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Euch soll es doch mal besser gehen

Euch soll es doch mal besser gehen

Wir wollen doch nur, daß es Euch mal besser geht.
Das zumindest haben meine Eltern immer zu uns gesagt und sie meinten es auch so. Sie hatten die Weltwirtschaftskrise Ende der 20er Jahre, das Dritte Reich, den Krieg und die Nachkriegszeit mitgemacht. Sie wußten wie es ist, wenn man sich vor lauter Hunger nach einem Löffel Schweineschmalz sehnt und ein Eimer mit sauberem Wasser das höchste Glück auf Erden bedeuten kann.
Wenn diese Leute sagten, daß sie schuften, sparen und sich einschränken, um der nachfolgenden Generation, also uns, etwas bieten zu können, uns gute Ausbildungen zu ermöglichen, dann geschah das vor dem ganz realen Vergleichshintergrund zum eigenen Leben.

Auch wir wollen, daß es unseren Kindern gut geht. Wir nähren sie, wir kleiden sie und wir bieten ihnen ein Dach über dem Kopf. Sie leben in körperlicher, materieller und seelischer Sicherheit, alles schon mal ein Luxus von dem die allermeisten Kinder auf dieser Welt nur träumen können. Hinzu kommt noch der tatsächliche Luxus unserer heutigen Zeit, der sich nicht aus dem Vergleich zum armen Afrika ergibt, nämlich der persönliche Besitz eines Haufens an Unterhaltungselektronik, von Bergen von Spielsachen und Kleidungsstücken, mit denen man in armen Ländern ganze Dörfer einkleiden könnte.
Ja und oben drauf kommt noch der Luxus einer besonders aufwändigen Freizeitgestaltung. Jedes unserer beiden Kinder ist in mehreren Vereinen, treibt Sport, wird fortgebildet und selbstverständlich stehen auch Urlaube, Besuche in Freizeitparks, im Kino usw. regelmäßig auf dem Programm.

Klar, sowas kostet, aber das machen wir alles gerne, es ist für uns selbstverständlich, das gehört sich so, das macht man so, ja das muß man so machen, sonst… ja sonst stehst Du auf einmal da, wie das Rabenelternpaar Nummer Eins!

Euch soll es doch mal besser gehenEuch soll es doch mal besser gehen

Jetzt neigt sich das Jahr dem Ende zu und es ist allenthalben üblich, Bilanz zu ziehen. Gut, dann mache ich das mal.
Unterm Strich haben wir für die Kinder in diesem Jahr 1.122,00 Euro ausgegeben.
Ja Moment! Das sind nicht die Ausgaben für den oben beschriebenen Luxus, sondern das allein sind die Ausgaben für absolut überflüssigen und unnötigen Scheißdreck, den uns die Lehrer und Lehrerinnen unserer Kinder aufnötigen.

Im Grunde genommen erwarte ich von der Schule, daß sie unseren Kindern Wissen vermittelt und innerhalb des schulischen Rahmens soziale Kompetenz lehrt. Die Schule als Teil des Vergnügungsapparates, die sehe ich nicht.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eines meiner Kinder vor mir steht und ein paar Euro haben will. Eben mal 8 Euro für einen Theaterbesuch, 9,50 Euro für einen Parkbesuch, 7 Euro für ein Museum, 12 Euro für einen Tagestrip…
Natürlich gehört es auch mit zur Schule, daß die Klasse mal gemeinsam irgendeine Sehenswürdigkeit oder ein Museum besucht, keine Frage.

Aber heute beispielsweise geht unser Größerer mit seinem Klassenkameraden und der Lehrerin in eine 12 Kilometer entfernte Stadt zum Bowlingspielen. Begründung: Die Lehrerin möchte die Kinder einmal besser kennenlernen.
Ganz ehrlich? Also, wenn eine Lehrerin mit den Schülern amerikanisch kegeln muß, um sie besser kennenzulernen, dann hat sie ihren Beruf nicht verstanden und aus ihrem pädagogischen Studium nicht die erforderlichen Wissensbausteine mitgenommen.
Im gesamten Klassendurchschnitt sind alle Kinder trotz ihrer 14 Jahre immer noch nicht in der Lage vernünftige Sätze in deutscher Sprache zu Papier zu bringen. Ich finde, ein paar zusätzliche Deutschstunden wären da wesentlich angebrachter als amerikanisches Kegeln.
Kosten tut der Quatsch 5 Euro.

Letzte Woche waren es 10 Euro für den gemeinsamen Besuch einer Kinovorstellung. Unsere Kinder kommen auch ohne die Schule oft genug ins Kino, dann aber am Familientag, da kostet es für einen Erwachsenen und zwei Kinder zusammen nur acht Euro. Doch der schulische Kinobesuch mußte sein, weil man sich einen französischen Film in französischer Sprache anschauen wollte. Schlußbemerkung unseres Sohnes dazu: „Verstanden haben wir nix, aber voll lustig war’s, wir haben voll den Spaß gehabt und die Lehrerin fand den Film gut.“
Schlußbemerkung dazu von mir: „Schon mal was von ARTE gehört, Frau Lehererin? Da kommen Beiträge in französischer Sprache zur Genüge.“

50 Euro sollte ich dann gleich berappen für eine weitere sehr wichtige schulische Veranstaltung.
Mein Sohn ist nämlich Klassensprecher. Ja und da hat man sich ausgedacht, daß die Klassensprecher alle gemeinsam in irgendeine Herberge fahren um dort abzusprechen „was man im nächsten Jahr so machen will“.
Ja ich glaube ich spinne! Für sowas kann man sich irgendwann mal nach der Schule ein, zwei Stunden zusammensetzen und dann hat man das. Wo leben wir denn? Im Zeitalter der Geldscheißer?

Es ist ja mit den jeweils genannten Beträgen nicht erledigt, hinzu kommt ja noch immer ein gewisser Teil Fahrt- oder Verpflegungsgeld.

Mir scheint es, als hätten Lehrer jegliches Maß verloren und keinen Blick mehr dafür, was die Leute außerhalb einer sicheren staatlichen Gehaltsversorgung so verdienen.

130 Euro soll ich jetzt bezahlen, weil die Kleine mit der Schule ins Landschulheim fährt. Ich gönne es dem Mädchen, aber hallo, es ist Viertel vor Weihnachten und die Kohle fehlt mir effektiv in diesem Monat. Mit dem erforderlichen Drumherum sind das 175 Euro die da mal eben so flöten gehen. Ach ja: Wenn die Kinder dann aus dem Landschulheim wieder da sind, dann geht die ganze Klasse gemeinsam Schlittschuhlaufen….

Eine ganze Woche war der große mit der Schule Kanufahren. Mir ist bis heute nicht klar, welches schulische Fach durch das Paddeln auf einem Fluß unterstützt werden soll, aber bitte, man muß ja.
Nächstes Jahr will die ganze Klasse nach Spanien oder Italien (300-500 Euro) und einen Schüleraustausch sollen wir auch machen (200 Euro)…

Versucht man sich dem Druck durch die Lehrer zu entziehen, wird man schnell als Rabeneltern abgestempelt.
Ich betone: Klar jammere ich über die Kohle, aber das Geld allein ist gar nicht das Thema. Es geht darum, daß Fremde einfach über mein Geld verfügen und das ohne jegliches vernünftiges Maß und dann auch noch für Sachen, deren Nutzen äußerst zweifelhaft ist.

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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