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Flattr, hat der Mikrobezahldienst online eine Chance? Flattirl, die Chance?

Flattr, hat der Mikrobezahldienst online eine Chance? Flattirl, die Chance?

Die Tage werden zwar jetzt wieder länger, aber es ist immer noch recht kühl für die Jahreszeit.
Wir müssen immer noch zuheizen. Da wird sich unser Gasanbieter freuen. Vielleicht sollten wir aber auch einfach mal über den Wechsel des Gasanbieters nachdenken (z.B. einen günstigen Gastanbieter im Internet finden.)

Auf jeden Fall habe ich keine Lust, im Frühjahr großartig zu frieren, da macht das Schreiben ja auch keinen Spaß. Es gab schon Jahre, da habe ich um diese Zeit mit dem MacBook auf der Terrasse in der Sonne gesessen.

Okay, nun aber zum Thema:

Damit die meisten Leser überhaupt verstehen, um was es in diesem Artikel geht, muß ich in einigen Sätzen etwas ausholen.
Online-Autoren und Weblog-Betreiber wollen ja gerne auf irgendeine Weise ihre Arbeit vergütet bekommen. Bei noch so viel Idealismus und Hobbyismus möchten sie gerne die Kosten für den Betrieb der Seite und ein paar Euro zusätzlich einnehmen.

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Dazu bieten sich verschiedene Werbeformate an, die aber alle gewisse eigene Nachteile haben. Auf afiliate-Werbung reagiert kaum jemand und der Blogger vergeudet wertvollen Werbeplatz, führt aber ständig die Präsenzwerbung für große Marken durch un erhält unterm Strich nichts dafür.
Kontextsensitive Werbung wie Google-Adsense funktioniert für die meisten Betreiber besser, bringt aber bei kleineren Seiten lediglich ein paar Cent ein.

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Warum also nicht seine Leser nach einer kleinen Bezahlung fragen? Hier springt Flattr ein. Bei Flattr kann man sich als Internetnutzer registrieren, einige Euro einzahlen und wenn man dann auf eine Seite mit einem interessanten Text kommt, klickt man dort den Flattr-Button an, woraufhin der Autor am Monatsende ein paar Cent bekommt. Gut „geflatterte“ Artikel bringen dann ein paar Euro und mehrere gut geklickte Artikel eventuell sogar einen nennenswerten Betrag.

Als Flattr an den Start ging, war es für alle Beteiligten, also auch für diejenigen, die selbst nirgendwo sonst lesen, sondern nur selbst Texte verfassen, eine unumgängliche Pflicht, selbst ein paar Euro einzuzahlen. Diese musste man dann, damit das Ganze in Schwung kam, anderen Bloggern durch Klicken ihrer Flattr-Buttons zukommen lassen.
Das heißt: Wer etwas mit Flattr verdienen wollte, der mußte selbst Geld ausgeben.
Da nun alle daran interessierten Blogger selbst ein (am Monatsende verfallendes!) Guthaben bei Flattr hatten, wurde fleißig ringsherum geflattert und ich konnte z.B. in meinem Bestatterweblog auch schon mal 60 Euro oder so am Monatsende feststellen.
Das lag aber ganz eindeutig nur daran, daß eben viele Blogger gezwungen waren, ihr Zwangsguthaben unters Volk zu bringen.

Dieser Zwang ist inzwischen aufgehoben. Er machte auch keinen Sinn. Ich habe mich selbst dabei ertappt, wie ich auf irgendeiner Seite ziemlich wahllos den Flattr-Button klickte, nur um das System am Rollen zu halten.

Ein weiterer gravierender Nachteil: Man kann bei Flattr nahezu jeden beliebigen Betrag pro Monat einzahlen. Klickt man nun 10 verschiedene Flattr-Buttons, erhält jeder Autor genau 1/10 des Betrages. Klickt man 100 Artikel an, bekommt jeder Autor 1/100.
Mir als Autor ist also gar nicht damit geholfen, wenn ein Leser alle meine Artikel gut findet und alle fleissig anklickt. Ich bekomme u.U. nicht einen einzigen Cent mehr.

Denn nehmen wir an, jemand habe 5 Euro aufgeladen und klickt jetzt ausschließlich bei mir 10 Mal bestimmte Artikel an.
Dann bekomme ich 10 Mal ein Zehntel von 5 Euro; das macht unterm Strich eben wieder 5 Euro.
Klickt er nun vor lauter Begeisterung 100 Mal, dann ändert sich für mich nichts, ich bekomme eben 100 Mal ein Hundertstel, was auch wieder 5 Euro sind.

Da der Flattr-Nutzer aber noch woanders klicken wird, sinkt der Wert eines Klicks mit jedem weiteren Klick erheblich.

Nachdem die Verpflichtung zum Selbsteinzahlen für Autoren (Anbieter) weggefallen war, ging es mit Flattr bei mir in den Statistiken rapide bergab. Gerade mal noch läppische 6 oder 7 Euro kamen da im Monat zusammen. Auch die Zahl der Klicks ging, bei steigender Artikelzahl, drastisch zurück. Es klicken eben die ganzen Autoren, die etwas verdienen wollen, nun nicht mehr wahllos in der Gegend herum.

Ich gebe dem ganzen System ehrlich gesagt keine Chance mehr. In einem Weblog habe ich noch Flattr-Buttons, weil ich zu faul bin, die Dinger aus dem Quellcode wieder rauszubauen.

Dabei ist die Idee an sich ja gar nicht schlecht!
Jetzt funktioniert es nämlich auch, daß man einen Flattr-Button als handy-lesbaren Code ausdruckt und beispielsweise auf Gegenstände klebt. Sieht einer diesen Gegenstand und findet ihn gut und belohnenswert, so kann er den Code abfotografieren/scannen und auf diese Weise einen Betrag spenden.

Nehmen wir ein Beispiel:
Viele wissen, daß ich gelegentlich das Hobby Geocaching betreibe. Dabei geht es darum, mittels eines GPS-Ortungsgerätes versteckte Schätze zu lokalisieren und diesen Fund im Internet in ein Log zu schreiben. Der Schatz bleibt an Ort und Stelle, damit viele andere ihn auch noch finden können.
Nun machen sich manche Leute unglaublich viel Mühe beim Verstecken der Schätze und bei Anlegen der Verstecke.
Warum also diese Leute nicht via Flattr belohnen?
Würden die Leute einen solchen Flattr-Code auf ihrer Versteckbox haben, könnte jeder Cacher, der dieses Versteck besonders gut findet, ein paar Cent spenden. Anonym, bequem und zeitgemäß.

Mit Flattirl geht das.

Dort kann man sich diesen Code ausdrucken und z.B. an ausgestellten Kunstwerken, auf Meinungsplakaten oder sonsto anbringen. Jeder, der das Gezeigte gut findet, kann dann etwas spenden. Damit wäre das System auch für das direkte Spenden für wohltätige Zwecke geeignet, ohne das der Spendenempfänger eine umfangreiche Bezahllogistik aufbauen müsste.

Einsatzmöglichkeiten für Flattr gibt es, aber dazu müsste es weitaus populärer sein und dafür müßte bei den Internetnutzern endlich einmal der Knoten platzen und sie müssten einsehen, daß man auf Dauer nicht alles kostenlos haben kann. Im Grunde ist das ganze Leben hier draußen in der Realität doch so aufgebaut, daß man für nahezu alles was bezahlen muß. Das was es umsonst gibt, ist meistens an irgendeine Falle oder Bedingung geknüpft.
Komischerweise meint aber jeder, im Internet sei das anders, da müsse es quasi als ehernes Gesetzt gelten, daß alles sowieso umsonst ist und jeder damit machen kann, was er will.

In Wirklichkeit kostet aber auch im Web alles irgendwie etwas. Entweder gibt es hintendran eine Falle oder man wird durch vermeintlich hilfreiche Angebote nur angelockt, um dann dort auf Werbung oder Zusatzangebote hereinzufallen. Irgendiwe finanzieren alle Anbieter ihre umfangreichen Seiten.
Will man gute Informationen, gut recherchierte Artikel usw., dann muß man sich auch einmal überlegen, wie der Autor dafür eigentlich seine Vergütung bekommt.
Hat er einen PayPal-Knopf? Gibt es eine Kaffee-Kasse oder so einen Flattr-Button? Dann ist er auf diese Spenden angewiesen und man sollte sich überlegen, ob man da nicht ab und zu mal ein paar Euro gibt.

 

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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