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Kindesentführer? Lustmolch? Unhold? Seckenheimschule

Kindesentführer? Lustmolch? Unhold? Seckenheimschule

Eine komische Geschichte erzählte mir meine Tochter vorgestern.
Angeblich habe ein Typ auf einem blauweißen Sportmotorrad versucht einen kleinen Jungen vor der Seckenheimschule in Mannheim-Seckenheim zu entführen.
Der Mann habe versucht den kleinen auf sein Motorrad zu ziehen und mitzunehmen.

Im Polizeibericht und in der Zeitung findet man aber nichts dazu.
In Facebook findet man aber eine Meldung:

ich hab eine bitte an dich, wenn du in seckenheim irgendwo ein sportmotorrad siehst (vorne blau hinten weiß) dann merk dir bitte das nummernschild und schreibs mir, der penner wollt (einen jungen) entführen

Das wiederum macht mich dann doch etwas nachdenklich. Vor allem weil meine Tochter ergänzend noch erzählte, so etwas sei schon häufiger vorgekommen.

Was macht die Schule da eigentlich? Warum werden die Eltern nicht informiert?

Nun, das wird gute Gründe haben.
Denn nach einem Gespräch mit Schulleiter Rektor Achim Jauernig sieht die Sache dann doch etwas entspannter aus.
Offensichtlich hat es einen Vorfall gegeben, bei dem ein Motorradfahrer vor einigen Tagen ein Mädchen angesprochen haben soll. Passiert ist aber nichts.
Er soll dem Mädchen Geschenke in Aussicht gestellt haben, wenn es mit ihm mitfahre.

Kindesentführer? Lustmolch? Unhold? SeckenheimschuleKindesentführer? Lustmolch? Unhold? Seckenheimschule

Auf jeden Fall sind seitdem bei den aufgeregten Kindern alle Motorradfahrer verdächtig und jeder der auch nur im Umkreis des Stadtteils Seckenheim auf einem Motorrad gesehen wird, gilt als potentieller Unhold, zumindest mal in den Augen der Kinder.

Das bedeutet nicht, daß man das Ganze nicht mit Sorge und der gebotenen Vorsicht im Auge behalten muß. Selbstverständlich muß auch vagen Hinweisen nachgegangen werden und jedwede Annäherung Fremder an die Schulkinder immer sehr skeptisch gesehen werden.
Aber aufgrund der Vorkommnisse gerade in dieser Woche, scheint man die Angelegenheit jetzt doch zwar immer noch sehr ernst zu nehmen, aber doch nicht mehr mit so großer Brisanz zu sehen.
Vor allem die Aussagen eines Knaben, man habe ihn entführen wollen, widersprachen sich scheinbar in ganz wichtigen Details, sodaß insbesondere wohl in Rede steht, der diesmal verdächtigte Motorradfahrer sei mit großer Geschwindigkeit an dem Kind vorbei gefahren.
Wenn man sich überlegt, wie „mit hoher Geschwindigkeit vorbei fahren“ und „das Entführen eines 40-50 Kilogramm schweren Jungen“ in Einklang kommen sollen, dann wird klar, daß die Kinder wohl verängstigt sind und manchem vielleicht auch die Phantasie einen Streich spielt.

Gut daß die Polizei eingeschaltet ist und durch erhöhte Streifentätigkeit und Überwachung sicherstellt, daß nichts passieren sollte.

Wollen wir alle hoffen, daß der „komische Mann auf dem Motorrad“ endlich gefunden wird.

Derzeit kann man nur sehr schwer abschätzen, ob die nach dem ersten Vorfall berichteten Geschehnisse der Phantasie der verängstigten und aufgeregten Kinder entsprungen ist oder ob da wirklich ein Kerl hinter kleinen Mädchen her ist.
Vorsicht ist jedenfalls geboten.

Aber alles in allem brauchen wir wahrscheinlich doch keine Bürgerwehr.

Von Seiten der Grundschule wurden diese beiden Mails versandt:

—————————————————————-

From: 40.1 Seckenheimschule Grundschule (Schulleitung)
Sent: Freitag, 8. Februar 2013 08:37
Subject: ‚Motorradfahrer spricht Grundschüler an

Guten Morgen,

gerade eben berichteten mir zwei Mädchen aus der 1. und 4. Klasse, dass sie heute auf dem Schulweg (Ecke Raststatter Straße/ Zähringer Straße) von einem Motorradfahrer auf einem weißen Motorrad angesprochen worden sei. Das Motorrad hätte kein Kennzeichen gehabt. Die Kinder sind schnell weggelaufen, woraufhin der Motorradfahrer weitergefahren sei.

Die Polizei wurde von uns sofort verständigt. Auch mit den Kindern werden wir noch einmal über den Vorfall sprechen (in dem Sinne: die Kinder haben das natürlich richtig gemacht und ihr wisst auch, wie ihr euch zu verhalten habt, sagt es noch einmal).

Da nun die Ferien beginnen und die Kinder vielleicht vermehrt draußen spielen werden, bitte ich Sie, diese Information noch einmal über die Elternvertreter allen Eltern zukommen zu lassen. Ich denke, es ist wichtig, dass alle Bescheid wissen.

Vielen Dank.

Viele Grüße

Michaela Schott
_____________
Rektorin
Seckenheim-Grundschule

From: 40.1 Seckenheimschule Grundschule (Schulleitung)
Sent: Mittwoch, 6. Februar 2013 18:13
Subject: Motorradfahrer spricht Schüler/innen auf der Straße an

Liebe Eltern,

heute informierte mich Herr Jauernig, Rektor der Seckenheim- Werkreal-/Realschule darüber, dass eine Schülerin seiner Schule von einem fremden Motorradfahrer angesprochen worden sei. Nach Angaben der Schülerin sowie ihrer Mitschüler hätte der Motorradfahrer sie zum Mitfahren eingeladen. Da ein vergleichbarer Vorfall sich bereits vor ca. 2 Wochen ereignet hatte, nahm ich Kontakt zur Seckenheimer Polizei auf.

Wie mir Herr Jung mitteilte, liegen ihm folgende Aussagen von unterschiedlichen Personen vor, die jedoch nicht alle gesichert seien.

Bereits in der vergangenen Woche sei ein Mädchen aus der 5. Klassenstufe am „Seckenheimer Wäldchen“ von einem Motorradfahrer angesprochen und zum „Mitfahren“ eingeladen worden. Der Mann hätte der Fünftklässlerin Geschenke in Aussicht gestellt, wenn sie mitfahren würde. Nur wenige Tage später berichtete ein anderes Kind, es hätte vor der Richard-Möll-Halle einen Motorradfahrer mit einem weißen Motorrad gesichtet.

Heute wurde abermals ein Motorradfahrer mit weißem Motorrad gesehen, diesmal während des Schulvormittags auf dem Schulhof der Seckenheimschule. Der Motorradfahrer hätte eine Schülerin angesprochen und sich nach einer Fünftklässlerin erkundigt.

Daher wird die Polizei Seckenheim morgen vor und nach dem Unterrichtsbeginn in der Nähe der Schule präsent sein und nach einem Motorradfahrer Ausschau halten.

Leider liegt der Polizei bislang nicht das Kennzeichen dieses weißen Motorrades vor und bittet Sie daher um Ihre Unterstützung.

1.) Sollten Sie oder Ihr Kind einen Motorradfahrer auf einem weißen Motorrad in der Nähe der Schule (Stammschule, Südschule oder auch Richard-Möll-Halle) sehen, rufen Sie bitte sofort die Polizei (Tel.: 110). Diese wird dann umgehend kommen. Ideal wäre es, wenn Sie das Kennzeichen des weißen Motorrades notieren und der Polizei mitteilen könnten. So kann diese den Halter des Fahrzeuges leicht ermitteln.

2.) Bitte besprechen Sie mit Ihrem Kind noch einmal, wie es sich verhalten soll, wenn eine fremde Person es anspricht. Sollte Ihr Kind auf dem Weg zur Schule von einem Motorradfahrer angesprochen werden, soll es sofort seiner Lehrerin Bescheid geben. Wir informieren dann umgehend die Polizei.

3.) Bitte machen Sie Ihrem Kind keine Angst. Besprechen Sie ganz sachlich, wie es sich verhalten soll. Sicher kann es kein Fehler sein, wenn Kinder gemeinsam mit anderen zur Schule bzw. nach Hause/zum Hort laufen.

Selbstverständlich wird auch die Lehrerin Ihres Kindes morgen mit der Klasse über diese Vorfälle sprechen und wiederholen, wie sich die Kinder gegebenenfalls in solchen Situationen verhalten sollen.

Vielen Dank für Ihre Mithilfe und Unterstützung.
Michaela Schott
_____________
Rektorin
Seckenheim-Grundschule

Nun, jetzt sind erst mal Faschingsferien, danach sehen wir weiter.

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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peter wilhelm autorenlesung
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6 Kommentare auf "Kindesentführer? Lustmolch? Unhold? Seckenheimschule"

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Manfred
Gast

Eine Schulleiterin schreibt „Raststatter Strasse“ ?

Chris
Gast

was soll daran falsch sein – die Stat MA schreibt es selbst so…

http://www.mannheim.de/node/26080

Das Thema weder dramatisieren noch verharmlosen – das ist der richtige Weg!

Chris
Gast

war noch früh am Tach – da hat sich ein „st“ zu viel eingeschmuggelt…

Natürlich soll man jetzt nicht gleich alle Fahrer von weißen Motorrädern im Rhein-Neckar Raum lynchen – aber mit offenen Augen durchs Leben zu gehen schadet niemals! Schönes WE!

Manfred
Gast

Mich haben schon so viele Lehrer wegen derartigem „Pillepalle“ erst als Schüler, dann als Vater angemacht, antanzen lassen etc. das ich da inzwischen eine Aversion entwicklet habe und keine Gelegenheit mehr auslasse.
Für mich besteht deren Beruf darin „Recht zu haben“.

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