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    frau ruckdäschl

    Herr Bommel aus dem Nachbarort ist weder mit uns verwandt, noch kennen wir ihn näher. Aber aus irgendeinem Grund hat er uns auserkoren, zu seinem engeren Freundeskreis zu gehören. Das zeigt sich beispielsweise darin, daß er uns immer eine Runde ausgibt, wenn wir im Kaffeehaus sitzen und uns ab und zu einen Eimer frisch gepflücktes Obst aus seinem Garten vorbeibringt.

    Irgendeine Gegenleistung hat er nie erwartet und nie bekommen, wir sind einfach freundlich zu ihm. Das mit der Gegenleistung änderte sich vorgestern Morgen, da stand Herr Bommel vor unserer Haustüre und schien ziemlich aufgeregt.

    „Können Sie mich vielleicht ins Büro fahren? Mein Wagen ist kaputt, ich glaub ich habe einen Lagerschaden.“

    Glücklicherweise stand ich da mit Herrn Bommel im Gespräch, denn so blieb mir die allmorgendliche Attacke der Scherohnie, Frau Ruckdäschl, erspart, die nur kurz an uns vorbeirauschte, eine Sekunde innehielt, wohl aber feststellte, daß sich aus unserem Gespräch nichts herausschlagen ließ und entschwand.


    Natürlich habe ich Herrn Bommel ins Büro gefahren und am Nachmittag auch wieder abgeholt; glücklicherweise war da sein Auto schon repariert und wir konnten auch das noch abholen. Man kann sich kaum vorstellen wie sehr sich Herr Bommel gefreut hat.

    LagerschadenLagerschaden

    Gestern nachmittag klingelt es, es ist Herr Bommel, der uns einen Karton Wein als kleines Dankeschön bringen will. Im Treppenhaus trifft er leider auf die Ruckdäschl.

    „Sie, sagen Sie mal, dürfe Sie überhaupt Wein trinke?“, quatscht sie unseren Gast einfach an. Irgendwelche Hemmungen kennt sie sowieso nicht und Herr Bommel ist ja auch ein alter Bekannter, schließlich hat sie ihn tagszuvor schon einmal kurz gesehen.

    „Warum soll ich keinen Wein trinken dürfen?“, fragt Herr Bommel freundlich zurück.

    „Na weil sie doch so sind.“

    „Wie bin ich denn?“

    „Ah ja, Sie wisse schon, Sie sind doch einer vunn denen.“

    „Ich weiß wirklich nicht was Sie meinen.“


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    „Gell, Sie wolle das nicht wahrhaben, daß sie so einer sind. Sie tragen ja auch kein Käppi.“

    „Also ich glaube fast, daß Sie mich verwechseln. Ich trage niemals ein Käppi und bin auch keiner von denen, was immer Sie meinen.“

    „Sie wolle nicht drüber reden, gell, weil Sie so schreckliche Sachen erlebt haben, oder? Sie armer Mann, Sie!“

    „Tut mir leid, aber ich weiß wirklich nicht was Sie wollen.“

    „Na wegen dem KZ, sie sind doch so einer von den Juden, oder?“

    „Wie bitte?“

    „Ach komme Sie, isch hab des gestern doch genau gehört. Mir brauche Sie nichts vorzumache.“

    „Was haben Sie gehört?“

    „Na, daß Sie da einen Schaden vom Konzentrationslager haben, so einen Lagerschaden.“

    Herr Bommel und wir haben noch ein ganze Weile über die alte Ruckdäschl gelacht. Ist doch erstaunlich, wie die es schafft, jeden Tag den Gott werden läßt, für solche Mißverständnisse zu sorgen.


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