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Lehrer

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Ratschläge für einen schlechten Lehrer

Du hast dich also entschlossen, Lehrer zu werden. Du Trottel! Aber wenn du schon nicht genug von der Penne kriegen konntest, dann beherzige wenigstens die folgenden Ratschläge, um dir und deinen Schülern in den kommenden 30 Jahren etliche Psychosen zu ersparen.
Wenn du in die Klasse kommst, reiß erstmal das Fenster auf und mache eine Bemerkung über das schöne Wetter. So wird allen klar, dass sie eigentlich überall lieber wären als hier. Dann fange mit dem Unterricht an.
Es gibt viele, die behaupten, Lehrer zu sein, sei die Kunst, Leuten was zu erzählen, das sie gar nicht wissen wollen. Das stimmt, aber der Trick dabei ist, dass die Schüler so gerade eben nichts verstehen dürfen. Sonst verlierst du ihren Respekt. Um das zu erreichen, gibt es ein paar ganz einfache Sachen, die es zu beachten gilt.
Steht ein völlig neues Thema an, gib es grundsätzlich erst als Hausaufgabe auf. Schüler lieben es, sich auf diese Weise die Nachmittage um die Ohren zu schlagen. Wenn in der nächsten Stunde keiner was rausgekriegt hat, dann sag einfach folgenden Satz: „Ihr hättet euch ja mal in der Bibliothek informieren können, und im Internet gibt es dazu auch ne Menge Infos.“ Damit bist du aus dem Schneider, weil dir niemand widersprechen kann. Außerdem hast du das Wort „Internet“ benutzt. Das unterstreicht die Multimedialität deines Unterrichts. Internet? Ja, das ist dieser komische neumodische Kram, von dem jetzt alle reden. Eigentlich weiß ja niemand so genau, was das ist, aber was soll’s? Vor zweitausend Jahren hat man so einen Kram ja auch nicht gebraucht. Anschließend setzt du mit der wurschtelnden Methode das fundierte Nichtwissen der Schüler zu einem großen Halben zusammen.
Komme hierbei nie sofort zur Sache und erkläre nie alles klipp und klar. Dann durchschauen die Schüler ja, wie einfach eigentlich alles ist. Dein Ziel muss es bleiben, dein Fach so darzustellen, als sei es etwas Geheimnisvolles.
Dein Fach gehört den Fachleuten und keinem anderen. Um das klarzumachen, benutze so viele Fachausdrücke wie möglich. Benutze beispielsweise nie ein Wort wie „Dreieck“. Das ist zu trivial. Nimm lieber: „Planimetrisches irreguläres n-Eck mit n = 3“. Und sofort weiß keiner, was gemeint ist.
Mache immer verwirrende Tafelbilder, in denen von Anfang an ein Fehler steckt. Schließlich musst du ja wissen, ob die Schüler aufpassen. Wenn dann so gerade eben alle mit Mühe und Not wenigstens in Ansätzen…gar nix kapieren, dann enthülle den Fehler, um das Chaos perfekt zu machen. Diese Methode des indifferenten Konjunktivs wurde von einem großen Philosophen begründet: Handle stets so, dass die Maxime deines Willens eine Katastrophe verursacht und das Universum ins totale Chaos stürzt.
Wenn auch das nichts hilft und deine Klasse doch dahinter kommt, was du eigentlich erzählen willst, dann gilt das Motto: „Wo wir grad‘ mal beim Thema sind, können wir ja mal davon abschweifen.“ Es gibt doch mit Sicherheit irgendeine faszinierende Anekdote, die man gerade erzählen kann (die man die nächsten 30 Jahre übrigens immer wieder erzählen kann). Auch immer gut kommen Geschichten, die erzählen, für welche tollen Sachen man „das“ „später“ eigentlich braucht. Insbesondere in den letzten Stunden vor den Klassenarbeiten kommt so etwas besonders gut.
Falls dir bei deinem eigenen Unterricht zu langweilig wird, dann beschäftige dich doch anderweitig. Insbesondere in den unteren Klassen sind die Themen ja eigentlich zu einfach um interessant zu sein. Dann können die Schüler auch mal selbstständig arbeiten. Das müssen sie in der Oberstufe oder im Studium ja schließlich auch. Sag ihnen, sie sollen das und das im Buch machen und nimm an dem Tag doch einfach mal deine Zeitung mit. So lernen die Schüler selbst was und du hast deine Ruhe. Und wozu zahlst du ihnen schließlich mit deinen Steuergeldern die Schulbücher, wenn sie nicht benutzt werden?
Apropos Schulbücher: Suche aus jedem Buch immer die dämlichsten Aufgaben heraus. Jene Texte, bei denen man sofort erkennt, dass sie nur geschrieben wurden, damit sich irgendwer daran dumm und dämlich analysiert. Jene, bei denen die Interpretation schon vor dem eigentlichen Text existierte.
Wenn vor Klassenarbeiten gewünscht wird, irgendwas zu wiederholen, dann nimm immer das Einfachste vom Einfachsten. So gibst du den Schülern die Illusion sie hätten einen blassen Schimmer von dem, was du da machst. Erwähne dann geschickt, in einem Nebensatz versteckt, dass die nächsten dreiundzwanzig Seiten natürlich auch für die Arbeit zu lernen sind.
Bei allem, was du machst, kannst du eine gewisse Allgemeinbildung stets voraussetzen. Wer nicht weiß, wer Caesar war, hat auf einem deutschen Gymnasium sowieso nichts verloren. Zitiere stets irgendwelche antiken Tollitäten, das gibt dem ganzen einen humanistischen Touch.
Manchmal musst du in der Schule Entscheidungen treffen. Wohin geht die nächste Klassenfahrt? Welche Lektüre lesen wir als nächstes? Wann machen wir mal wieder einen Wandertag? Hier gilt: Schule ist eine real existierende Demokratie. Egal, wie die Schüler abgestimmt haben, hinterher fällt dir mit Sicherheit immer ein Grund ein, warum dieses oder jenes dann doch nicht geht. Außerdem sind die Schüler sowieso zu dämlich, um über irgendwas gescheit nachzudenken.
Was tun, wenn die Schüler mal nicht wollen? Naja, da gib es natürlich verschiedene moderne Erziehungsmethoden. Im Ernstfall probiere einfach alle durch, die dir gerade einfallen. Schüler lieben es das pädagogische Versuchskaninchen zu spielen. „Bitte meinst du nicht bitte auch, dass du bitte damit bitte aufhören könntest?“ (Falls möglich kann man auch hier mal ein paar Tränen simulieren.) Sollte das auch nichts bringen, kannst du schon richtig schwere Geschütze auffahren: „Jetzt ist aber wirklich Schluss. Ich möchte dich bitten, den Raum bitte zu verlassen.“ Du kannst auch deinen Unmut bekunden und dabei irgendwas im Takte deiner Worte leicht aufs Pult schlagen: „Verflixt und zugenäht. Das finde ich jetzt aber nicht fair von euch.“ Nur in äußerst schlimmen Fällen darfst du zum letzten Mittel greifen. Es ist so grauenvoll, dass es selbst der Inquisition verwehrt blieb: Trage den Schüler ins Klassenbuch ein! Ein Brief nach Hause tut’s auch. Das ist für einen Schüler so schlimm, dass er es sich zweimal überlegen wird, sich nochmal aufzulehnen… Und, wenn das nicht klappt:
Scheiß auf den ganzen neumodischen Kram. Wenn man die Schüler schon physisch nicht mehr verprügeln darf, dann halt verbal. Ein zünftiger Schreikrampf – und sofort is‘ wieder Ruhe im Karton. Nervensägen schickst du einfach zum Schulleiter, damit der auch mal seinen Spaß hat. Davor haben Schüler nämlich panische Angst. Unterrichte immer nach demselben System, für was anderes sind die Schüler eh zu blöd. Und eines ist ja wohl selbstverständlich: Der Lehrer ist eine Autoritätsperson!

Urheberrecht ungeklärt, aus einer Spaß-Mail vom Tage

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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