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Frische Brötchen PDF Druckbutton anzeigen? E-Mail
Kinder, Familie und die Frauen
Veröffentlicht von: Peter Wilhelm   
Dienstag, den 21. September 2010 um 16:11 Uhr

Es klingelt und draußen steht ein netter Mann. Gut, 'ne nette Frau wäre mir lieber gewesen, aber ich hätte sowieso nichts mit ihr anfangen können, denn die Allerliebste war auch zu Hause. Einer liebestollen Beziehung mit dem Mann stand dann auch seine Frage im Weg, ob ich gerne frische Brötchen mag. Das paßt so gar nicht zu hemmungslosem Sex, finde ich.

Bei Brötchen denke ich einen schön gedeckten Tisch mit Marmelade, gekochten Eiern und Käse. In Verbindung mit einem Bett bleiben da nur Krümel und Reste von Eierschalen. Nein, das ist nix.

Er käme von der Firma Blabla und diese Firma bringe jeden Tag frische Brötchen an die Haustür. Ob ich das denn mal ausprobieren wolle, kostenlos versteht sich.

Bei uns gibt es zwei Bäcker. Bei dem einen stehen die Leute sonntags 20 Meter Schlange, da gehe ich schon deshalb nicht hin und bei dem anderen herrscht immer gähnende Leere, da hab ich schon mal was geholt, aber das war dann auch so, daß ich nun verstehe, warum es da immer leer ist.

Gut, also am Donnerstag bringe man dann mal kostenlos was zum Probieren vorbei und dann melde man sich telefonisch, ob uns das gefallen habe.

Ich nicke das ab und gucke später im Internet bei Firma Blabla nach. Die Brötchen kosten das selbe wie beim Bäcker und das Bringen kostet wochentags 50 Cent und am Wochenende 1 Euro. Alles klar, das passt.

Nun ist es so, daß die Allerliebste oft in ihrer Pause ganz malerisch über irgendwelche Märkte schlendert... Sorry, ich fang nochmal an: Nun ist es so, daß die Allerliebste oft in ihrer Pause über ganz malerische Märkte schlendert und das Eine oder Andere einkauft. Oft sind das Brot und Brötchen. Und so vergesslich wie sie ist, lässt sie die nach dem Nachhausekommen manchmal noch in ihrer Tasche und legt sie erst am anderen Morgen raus. Macht nix, denn in so großen Frauentaschen herrscht ein verderbfeindliches Klima aus Nagellack, Lippenstift und allerlei Medikamenten. Da wird nix faul.

So legt sie mir am Donnerstagmorgen einen Beutel mit Brötchen hin und ich denke nur, sie habe wieder was aus dem Unverderblichen geholt. Ich überlasse die ganzen Backwaren den Kindern, denn mit Nagellacksemmeln habe ich es nicht so.

Gestern rief der Blabla-Mann an und fragt, wie denn sein Backwerk gewesen sei. Ich stutze, ach ja, den hat es ja auch noch gegeben. Ich will ihm gerade sagen, seine versprochene Lieferung sei gar nicht angekommen, da rufen mir die Kinder zu, das sei alles prima gewesen. Wieso das denn? Ja, das wäre doch diese Tüte am Donnerstag gewesen, die habe an der Haustüre gehangen...

Ja gut, ich habe also von diesen ganzen schönen Brötchen nichts abbekommen. Bestellt habe ich trotzdem. Jetzt bekommen wir immer sonntags eine Tüte mit gemischten Brötchen. Mal gucken, wenn die gut sind, dann bestelle ich das auch für andere Tage.

Noch nebenbei: Das ist eine richtige Firma, die das wohl in der ganzen Region macht. Vor Jahren hatten wir mal Jens. Der kam auch eines Tages so an die Tür und der war Student und machte das nebenher. Der fuhr morgens selbst zum Bäcker, kaufte auf eigene Rechnung die Brötchen, verpackte sie in Tüten und hängte sie den Kunden an die Tür.

Habe ich auch genommen. Doch dann kam Jens nicht mehr. Die Leute haben ihn nicht bezahlt, manche haben die Brötchen einfach hängen lassen, obwohl sie sie bestellt hatten und waren der Meinung, man müsse nur bezahlen was man auch gegessen habe. Eine Frau war so dreist, dem jungen Mann am Monatsende alle alten Brötchen in die Hand zu drücken und dafür einen Abzug zu verlangen. Jedenfalls haben die Kunden den Jens kaputtschikaniert.

Arschlöcher!

Man weiß in Deutschland einfach nicht, daß Service auch bezahlt werden muß und daß man nur dann toll bedient wird, wenn man das auch finanziert.

 
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