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Leider kein Testgerät von Beurer – Blutzuckermessgerät

Leider kein Testgerät von Beurer – Blutzuckermessgerät

Die meisten meiner Leserinnen und Leser wissen ja, daß ich Diabetiker bin und über weite Strecken auch auf Insulin angewiesen bin.
Dazu ist es erforderlich, daß ich mehrmals täglich meinen Blutzuckerspiegel messe. Das geschieht mit kleinen Blutzuckermessgeräten, in die man zumeist einen Teststreifen einsteckt, auf den man einen Tropfen Blut auftragen muß.
Nach wenigen Sekunden berichtet einem das batteriebetriebene Gerät dann den Blutzuckerspiegel.
Anhand dieser Daten entscheidet man dann, ob und was man essen darf und ob man ggfs. Insulin spritzen muß.

Geht man damit sorglos um, drohen einem Unter- oder Überzuckerung. Während die Überzuckerung in den meisten Fällen unbemerkt bleibt, führt sie aber langfristig zu Nerven. und Gerhinschäden und zu einer Beeinträchtigung des Sehvermögens bis hin zur Erblindung. Dahingegen führt eine Unterzuckerung schnell auch mal zu einer manchmal lebensbedrohlichen Ohnmacht.
Es ist also wichtig, regelmäßig zu messen und dafür das geeignete und vor allem zuverlässige Blutzuckermeßgerät zur Verfügung zu haben.

Das wiederum führt dazu, daß die allermeisten Diabetiker immer aufhorchen, wenn ein neues Gerät auf den Markt kommt. Denn wirklich zufrieden sind die meisten Betroffenen mit den bereits vorhandenen Geräten nicht.
Irgendein Manko scheint jedes Gerät zu haben. Ich selbst habe viele dieser Geräte schon von der Industrie zu Testzwecken zugesandt bekommen und in den verschiedensten Medien, auch hier im Blog, darüber berichtet.
Mich erstaunt immer wieder, daß ich -wie auch viele andere Betroffene- sehr schnell Schwachpunkte finde, denn ich gehe doch davon aus, daß die Pharmafirmen auch entsprechende Anwendertests durchführen.

Im Zusammenhang mit meinem letzten Test eines Blutzuckermeßgerätes schrieb ich:

Wie üblich gab es das umsonst, denn die Hersteller geben ihre teils recht aufwendigen Geräte gerne kostenlos an die chronisch kranken Diabetiker ab, weil sie sich einen großen Verdienst über das Folgegeschäft mit den Teststreifen versprechen, die man regelmäßig nachkaufen muß (ggf. auf Rezept).
Ja, viele Diabetiker besitzen eine ganze Schublade voll von diesen Testgeräten und probieren jedes eine Weile lang aus. Dreibeinblog

Wichtig ist es, zu verstehen, daß es gar nicht einmal unbedingt die Diabetiker selbst sind, die sich aktiv auf die Suche nach neuen Geräten machen, sondern es sind Apotheker, Ärzte und Krankenkassen, sowie eine sehr rege Werbung der Unternehmen in Zeitschriften, TV und Internet, die den chronisch Kranken immer weitere kostenlose Geräte ins Haus bringen. Über die Jahre, hier spielt natürlich auch der technische Fortschritt eine Rolle, ist es daher tatsächlich so, daß mancher Diabetiker vier, fünf oder sechs solcher Geräte zusammen bekommen hat.

Der Hauptgrund dafür ist die Hoffnung, endlich einmal ein Gerät zu finden, daß die persönlichen Bedürfnisse am besten befriedigt.

Gerne kann ich mal schildern, wie das bei mir ganz persönlich aussieht.
Als bei mir Diabetes diagnostiziert wurde, bekam ich direkt vom Hausarzt ein Gerät von Bayer mit den obligatorischen 10 Teststreifen kostenlos.
Kurz darauf brachte die Firma Medisana ein tolles Gerät heraus, das an mein iPhone angedockt werden konnte. Das bekam ich als Testmuster zur Verfügung gestellt.

So besaß ich also zwei Geräte, wovon eins aus meiner beruflichen Tätigkeit als Journalist resultierte.
Es gesellte sich das Gerät myLife Pura von Ypsomed dazu, das mit ebenfalls vom Hersteller zur Verfügung gestellt wurde.

Das Medisana-Gerät kann ich übrigens zwischenzeitlich nicht mehr benutzen, seit mein aktuelles iPhone einen Lightning-Anschluß hat, da paßt das Medisana-Gerät leider einfach nicht mehr. (Dieses Gerät ist also eine Technikleiche und zählt nicht mehr mit.)
Ein weiteres Testgerät war das Accu Chek mobile von Roche. Eigentlich ein sehr durchdachtes Gerät, weil man alles in einem handlichen Gerät vereint hat und nicht mit einzelnen Teststreifen hantieren muß.
Leider aber habe ich damit, wie manch anderer Diabetiker auch, so meine Probleme hinsichtlich der Zuverlässigkeit. Also landet auch dieses Gerät leider auf dem Gerätefriedhof. Ich kann es mir nicht erlauben, aufgrund von Geräteversagen mein Leben zu riskieren, so einfach ist das.

Der Apotheker gab mir daraufhin das FreeStyle InsuLinx kostenlos mit. Ein ganz ordentliches Gerät, das ich dann auch brav getestet und über das ich auch anständig berichtet habe.

Aber auch dieses Gerät hat seine Schwachpunkte.

Und so geht es mir, wie vielen Diabetikern. Ich habe nun eine Handvoll von Geräten, von denen zwei nicht funktionieren, von denen eins immer als eiserne Reserve im Auto ist und von denen ich eines immer regelmäßig benutze.
Das myLife Pura ist übrigens an einen anderen Diabetiker weitergegeben worden, weil es mit meiner Diabetessoftware nicht zusammenspielen wollte.

Andere Diabetiker haben noch viel mehr Probleme als ich. Manche haben schlechtere Augen und können viele Geräte nicht gut ablesen. Andere sind älter und haben Schwierigkeiten beim Greifen. Wieder andere sind motorisch noch mehr beeinträchtigt und können die feinen Teststreifen nicht gut einlegen.
Und da man die Geräte ja wiegesagt fast alle kostenlos bekommt, probieren die Betroffenen in ihrer Verzweiflung immer mal wieder ein neues Gerät aus, um endlich irgendwann das Richtige zu finden, so hoffen sie.

Nun hat die Firma Beurer ein neues Gerät am Markt, das sehr vielversprechend ist. Mir ist von mehreren Apothekern und Diabetikern davon berichtet worden, es ist das Gerät Evo 50 von Beurer.
So habe ich also eine freundliche Mail an die Firma geschrieben und um ein Testmuster gebeten. Selbstverständlich bezahle ich für sämtliche Produkte, die ich anfordere, den geforderten Preis, so denn einer verlangt wird.

Aber die Firma Beurer weigert sich, mir ein Gerät zur Verfügung zu stellen.

Sehr geehrter Herr Wilhelm,

herzlichen Dank für Ihre Anfrage bzgl. unseres Blutzuckergerät Evo.
Wie Sie schon in Ihrem Blog beschrieben, ist es bei allen Firmen üblich, dass Blutzuckermesssysteme sehr großzügig kostenlos abgegeben werden.
Sie beschrieben die derzeitige Situation sehr treffend: „Ja, viele Diabetiker besitzen eine ganze Schublade voll von diesen Testgeräten und probieren jedes eine Weile lang aus.“
Wir bei Beurer, gehen etwas wertschätzender mit unseren Ressourcen um. Selbstverständlich bekommt jeder Diabetiker ein Blutzuckermesssystem von uns, wenn er es benötigt.
Allerdings versuchen wir „ Schubladenbildung“ zu vermeiden. Der Evo wird von uns nur in sehr kleinen Mengen an Fachpersonal abgegeben.
Hier kann beurteilt werden, ob eine Abgabe sinnvoll ist.

Besuchen Sie uns doch gerne an einen unserer Stände auf eine der Messen/Diabetikertagen.
Hier können Sie in aller Ruhe den Evo oder eines unserer anderen Systeme ausprobieren.

Vielen Dank für Ihr Verständnis,
mit freundlichen Grüßen

Das finde ich schon sehr erstaunlich. Das Unternehmen gibt das Gerät nur in sehr kleinen Mengen an Fachpersonal aus.
Auf der anderen Seite „bekommt jeder Diabetiker ein Blutzuckermesssystem, wenn er es benötigt.

Irgendwo schon ein Widerspruch.

Nun gut, ich werde das Gerät auch so bekommen und testen.

Es hat nämlich nichts damit zu tun, daß man mit seinen Ressourcen wertschätzend umgeht, wenn man den Patienten den prüfenden Umgang mit einem solchen Gerät verweigert.
Gibt es da etwa noch Schwachpunkte, die man nicht einer kritischen Begutachtung unterzogen wissen will?
Nein, das glaube ich noch nicht einmal. Man stört sich an meiner Formulierung, daß manche Diabetiker eine Schublade voll Geräten haben.
Man erkennt aber nicht, daß das nicht aus bloßer Sammel- oder Ressourcen-Verschwendungswut geschieht, sondern aus der Verzweiflung der Betroffenen heraus, endlich einmal ein wirklich gutes Gerät zu finden, das wirklich die Bedürfnisse der Patienten befriedigt.

Immerhin werden meine Testberichte ad hoc von im Schnitt 10.000 Leserinnen und Lesern gelesen und über die Zeit erfahren diese Berichte mehrere Zehntausend Aufrufe.
Da ist es schade, wenn man vielleicht ein wirklich gutes Gerät hat und es nicht hergeben möchte.

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Bestsellerautor Peter Wilhelm schreibt hier über die hauptsächlichsten Nebensächlichkeiten der Welt.
Er testet Produkte, Service und Angebote.
Er ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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