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Elternabend und so

Elternabend und so

Als ich noch zur Schule ging, gab es auch Elternabende und Elternsprechtage.
Besonders die Elternabende hatten für mich etwas Geheimnisvolles; zu gerne hätte ich gewusst, was da so alles besprochen wird.
Wenn ich mich aber zurückerinnere, sind meine Eltern nur ganz wenige Male auf Elternabenden gewesen. Vielleicht war ich nicht die Art von Kind, wegen dem man besorgt sein musste, vielleicht war das meinen Eltern nicht so wichtig, ich weiss es nicht.

Inzwischen habe ich alle Hürden des deutschen Schulsystems erfolgreich genommen und bin Vater zweier Kinder im schulpflichtigen Alter.


Ich liebe meine Kinder und tue alles, damit ihre schulische Entwicklung in geregelten Bahnen verlaufen kann. Trotzdem stellt sich alle paar Tage ein kaum zu unterdrückender Würgereiz ein. Dann steht eines der Kinder nach der Schule vor mir und hält mir einen Zettel hin: „Papa, da ist eine Einladung von der Schule, da müsst ihr hin!“

Elternabend und soElternabend und so

Mindestens zweimal jährlich gibt es einen Elternabend, zweimal Klassenpfelgschaftssitzung, einmal Elternbeiratssitzung, ein Schulfest, einen Weihnachtsbazar, eine Sportveranstaltung und immer auch eine Krisensitzung. Und das ist nur für ein Kind, wir haben aber zwei von der Sorte.

Das sind dann schon 18 Termine, also umgerechnet 1,5 pro Monat. Noch gar nicht mitgerechnet habe ich die Elternsprechtage und alle Veranstaltungen, die noch so nebenher laufen und bei denen auch oft ganz gerne die Teilnahme der Eltern wie selbstverständlich vorausgesetzt wird. Rechnet man alles zusammen, dann müsste ich wenigstens alle 14 Tage zu einer solchen Veranstaltung.

Ich kann es mir aus zeitlichen Gründen nicht erlauben, Mitglied in einem Verein zu sein, bei dem ich 26 Mal im Jahr antanzen müsste. Die Schulen setzen das aber einfach voraus.

Nun sind unsere Kinder aber in ihrer Freizeit auch noch sportlich tätig. Ich selbst hasse ja jede Art von Sport, die man nicht vom Sofa aus betreiben kann. Schließlich habe ich 20 Jahre gebraucht, um mein niedliches, ganz leicht behaartes, Bäuchlein zu formen und will das nicht durch so einen Scheiß, wie Nordic Walking oder esoterisches Kampftöpfern, wieder verlieren.
Unsere Kinder sind aber noch jung und da sie eine leichte Tendenz zur Moppeligkeit haben, tut ihnen Sport ganz gut. Der Junge spielt Fußball und das Mädchen ist in einer Tanzgruppe.

Die beiden müssen also noch wenigstens zweimal pro Woche zum Training und die Trainingsorte sind natürlich klugerweise nicht in unserem Ort, sodass ich sie wegbringen, dort anderthalb Stunden warten und sie dann wieder heimfahren muss. Das macht insgesamt 208 Termine pro Jahr. Selbstverständlich kommen da noch jeweils ein gutes Dutzend Tanzauftritte und Fußballturniere hinzu. Habe ich schon erwähnt, dass diese Vereine auch Elternabende, Weihnachtsfeiern, Sommerfeste, Grillabende und Bazare veranstalten?

Die Allerliebste und ich haben mal die Kalender der letzten beiden Jahre durchgerechnet. Wir sind auf über 300 Termine gekommen. Ziehen wir von den 365 Tagen eines Jahres mal die Sonntage und Feiertage ab, müssten wir von Montag bis Samstag eigentlich rein rechnerisch jeden Tag zu irgendeinem Termin, nur wegen der Kinder.

Ist ja gut, dass wir sonst nichts zu tun haben, oder?

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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peter wilhelm autorenlesung
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  1. Oskar
    Oskar 22 März, 2011, 13:34

    Na vielen Dank!

    Unsere kleine geht gerade in die Krabbelgruppe und schon planen wir unsere Aktivitaeten um die Termine des Kindergartens herum. Haelt sich noch in Grenzen.

    Jetzt weiss ich ja, auf was ich mich freuen kann, wenn sie erst in die Schule geht und eigene Vorstellungen zur Freizeitgestaltung entwickelt.

    Danke fuer den netten Artikel.

    Antwort auf diesen Kommentar

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