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Rauschendes 3-Rock-Festival in Neckarhausen PDF Druckbutton anzeigen? E-Mail
Veröffentlicht von: Peter Wilhelm   
Sonntag, den 09. Oktober 2011 um 07:52 Uhr

Fangen wir von hinten an: Es ist kurz vor Eins, die Nacht von Samstag auf Sonntag, und immer noch rocken neun Vollblutmusiker die Bühne in der TV-Halle des TV-Neckarhausen. Gut drei Dutzend Menschen flippen förmlich aus, es wird getanzt, gefeiert, mitgesungen und gejubelt.
Immer noch ein weiteres Lied fordern die etwa 40 Unentwegten und die Gruppe "Out of Order" aus Wieblingen gibt nicht nur eine Zugabe, sondern die nach gut einer Stunde völlig ausgepowerten und klitschnass geschwitzten vier Rocker legen immer nochmal eine Schüppe drauf, wie man bei uns im Kohlenpott so sagt, und spielen noch mal eine ganze Runde.

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Rock-Oldies stehen auf dem Programm der "Out of Orders" und die beherrschen sie zur Gaudi des Publikums aus dem Effeff.
Nach über einer Stunde winkt der Frontmann fast schon entkräftet ab, der Drummer wischt sich den Schweiß mit einem Handtuch vom Kopf und dann blasen "Indigo Blue" zum letzten 40-minütigen Zapfenstreich. Auch sie haben Rock- und Pop-Oldies im Gepäck und die immer noch agilen Mittänzer und Mitsinger bekommen es von den vier Musikern und Frontfrau Larissa noch einmal so richtig gezeigt.


Erst kurz vor ein Uhr nachts schicke ich als Vorsitzender des Kulturvereins Edingen-Neckarhausen e.V. unseren Impressario, den Kulturdirektor des Vereins Achim Wirths zum letzten Mal auf die Bühne, um das Ende der Veranstaltung einzuläuten. Man muss ja auch an die Helfer im Hintergrund denken. Die zwei geduldigen Techniker, die den ganzen Abend hochkonzentriert und hochprofessionell für guten Ton und eine tolle Lightshow gesorgt haben, die fleissigen und freundlichen Damen und Herren vom TV-Service-Team, die Bands und Gäste mit Getränken versorgten und die vielen Auf- und Abbauhelfer der Bands.

Noch einmal griffen "Indigo Blue" in die Tasten und Saiten, ein letztes Mal wurde der Saal gerockt und dann gingen die Lichter aus und damit war die Auftaktveranstaltung des neuen Kulturvereins zu Ende.

Begonnen hatte die Show um 19 Uhr.
Claus Ackermann hatte sich als "Opener", also als Eröffnungsmusiker, gemeldet. Eigentlich gehört Claus mit seiner unverwechselbaren Stimme, der coolen Optik und seinem einfallsreichen Gitarrenspiel u.a. zur Gruppe "Secret Moon", über die wir vom Kulturverein ja auch schon mehrfach berichtet haben. "Secret Moon" spielt vor allem Romantisches und Balladen und waren ursprünglich für diesen Abend eingeplant, um dem härteren Rock von "Out of Order" und dem Jazz-Rock von "Livin Desert" die herzergreifenderen Töne entgegenzusetzen. Doch Schlagzeuger Franky konnte aus terminlichen Gründen nicht und so meldete Keyboarder Rolf Werner von "Secret Moon" seine ebenfalls erfolgreiche und bekannte Gruppe "Indigo Blue" an den Start.
Nun wollte/sollte Claus als Einziger nicht bei "Wetten dass...?" oder sonst irgendeinem Rentnermüll vor dem Fernseher versauern und so kam es, daß das 3-Rock-Festival mit seinen Liedern und Balladen eröffnet wurde.
Und das war eine gute Entscheidung. Mutig, ganz allein und nur mit der Gitarre verstand es Ackermann das Publikum auf das Kommende einzustimmen und für Stimmung zu sorgen. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt gelang es ihm, das Publikum zum Mitsingen zu bewegen. Und wer sich nur ein bißchen auskennt, der weiß, wie leicht es ist, Besoffene um vier Uhr morgens zum Mitgröhlen zu bewegen (weshalb wohl treten die ganzen Mallorca-Größen erst frühmorgens in den Clubs von 'Malle' auf?); und wie schwer es ist, ein noch reserviertes Publikum aus dem so eben zu Ende gegangenen Arbeitsalltag abzuholen und auf Musik und Unterhaltung umzupolen.
Claus Ackermann kann das.

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Obiges Bild: Die Riesenbühne in der TV-Halle mit dem Equipment von drei Bands

Und wenn von Publikum die Rede ist, dann muß man sich im Nachhinein wundern, wie es kommt, daß sich so viele Menschen eine so wunderbare und perfekte Veranstaltung haben entgehen lassen. Es war alles dabei, was man sich wünschen konnte. Balladen, Oldies, Rock, Hardrock, Jazz-Fusion, Jazz-Rock, rockige Gassenhauer, Musik zum Mitsingen, Gelegenheit zum Mittanzen. Zu Essen und zu Trinken gab es genug und auch noch zu sehr zivilen Preisen. Der Veranstaltungsort war mit Bedacht gewählt und war eine gute Wahl. Die Riesenbühne und die Bestuhlung waren auf den Punkt gestellt.
Der Kulturverein hatte schon Wochen vorher mit Plakaten auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht, im Laufe der Zeit wurden noch fast 1.000 Handzettel ausgelegt und verteilt, es hatte jede Menge Ankündigungen übers Internet gegeben und die Tagespresse und das örtliche Gemeindeblatt hatten ausführlich über das 3-Rock-Festival informiert. Auch der Eintrittspreis von nur 10 Euro für 6 Stunden Programm mit drei Bands und 15 Musikern auf der Bühne war durchaus niedrig.
Ja sogar im Radio ist die Veranstaltung richtig groß angekündigt worden. Mehr kann man aus unserer Sicht als Veranstalter nicht tun.

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Indigo Blue bei einem ihrer Parts

Wo waren die Neckarhausener Vereine, wo war der Kulturring, wo war der Chef des Kulturrings Markus Schläfer?
Für ihn und seinen Kultrurring, für die Neckarhausener Traditionsveranstaltung "Rund ums Schloss" wurde diese ganze Veranstaltung durchgeführt. Denn schon die Plakate verkündeten, daß es sich um eine Benefizz-Veranstaltung für "Kulturring/Rund ums Schloss" handelte. Eigentlich hätte man erwarten dürfen, daß die Halle brechend voll wird, was schon der Fall gewesen wäre, wenn jeder der Neckarhäuser Vereine nur seine Standardabordnung entsandt hätte.
Verwundert schauten wir Kulturmacher uns an, als wir feststellen mußten, daß mit 75 verkauften Eintrittskarten die Halle nur halbvoll geworden war.
Hatte es am Ende sogar gar keine Einladung des Kulturrings an seine Mitgliedsvereine gegeben? Hatte man in Neckarhausen gar nicht gewusst, daß hier für Neckarhausen was gemacht und geboten wurde? Von einer Ankündigung der Neckarhausener im Gemeindeblatt und einer Einladung zu unserer Veranstaltung war jedenfalls nichts zu sehen.
Eine Schande!

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Indigo Blue

Der sichtlich genervte Kulturimpressario Achim Wirths nahm es dennoch gelassen. "Wenn von denen keiner da ist, dann wird auch eine Rede weniger gehalten und die Leut' bekommen mehr Musik; ist doch auch was", schmunzelte er mit Galgenhumor.

Ohne große Reden hatte nämlich das 3-Rock-Festival begonnen. Auch so eine Neuerung im Kulturverein. Mehr als eine kurze Begrüßung soll es am Anfang gar nicht geben, das Publikum soll gleich ins Programm einsteigen können. Erst in der Pause folgt dann die nähere Vorstellung der Protagonisten und die kurze Ansprache nebst der obligatorischen Verschenkung alkoholischer Devotionalien aus heimischem Anbau. So kann dann der jeweilige Abend auch ohne weitere lange Reden, die die Zuschaue nur wieder aus der Stimmung reißen, ganz gemütlich ausklingen, denn auch am Ende sparen wir uns langes Gequatsche. Eine schöne Idee, wie wir finden.

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Out of Order

Mit "Indigo Blue" ging das Rocken los und die erfahrenen Musiker verstanden es, binnen weniger Minuten das Publikum auf das weitere einzustimmen. Es könnten so 45 Minuten gewesen sein, in denen wir Rock und Pop vom Feinsten zu hören bekamen. "Indigo Blue" ist ja in der Region nicht unbekannt. Auf zahlreichen Vereinsfesten, Jubiläen, Hochzeiten und Feiern werden die Musiker regelmäßig gebucht. Und wer etwas Bescheid weiß, der weiß, daß die Ansprüche gerade dieses Publikums nicht zu unterschätzen sind. Da gibt es keine große Bühne, da gibt es keine Riesen-Lightshow und keine überbordende Technik, da stehen fünf Musiker direkt den Gästen gegenüber und der Funke muß sofort überspringen. Das muß man erst mal können!
Und "Indigo Blue" kann das und die Besucher des 3-Rock-Festivals kamen, schon von Claus Ackermann eingestimmt, nun bei den "Indigos" so richtig in Stimmung.

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Livin Desert

Ohne große Umbaupause rockten sich anschließend "Out of Order" in die Herzen und Ohren der Anwesenden.
Das war nämlich das Besondere an der ganzen Veranstaltung. Auf meine Idee hin, unterstützt von allen anderen im Kulturverein und ermöglicht durch die unglaublich professionellen Techniker von dc-events...

Neue Lichtanlage im R Verein

Ein Foto der Eventfirma

...standen zeitweilig drei Bands gleichzeitig auf der riesigen Bühne in der TV-Halle. Alle Sets waren gleichzeitig aufgebaut, drei Schlagzeuge, eine Percussion und unglaublich viele Gitarren, Bässe, Saxophone und Mikrofone. Ermöglicht wurde das unter anderem durch einen eigens für diesen Abend herbeigeschafften 42-Kanal-Mixer und etliche Kilometer Kabel.

"Out of Order" bieten handfesten Rock. Die Männer beherrschen das feine Spiel sehr wohl, aber sie rocken lieber richtig fetzig, hart und laut und das war genau das, was das Publikum an dieser Stelle erwartet hat. Rauhe Stimmen, tolle Gitarrenriffs, Bekanntes und Beliebtes und viel, viel Rhythmus.
Da wo "Out of Order" draufsteht, da ist Rock drin, das weiß man mittlerweile in der Region.

Wiederum ohne Pause schwenkte die hochprofessionelle Beleuchtung dann vom ganz rechten Bühnenteil auf die linke Seite, wo sich die Musiker von "Livin Desert" eingefunden hatten und den wohl professionellsten Teil ablieferten. Alles selbst geschriebene Stücke, hervorragend intoniert, Jazz-Rock vom Allerfeinsten.
Zwei Profi-Jazzer, zufällig im Publikum, waren einhellig der Meinung: Mit Abstand das Beste heute Abend, sowas von gekonnt und klasse, einzigartig!

Über "Livin Desert" muß man nicht viel sagen. Normalerweise hätte schon allein beim Namen "Livin Desert" auf den Plakaten der Saal voll sein müssen...

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Einer der Höhepunkte: Drei Bands auf der Bühne

Damit war der erste Durchgang beendet und es folgte kurz und schmerzlos der "amtliche Teil". Da Kulturring-Vorsitzender Markus Schläfer durch Abwesenheit glänzte, konnte sich Achim Wirths ganz auf seinen Part beschränken und begrüßte nochmals alle Anwesenden, erläuterte, wie es zum 3-Rock-Festival gekommen war und gab auch seiner Verwunderung, ja man könnte fast Unmut sagen, über das Fernbleiben der Besucher Ausdruck. Alle Musiker bekamen eine Flasche handfesten Obstbrand von Obstbau Hauck als Dankeschön und dann wurde noch dem Gitarristen von "Livin Desert", Peter Grohmüller, der just an diesem Tag seinen Geburtstag feierte (und trotzdem aufgetreten ist, vielen Dank, Peter!) noch von allen Anwesenden ein Geburtstagsständchen gesungen.

Nach dieser kurzen Pause überraschte dann Achim Wirths, indem er den etwas verblüfften Musikern eine von mir im Vorfeld geäußerte Bitte nicht vorschlug, sondern quasi abverlangte: "Los, haut in die Saiten und Tasten und laßt es uns erleben, wie es sich anhört, wenn drei Bands gleichzeitig hier diese geile Bühne rocken. Let's rock! Let's party!"

Kurzes verdutztes Schauen, ein kurzes Aufbäumen, dann hatte man sich auf einen gemeinsamen Blues geeinigt und das war mit Sicherheit einer der Höhepunkte des Abends.
Drei Schlagzeuge, ein Percussion-Set, fünf Bässe, jede Mengen Gitarren und ein Keyboarder und ein Saxophon, ingesamt 14 oder 15 Sänger und Musiker auf der Bühne, so etwas hat Neckarhausen noch nie zuvor gesehen und gehört. Einfach nur geil!
Aber schauen Sie sich das Video zu diesem Abend an, Sie werden es selbst sehen können.

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Gemeinsamer Blues in E

Nach der richtig geilen Show von "Livin Desert" und diesem Zwischenevent mit drei Bands gleichzeitig auf der TV-Bühne hätte es schwer sein können, den Saal wieder musikalisch in den Griff zu bekommen. Doch die Jungs von "Out of Order" meisterten das perfekt. Mit hämmernden Rhythmen zogen sie das mittlerweile ausgelassene Publikum in ihren Bann.
Damit schließt sich der Kreis; wie es weiter gegangen ist, habe ich ja eingangs schon beschrieben:
"Livin Desert" hatte zwischenzeitlich angefragt: "Sollen wir jetzt wirklich noch mal auftreten?" Und für mich persönlich etwas bedauerlich, denn die "Wüstensöhne" sind erstklassig, folgten wir dem Vorschlag von "Livin Desert", die "Out of Orders" und "Indigos" einfach zu vorgerückter Stunde den Saal mit Bekanntem und Leichtverdaulichem zu rocken. Die Feierlaune und bei einigen wenigen auch der Alkohol hätten es bei manchem Besucher schwer gemacht, sich nun wieder auf Fusion und Rock-Jazz einzustellen.
"Livin Desert" hat das selbst so gesehen, wenn auch die Jungs von "Out of Order" nach rund einer Stunde schweißtreibendem Rocken mit dem Handtuch wedelten und nach "Livin Desert" als Ablösung riefen. Und so gerne die "Deserts" auch noch aufgetreten wären, sie sind so professionell und absolut kollegial, daß sie der Meinung waren, daß man diese aufgeheizte Stimmung und das Rufen nach immer mehr bekannten Rhythmen kaum noch toppen könnte.

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Livin Desert, Indigo Blue und Out of Order

Musikalisch hätten die "Wüstensöhne" das allemal gekonnt, da sind sich alle einig, aber es war ja eben das Besondere an diesem Abend, daß hier verschiedene Stilrichtungen aufeinander trafen, ein Mix fast so gewagt wie "Berliner Philharmoniker und die jodelnden Almschwestern vom Tegernsee"...
Aber das war ja wie gesagt durchaus gewollt.
Vielleicht hätte man "Livin Desert" direkt nach der Pause nochmal kommen lassen sollen und dann erst in den Teil mit dem Abrocken der eher einfachen musikalischen Kost beginnen sollen. Aber so war es eben nicht gekommen, die Bands hatten die fliegenden Wechsel selbst abgesprochen, und so blieb es dabei: Die "Out of Orders" und die "Indigos" rocken noch bis der Putz von den Wänden fällt. Danke an "Livin Desert" für dieses großartige und professionelle Mitdenken!

Man muß das ja auch mal ganz reduziert sehen: Mit vorgerückter Stunde ist die Stimmung irgendwann so ausgelassen und der Alkohol tut dann bei manchem sein Übriges und dann wollen die Leute einfach nur noch das was sie kennen, das wo man mitsingen kann, das wo man auch mit schwummerigen Beinen noch mittanzen kann. Gefragt ist dann einfache Kost.

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Das Publikum war begeistert

Hey, es war ein geiler Abend!
So etwas hat Edingen-Neckarhausen einfach noch nie gesehen und erlebt. Für den Kulturverein war das 3-Rock-Festival eine absolut gelungene Auftaktveranstaltung mit Kultcharakter. Die Macher klopften sich zufrieden auf die Schultern, auch wenn die Kasse ziemlich dünn gefüllt war. "Denen die da waren, denen haben wir das Beste geboten", habe ich gesagt und Achim Wirths fügte hinzu: "Leute, erzählt es allen anderen, wie geil es heute war, damit die sich schwarz ärgern, daß sie nicht dabei gewesen sind!"

Hier noch einmal der Link zur Ankündigung des 3-Rock-Festivals, der auch alle Links zu den einzelnen Bands enthält.

alle großen Fotos: © Achim Wirths

 
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