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Ich parshippe jetzt!

Ich parshippe jetzt!

Parship ist geil! Da findest Du ganz bestimmt sofort eine tolle Partnerin oder einen Partner.
Das zumindest verspricht dieser blonde Engel, der manchmal 20 mal am Abend aus dem Fernseher zu uns spricht:

„Alles was mir zum Glück noch fehlt, ist der Richtige. Ich parshippe jetzt!“

Ja und dann verspricht uns der Werbespot, daß sich alle 11 Minuten ein Single über Parship verliebt.

Alle 11 Minuten verliebt sich da angeblich jemand über Parship.
Das klingt ja toll!
Alle paar Minuten! Mensch, das geht ja fix. Alle 11 Minuten ein Single weg! Liebe, Partnerschaft und am Ende vielleicht sogar eine Ehe! Meine Güte, das scheint ja ein toller Laden zu sein, da bei Parship.

Doch, wenn man das mal nachrechnet, sieht das schon sehr ernüchternd aus. So um die 5 Millionen zahlende Mitglieder soll diese Partnervermittlung haben.
Also alle 11 Minuten findet sich da ein Pärchen. Das sind 6 in der Stunde und am Tag dann 144.
52.560 Pärchen sind das im ganzen Jahr.

Angesichts von ungefähr 5 Millionen Mitgliedern sind das aber nur 10% … Ach nee, 10% das wären ja 500.000 Pärchen. Es ist also nur 1%.
Ui. nur 1-2% aller Parship-Nutzer darf sich also auf eine neue Partnerschaft freuen?

Das heißt 99% aller Parship-Nutzer dürfen in die Röhre gucken und zahlen, ohne eine Partner zu finden. Bißchen mager, finde ich.

Mal ganz ehrlich, wäre es da nicht sinnvoller, sich auf den Marktplatz von Nürnberg, Bielefeld oder Wanne-Eickel zu stellen, sich nackt mit Olivenöl zu übergießen und dann in Paniermehl zu wälzen?
Die Wahrscheinlichkeit, durch diese Aktion auf der Stelle einen Partner zu finden, kann auch nicht kleiner als 1% sein.

Ich bin sogar der Meinung, daß es ausreichen würde, sich mit einem Strick ein Pappschild um den Hals zu hängen und durch die nächste Fußgängerzone zu laufen: „Ich suche eine Frau“ oder eben „Ich suche einen Mann“ oder meinetwegen auch „Ich suche Mann oder Frau, egal“.

Ärgerlich in dem Zusammenhang ist auch noch ein anderer Umstand.
Der „Mannheimer Morgen“ berichtete heute, daß sich Verbraucher oft in einer Kostenfalle gefangen sehen, wenn sie entdecken, daß Parship nichts für sie ist. Auch wenn sie noch innerhalb der 14tägigen gesetzlichen Frist kündigen, werden sie von Parship mit deutlich über 300 Euro zur Kasse gebeten.
Während die Jahresmitgliedschaft im geschilderten Fall etwas über 400 € kostet, also auf einen bestimmten Zeitrum -nämlich ein Jahr- berechnet wird, rechnet Parship im Fall einer vorzeitigen Kündigung nach vermittelten Kontakten ab.
In diesem Fall hatte eine Frau einige Kontakte aufgenommen, meist mit dem Ergebnis „bist nicht mein Typ“ usw.
Und dafür wollte Parship nun tatsächlich Geld.

Die Verbraucherzentralen empfehlen, sich in solchen Fällen zu wehren. Entsprechende Verfahren, die sich um diesen Punkt drehen, sind noch anhängig.

Also ich persönlich empfehle die Olivenöl-Paniermehl-Methode. Kostet weniger und der Erfolg dürfte größer sein.

Ich parshippe jetzt!Ich parshippe jetzt!
Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!


peter wilhelm autorenlesung

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2 Kommentare auf "Ich parshippe jetzt!"

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Alain
Gast

Junge, hübsche und selbstbewusste Frauen sind bei Parship, damit sie endlich einen Partner finden. Na klar…

Peter Grohmüller
Co-Autor

Ich kann ja verstehen, dass man seine Bankgeschäfte online erledigt, dass man allen möglichen Firlefanz bei Amazon bestellt, statt seinen Arsch vom Sofa zu erheben, dass man via App seinen Urlaub bucht und weiß der Geier was noch alles erledigt. Aber diese Topf-zum-Deckel-Portale? Also ich weiß nicht. Das ist doch hirnrissig, und vor allen Dingen sowas von romantisch. Vielleicht sollten all diejenigen, die sich von den AGB dieser Kuppel-Sites übervorteilt fühlen, einfach mal wieder das Haus verlassen und so richtig analog einkaufen gehen, quasi zu Fuß. Ich weiß, dass klingt schwer nach Nostalgie. Aber dann bestünde die hohe Wahrscheinlichkeit, auf lebende Menschen zu treffen, bzw. welche kennen zu lernen. Bei mir sind jedenfalls so früher Bekannt- und Liebschaften zu gekommen. Aber das ist vermutlich out 🙂

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