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JayBook 9901 für 100 Euro

JayBook 9901 für 100 Euro

Ein Mini-Netbook mit abgespecktem Leistungsumfang für unter 100 Euro? Das soll gehen? Nun, real,- bietet derzeit das JayBook 9901 von Jay-Tech für knapp 100 Euro an.
Der 7-Zoll-Winzling ist mit seinen Abmessungen von 21,35 x 14,18 x 3,05 cm und einem Gewicht von rund 590 Gramm wahrlich ein handliches Kerlchen und der 7 Zoll große Bildschirm mit einer Auflösung von 800 x 480 Pixeln ist doch noch ein ganzes Stück größer als das Display eines Smartphones und gerade noch groß genug zum Surfen.
Doch taugt der Winzling wirklich was?

JayBook 9901 für 100 Euro
Foto © Jay-Tech

JayBook 9901 für 100 EuroJayBook 9901 für 100 Euro

Geliefert bekommt man das Gerät mit fertig eingesetztem Akku, ein Netzteil zum Netzbetrieb bzw. Aufladen, eine Anleitung und sonst nix.
Der werksseitig vorgeladene Akku reichte für unseren Test vollkommen aus und bot noch eine Laufzeit von 45 Minuten. Jeweils schon nach einer Minute dunkelt der Bildschirm automatisch ab, das ist einstellbar und schont die Akkus.
Diese sollen mit 1800 mAh für zwei Stunden gut sein. Nach dem Leerfahren der Akkus und einem 12stündigen Ladezyklus waren die Akkus am anderen Tag für genau 1 Stunde und 10 Minuten, also 70 Minuten gut. Das mag sich nach mehreren Ladezyklen bessern, reicht für zwischendurch mal aus, aber an ein ernsthaftes Arbeiten unterwegs ist damit nur dann möglich, wenn immer eine Steckdose in der Nähe ist. Eine Zugfahrt von Hamburg nach München jedenfalls hält der Akku nicht durch.
Aber zu mehreren Ladezyklen sollt es bei uns nicht kommen, das Gerät war zur Überbrückung für meinen Sohn gedacht. Klassische Situation: Laptop abgeraucht und jetzt wird auf einen neuen gespart. Das wird noch dauern und bis dahin würde es ja vielleicht der Kleine für 99,95 Euro tun.
Doch dazu kommt es nicht. Warum das so ist? Lesen Sie weiter!

Werfen wir aber erst einmal einen Blick auf die von Jay-Tech genannten technischen Daten, dann wissen wir gemeinsam worum es geht:

7″ High resolution TFT (800 x 480 Pixel)
Prozessor: VIA 8505 300MHz
SD/SDHC-Kartenslot für Karten bis zu 32GB
Betriebssystem WIN CE 6.0 Professional
Arbeitsspeicher: DDRII 128MB
Interner Speicher 2GB Nand-flash
Stereolautsprecher 2 x 0,5W
Mouse-Pad: 2.2″
Stromversorgung: Lithium Ionen Battery 1800 mAh f. ca. 2Std.
Netzadapter: 110 ~ 244V input, 9V 2A output
Kopfhöreranschluß
Mikrofon
Größe: 213,5 x 141,8 x 30,5 mm
Gewicht: 0,59 kg

Was Jay-Tech nicht schreibt:
3 x USB 2.0-Anschlüsse
Mikrophon-Anschluss
LAN-Anschluss
WLAN

Der 7-Zoll-Bildschirm ist gut ablesbar, hell, ausreichend beleuchtet und für einen solchen Winzling wirklich gut. Auch die Darstellung von Bildern von einer SD-Karte läuft prima.
Zum Surfen ist der Bildschirm aber eindeutig zu klein. Die meisten Webseiten werden gestaucht angezeigt, Bild- und Textelemente überlagerten sich bei unserem Versuch und oft erscheint auch ein horizontaler Scrollbalken, sodaß man zum Betrachten der ganzen Seite auch seitwärts scrollen muß. Das ist sehr unpraktisch.

Insgesamt leistet der VIA 8505 Prozessor nur 300 MHz. Das ist wenig, spart aber natürlich auch Energie und die ist bei 1800 mAh auch knapp. Für das gelegentliche Surfen reicht die Geschwindigkeit aber, der Seitenaufbau ist zögerlich, aber gerade noch erträglich. Bei allen anderen Arbeiten fällt die Langsamkeit des Systems nicht so auf, da wartet ja sowieso meistens der Rechner auf den User und nicht umgekehrt.

Mit einem angesteckten LAN-Kabel geht das Ganze also brauchbar flüssig, wenn auch nicht rasant.

Das Betriebssystem ist ein WIN CE 6.0 Professional. Ein mal für Organizer und Palmgeräte entwickeltes Betriebssystem, das trotz Pflege in die Jahre gekommen ist. Gut, mehr als dieses abgespeckte System passt auch in das JayBook gar nicht rein. Einen Internet-Explorer hat man, ein Mailprogramm und eine kleine Office-Anwendung. (Microsoft WordPad, SoftMaker TextMaker, SoftMaker PlanMaker, SoftMaker Presentations und der Foxit PDF Viewer.)
Im Grunde alles was man für unterwegs so braucht. Auch Multimedia-Dateien lassen sich in gewissem Maße nutzen. Das YouTube-Programm hingegen funktionierte in unserem Test überhaupt nicht, es war zwar fähig, auf eine Stichwortsuche hin Clips zu finden, jedoch nicht in der Lage, die Videodateien abzuspielen.

Das von Jay-Tech in seinen technischen Daten beschriebene Mikrofon konnte ich nicht finden. Auch die Bedienungsanleitung sagt:

„Eine Aufnahme kann nur nach Anschluss eines externen Mikrofons gemacht werden.“

Beim Start des Mailprogramms möchte die Software eine Seriennummer zum Freischalten wissen, ich habe diese nirgendwo gefunden, dann aber auch nicht weiter danach gesucht.
Denn in erster Linie möchte man das JayBook ja für unterwegs haben, daheim hat jeder was Großes. Also muß das JayBook sich gut mit WLAN im Heimnetzwerk oder unterwegs mit den so genannten WLAN-Hotspots verbinden können.
Schauen wir mal!

JayBook 9901 für 100 Euro

Zum Einschalten der WiFi-Fähigkeiten klickt man das „Power ON“-Symbol auf dem Desktop, dann auf das in der Statusleiste erscheinende WLAN-Symbol und dann kann man sich gut eine halbe Stunde mit einem Glücksspiel beschäftigen. Denn aus unerfindlichen Gründen will sich das JayBook einfach nicht mit dem WLAN-Netz hier im Haus verbinden. X-mal gibt man den Netzwerkschlüssel ein, probiert alle möglichen Einstellungen, um dann festzustellen, daß das JayBook gar kein richtiges Signal empfangen kann.
Also bin ich mit dem kleinen Minirechner direkt zum Router gegangen und tatsächlich: In 20 cm Abstand bekomme ich eine gute Verbindung und bin sofort im Internet.
Doch nur 3 Meter Abstand im gleichen Raum, ohne störende Wände reichen aus, um die Verbindung wieder abreißen zu lassen. Ist nur eine einzige Wand dazwischen klappt der WLAN-Empfang hier bei uns nicht mehr.
Fazit zum Thema WLAN: UNBRAUCHBAR!

Alles in allem ist das JayBook ein nettes Gerät, schön verarbeitet und für 99,95 Euro ein Schnäppchen. Bildschirm, Tastatur und Trackpad lassen innerhalb der für diesen Preis gegebenen Möglichkeiten nichts zu wünschen übrig.
Die schlechte Darstellung von Internetseiten im Explorer und die hier bei uns mangelhaft ausgefallene WLAN-Prüfung machen das Gerät jedoch untauglich.
Von der Geschwindigkeit und vom Komfort her kann jedes moderne Smartphone bedeutend mehr, bedeutend schneller und bedeutend länger.
Als elektronischer Bilderrahmen mit 7 Zoll und einigen erweiterten Möglichkeiten, da könnte das JayBook etwas taugen.
Für Kinder ist das Gerät mit seinen eingeschränkten Software-Möglichkeiten auch nicht geeignet. Vieles unterscheidet sich hinsichtlich der Bedienung deutlich von den „großen“ Windows-Versionen und die sich bald einstellende Unzufriedenheit ist vorhersehbar.

In der Anleitung sagt Jay-Tech aber auch selbst:

Dieses Gerät ist ein “Mini-Computer” für das Betriebssystem Windows CE 6.0, das einige Unterschiede im Vergleich zum Betriebssystem Windows XP von PCs aufweist. Das Gerät zeichnet sich durch “niedrigen Energieverbrauch”, ein “kleines Format” und ein “geringes Gewicht” aus. Es ist mit den Funktionen von Windows XP nicht vergleichbar.

Für den ernsthaften Einsatz kann ich das Gerät nicht empfehlen, für ein Spielzeug ist es zu teuer.
Bemerkenswert ist es, daß Jay-Tech das überhaupt hinbekommt, für so wenig Geld einen funktionierenden Rechner zusammenzubauen. Aber leider kommt dabei nichts heraus, was mich begeistern könnte; also zurückbringen und Geld zurückverlangen.

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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Da hat es bei Facebook mit der Übersetzung doch noch nicht ganz geklappt:

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