre wochenlang suggeriert: Donald Trump habe mit seinem unfairen Wahlkampf das Land tief gespalten. Noch so eine idiotische Metapher. Anscheinend korreliert die Quote in der Medienlandschaft nur noch mit Flachchsinn und phantasielos Abgedroschenem.

Nummer 45Nummer 45

Einen Scheiß hat Donald Trump gespalten. Die USA sind spätestens seit der Amtszeit des Kriegsverbrechers George W. Bush ein zerbrochenes, ein kaputtes, und ein, zumindest moralisch, bankrottes Land. Der Überfall der Bush-Administration und ihres Dunstkreises aus Rüstungsfirmen, Ölgiganten und Wall-Street-Magnaten auf den Irak hat den amerikanischen Steuerzahler 1,3 Milliarden US-$ gekostet – kalendertäglich! Heute bietet die amerikanische Gesellschaft ein Bild aus krassen Gegensätzen, wie man sie eigentlich nur aus afrikanischen Operettenstaaten zu kennen glaubt.

In den mondänsten Gegenden des Landes residiert der Geldadel, die Superreichen. Abgeschottet in einem eigenen Kosmos, einem Kokon, der keinerlei materielle Wünsche wie Sportwagen, Yachten oder Kunstgegenständen offen lässt. Eine Welt aus Geld, Beton, Stahl und Glas. Bewacht von einer Privat-Armee aus ehemaligen Elite-Soldaten, die nach ihrem heroischen Dienst für das Vaterland jetzt in der boomenden Sicherheitsbranche der modernden Gesellschaft Kasse machen. Das Establishment genießt eine medizinische Rund-um-Versorgung der Champions-Legaue-Klasse, die kleine Malheurs wie Falten auf der sonnenbankgebräunten Stirn via Botox-to-go diskret aus dem Gesicht und der Welt schafft. Dem arroganten Nachwuchs stehen sündhaft teuren Privatschulen und Universitäten mit wohlklingenden Namen zur Verfügung, und die Netzwerke der Eltern sorgen dafür, dass die nächste Generation sich niemals davor fürchten muss, dass ihr jemand den goldenen Löffel aus dem Maul reißt.

Um diesen obszönen, hermetisch abgeschotteten Speckgürtel der Arroganz siedelt die zusehends schwindende Mittelklasse, atemlos hechelnd, zuweilen zwischen gleich mehreren Jobs, um die Forderungen der Kreditkarten-Firmen, die Hypotheken für das Haus mit Doppelgarage und die Raten der beiden geleasten SUVs zu bedienen. In den abgerissenen Vierteln des amerikanischen Alptraumes schließlich vegetiert der Rest der Nation under God: die Gescheiterten, die in die Gosse getretenen, gesundheitliche Wracks, die ihr Dasein nur noch mit Suff und Crack ertragen, oder (noch) für einen Hungerlohn schuften, um sich mit billigem Industrie-Junk satt essen zu können, damit noch genügend übrigbleibt, um einem Immobilien-Hai aus dem erwähnten Kokon die Miete für ein zugiges Loch in den Rachen werfen zu können.

Was also bitteschön soll Donald Trump gespalten haben? OK, er hat mit einer Tradition gebrochen, deren Auswirkungen die Welt sein Jahrzehnten im Würgegriff hält. Denn was Trump jetzt schon für sich reklamieren kann, ist ein Novum:

Seit 1921 waren, mit Ausnahme des grottenschlechten Western-Laiendarstellers Ronald Reagan, alle US-Präsidenten Mitglieder des elitären CFR (Council on Foreign Relations), einer, mit dem üblich blockhohlen Euphemismus der deutschen Leitmedien titulierten Denkfabrik, einer konspirativen Verbrecherorganisation, die den Globus mit hegemonialer Arroganz als Selbstbedienungsladen betrachtet und weder Freund noch Feind kennt, sondern nach Gusto entscheidet, wer wozu nützlich ist, und wer eliminiert werden darf. Trump stammt nicht aus diesem Stall, und das sollte ihm zumindest eine Handvoll Vorschußlorbeeren gestatten.

Vielleicht stellt die hyperventilierende Berichterstattung um das Milliarden-Spektakel des US-Wahlkampfes und über Donald Trump, den für das Oval Office niemand „auf dem Schirm“ hatte, auch nur eine mediale Nebelkerze dar. Vielleicht soll das Deutsche Wahlvolk einfach nur wieder auf Linie gebracht werden, damit dem hiesigen politischen Establishment 2017 ein ähnliches Desaster erspart bleibt. Dass die Bürgerinnen und Bürger in diesem unserem Lande, das Wahlvolk, das Stimmvieh, derart medial eingeschüchtert lieber das Bestehende zu konservieren sucht, statt Neues zu wagen, statt sich einmal über die transatlantischen Denkfabriken und deren Mitgliedern aus der deutschen Politik, wie Friedrich Merz oder Karl-Theodor von und zu Guttenberg zu informieren. Hängt nämlich alles irgendwie zusammen. Der Niedergang der Nation über dem großen Teich und das zeitversetzten Nachhecheln jeden US-Mülls hierzulande. Aber da ist sicher wieder eine dieser blöden Verschwörungstheorien des Autors, der sich mit schickem Alu-Hut die Paranoia von der Seele schreibt.

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Peter Grohmüller

Peter Grohmüller

Hallo, ich bin Peter Grohmüller und leide nicht an dieser Welt, aber mir fällt ihr Leiden auf.

"This world is sick and we are the doctors."

Wenn es eine Wunde gibt, dann muß man sie entweder heilen oder Salz hineinstreuen. Wir, das sind die Kritischen, die Hinterfragenden und die Lallbackenentlarver. – So einer bin ich.

Alle namentlich gekennzeichneten Beiträge geben allein die Meinung des Autors wieder.


peter wilhelm autorenlesung
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