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Mein Fernseher hat Geschmack

Mein Fernseher hat Geschmack

Er beugt sich so weit vor, daß er seiner Gesprächspartnerin, die in diesem Falle Wibke Bruhns heißt und sich für fürchterlich bedeutend hält, fast in den Schoß fällt. Dabei spreizt er im Sitzen die Beine in groteskem Winkel ab, auf daß der Zuschauer stets einen Blick auf seine Stiefeletten Marke „Rieker Damenklo“ werfen muß und knetet einhändig seine Moderatorenkärtchen, die ihm Leitfaden durch eine lau moderierte Sendung sind. Die Rede ist vom Moderatorenimitator Markus Lanz, dem Jörg Pilawa des ZDF. Die Wunderwaffe des Zweiten ist der Dampfplauderer der Nation, beliebt bei allen Rentnern, die gerne vor dem Fernseher schlafen, und moderiert die Sendungen „Guten Abend“, „Explosiv – Das Magazin“, „Der Hochzeitsplan“, „Outback“, „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! – Spezial“, „Alles Gute, Karlheinz Böhm – Ein Leben für Afrika“, „Ciao, Luciano Pavarotti“, „Das will ich wissen“, „Gut zu wissen“, „Lanz kocht!“, „Glückwunsch, Thomas Quasthoff“, „Udo Jürgens – die Geburtstagsgala“, „History – das Quiz“, „Hilfe für Pakistan“, „Wetten, dass..?“.
Ach nee, das sind ja alles Sendungen, die er nur einmal moderieren durfte oder die schon glücklicherweise abgesetzt sind.
Im Moment moderiert er noch die Sendung, die so heißt, wie der Italiener selbst, nämlich „Lanz“.

Als jemand, der in der Nähe von Mannheim lebt, verbindet man ja mit dem Namen Lanz eher Traktoren und Ackergeräte und kommt dann beim Anschauen einer Lanz-Sendung doch recht schnell dahinter, daß ein Glühkopftraktor aus dem Hause Lanz, das ebensogut könnte.
Bisserl viel stotterndes Getöse und oben raus kommt viel heiße Luft.

Heute gucke ich also Lanz, weil mein Freund Torsten Sträter dort zu Gast ist. Ich folge Torstens Worten, dann lacht Lanz meckernd dazwischen, sagt irgendwas und mein Fernseher hat auf einmal Tonaussetzer und zeigt Lanz‘ Gesicht in groben Pixeln.
Kaum hält der Südtiroler seine Klappe, sind Bild und Ton wieder in Ordnung.
Als nächstes versucht er Wibke Bruhns zu interviewen, was beim hilflosen Versuch sich selbst im Dünnpfiff blubbernden Keim erstickend scheitert; aber auch hier: Sobald Lanz den Mund aufmacht, kommen Pixel und Tonaussetzer.
Wibke Bruhns spricht, das Bild ist in Ordnung, der Ton ist glasklar.
Lanz spricht, Tonaussetzer, grobe Pixel, zitterndes Bild.
So geht es die ganze Zeit im Wechsel.

Der Fernseher ist von LG und deren Reklamespruch ist „Life’s good“ (Das Leben ist gut). Stimmt, denn der Fernseher scheint Geschmack zu haben, hat wahrscheinlich eine eingebaute Lallbacken-Sperre und blendet sowas wie „das Lanz“ gnadenlos aus.
Die haben was drauf, die Südkoreaner!

Bild: Markus Lanz von Kurt Kulac, lizenziert unter CC BY-SA 3.0

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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peter wilhelm autorenlesung
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1 Kommentar auf "Mein Fernseher hat Geschmack"

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bard jun.
Gast

Mein LG warnt beim zappen immer kurz vor, welche Sendung läuft. Und wenn da irgendwo LANZ auftaucht, lässt er den entscheidenden Sekundenbruchteil zum weiterschalten Zeit, bevor diese Kackfr…… zu sehen ist.

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