Ich bin ja an manchen Tagen etwas kantig, grantig und gebe mich dann sarkastisch bis zynisch. Und ich gestehe ein, daß ich mit so manchem, was unsere Kinder so treiben, einfach nicht einverstanden sein möchte. Ich hätte so manches gerne anders, versuche sie positiv zu beeinflussen, aber letztenendes lasse ich sie gewähren. Meine Frau und ich haben ganz wunderbare Kinder, die so normal sind, daß es schon fast wieder außergewöhnlich ist.
Was aber auf vielen Internetseiten und z.T. auch bei YouTube gerade von jungen Leuten gepostet wird, das tut mir manchmal schon fast körperlich weh. Nehmen wir doch als Beispiel mal folgendes Video. Es zeigt eine hilflos auf allen Vieren kriechende Frau, die mühsam versucht, ein Haus zu erreichen um sich an etwas abstützen zu können, damit sie aufstehen kann. Die Ursachen für ihre Hilflosigkeit sind unbekannt, sie könnte an einer Krankheit wie Multipler Sklerose leiden, einen Anfall jeglicher Art gehabt haben, einen Infarkt erlitten haben oder auch schlichtweg einfach nur betrunken sein. Vielleicht hat sie aber auch ein Medikament nicht vertragen oder ist kurz davor zu sterben.
Wir wissen es nicht.
Der YouTube-Benutzer BossAlphaKS stellt dieses Video aber online unter dem Titel:
Diese Frau ist total besoffen lach!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Ich räume gerade meinen Schreibtisch auf und habe eben eine Notiz von einem öffentlich-rechtlichen Sender in den Papierkorb geworfen. Ein kurzer Blick darauf und das Kopfschütteln geht los. Man muss sich das mal überlegen: Da wird man in eine Fernsehsendung eingeladen und fährt also morgens in aller Frühe hier los. Gegen Mittag kommt man in einem anderen Teil Deutschlands an und wird direkt vom Bahnhof in den Sender gefahren. Maske, kurzes Warten, Besprechung mit dem Redakteuer, Besprechung mit dem Moderator, Sendung.
Dann muss man sich beeilen, damit man den Zug noch bekommt. Völlig abgehetzt sitzt man dann im Abteil, gegen Mitternacht ist man erst wieder daheim.
Thomas Gottschalk hat "Wetten, dass...?" abgegeben. Die Promiparade auf der großen Couch war viele Jahre lang das unangefochtene Flaggschiff des ZDF und wurde mit einem Millionenaufwand produziert. Gottschalk und "Wetten, dass...?" waren eine Symbiose eingegangen. Die Show ist nichts ohne Gottschalk und Gottschalk ist offenbar auch nichts ohne "Wetten, dass...?".
Nun hat nach den Absagen von Hape Kerkeling und Jörg Pilawa also Markus Lanz sich bereit erklärt, die Sendung zu übernehmen. Schwiegermutters Liebling soll also nun das große Unterhaltungsflaggschiff "Wetten, dass...?" vor dem Untergang retten. Ob ihm das gelingt? Die Stützstrumpfgeneration mag Lanz ja noch annehmen, aber auch das ZDF hat die Zielgruppe der 14-49 jährigen im Blick und ob ausgerechnet Spätabendkocher und Multiplauderer Markus Lanz diese Zielgruppe erreichen kann, halte ich persönlich für mehr als fraglich.
Vielleicht könnte eine Wiederbelebung von "Wetten, dass...?" gelingen, wenn man sich mehr auf die Wurzeln zurück besinnt und die Wettkandidaten mehr in den Vordergrund stellt. Vielleicht gelingt es sogar, mehr Wetten zu finden, die klein aber fein sind und dem Zuschauer ein echtes Staunen abringen. Noch einen Bagger, der Bierflaschen köpft oder noch ein Kreuzfahrtschiff, dass von irgendeinem Ruderverein weggezogen wird, das wollen die Zuschauer wirklich nicht mehr sehen. Sie wollen auch nicht noch einen Bierkastenstapler und nicht noch einen Seifenlecker sehen, das hatten wir so oder so ähnlich alles schon und da hilft es auch nichts, wenn jede dieser Wetten pompös auszelebriert wird und irgendeine Hollywoodgröße für ein paar Minuten als Wettpate auf der Couch Platz nimmt, ohne zu verstehen, um was es bei dieser Sendung überhaupt geht.
Jeder kennt ja Atze Schröder und seinen Kiosk in Essen-Kray. Nun befindet sich dieser Kiosk natürlich nicht in Essen-Kray, genau so wenig, wie der Schauspieler, der Atze Schroeder verkörpert und der ja namentlich nicht genannt werden darf, aus Essen-Kray kommt. In Wirklichkeit kommt der Atze-Mann aus Emsdetten und der Kiosk steht in Köln.
Jetzt talkt Thomas Gottschalk also im Ersten. Von 19:20 Uhr bis 19:50 Uhr präsentiert das angebliche Multitalent "Gottschalk Live". So ganz sicher, ob ich die richtige Sendung schaue, war ich mir gestern nicht. Die HARIBO-Reklame zu Beginn und das buntkarierte HARIBO-Jackett des Protagonisten verwirren mich, vor allem weil die Gästecouch auch voller Kinder sitzt. Es sind dies die Hauptdarsteller des neuen "Fünf-Freunde-Films" und Gottschalk bemüht sich um sichtlich bemühten Smalltalk mit den Kindern, die oft gar nicht so recht zu wissen scheinen, was der grinsende Onkel da von ihnen will. Ganz wie Harald Schmidt zeigt Gottschalk dann Bildtafeln mit den Konterfeis Prominenter, macht dazu dumme Witze aus der untersten Schublade des längst verblichenen Heinz Maegerlein und versucht mühsam mit den Kindern einen Pseudo-Talk über Promi-Klatsch.
Zweimal wird die halbstündige Sendung von Werbung und Wetter unterbrochen, beworben werden die Produkte für die Zielgruppe: Alten-Medikamente. Die erste Sendung am vergangenen Montag kann man durchaus als missglückt beurteilen, sie wirkte wie eine unaufgeräumte Stellprobe mit zuviel Werbung. Das quittierten die Zuschauer auch sogleich, indem am Dienstag nur noch rund die Hälfte einschaltete. (4,34 Millionen schauten die Premiere, die zweite Sendung am Dienstag wollten hingegen nur noch 2,43 Millionen Menschen sehen.) Die anvisierte Zielgruppe der 14-49jährigen hingegen fehlte bei den Zuschauern fast völlig. Nur noch 480.000 (rd. 5% Marktanteil) schalteten am Dienstag ein. Damit ist Gottschalk nach nur zwei Sendungen im Tal des Todes der Fernsehunterhaltung angekommen; ein klassischer Fehlstart.
Am Mittwoch durfte noch Anna Netrebko mit ihrem Partner auf die Couch, doch auch hier sind die Diskussionsversuche eher bemüht und wenig unterhaltsam.
"Das ist das Leben!" so tönt es mir aus dem Fernsehlautsprecher entgegen und wieder einmal mehr möchte mir eine so genannte Doku oder Doku-Soap die "Reality", also die angebliche Wirklichkeit näher bringen. Ob nun bei "Mitten im Leben" oder bei den Fernsehfahndern Niedrig und Kuhnt, immer wieder versuchen die Sender, dem mehr oder weniger unbedarften Zuschauer irgendwelche erfundenen Zusammenhänge durch Laien- oder Kleindarsteller als vermeintliche Wirklichkeit vorzuführen. Doch vorgeführt wird nicht die Wirklichkeit und nicht einmal die handelnden Protagonisten werden vorgeführt, sondern einzig und allein der Dumme vor der Glotze. Angeblich halten ja über 60 % der Zuschauer in der werbewirksamen Zielgruppe der 14-40jährigen das Dargestellte für eine Art abgefilmte Wirklichkeit. Sie nehmen die durch Autoren geschriebenen Handlungsstränge (scripted) für bare Münze (Reality) und lassen sich durch die schlecht gesprochenen Dialoge und das stümperhaft ausgesuchte Ambiente blenden und glauben tatsächlich, das was die Sender hier bei "Verklag mich doch!" und all diesen Formaten zeigen, sei Teil der Realität und so lebten die Menschen um sie herum.
Dabei ist es eine altbekannte Tatsache, daß der Mensch dazu neigt, die eigene Situation vollkommen zu verkennen und sich besser zu fühlen, so lange er andere Menschen vor Augen hat, denen es aus seiner subjektiven Sicht noch schlechter geht, die noch asozialer oder zum Beispiel noch arbeitsloser, blöder oder unfähiger sind als sie sich selbst einschätzen.
Vor einigen Tagen habe ich bei der hiesigen CONRAD-Filiale etwas eingekauft und blieb vor einem der dort ausgestellten 3D-Fernseher stehen, auf dem ein Demo-Programm lief. Da gerade niemand in der Nähe war, vor dem ich mich hätte lächerlich machen können, habe ich die aberwitzig pinkfarbene 3D-Brille aufgesetzt und mal geschaut, wie 3D denn so ist.
Und ich muss sagen, daß ich höchst verblüfft war. Ich meine, ich kenne 3D aus dem iMax-Kino, aus den rot-grün-Sendungen des Fernsehens und aus der Stereoskopie-Fotografie. Daher wußte ich, daß das Erlebnis im iMax-Kino beeindruckend ist, wenngleich die Filme dort meist an Langeweile nicht zu überbieten sind. Ich wußte auch, daß es einen richtig tollen dreidimensionalen Eindruck bei der stereoskopischen Fotografie gibt und vor allem war mir bekannt, daß alles was ich bisher auf dem Fernseher an 3D erlebt habe, nur den Reiz des Unbekannten und Neuen hatte, aber nie richtig toll funktioniert hatte.
So erwartete ich auch gar nicht viel und war eher darauf gefasst, einen irgendwie komischen 3D-Eindruck zu bekommen, der mich nicht überzeugen würde. "Die brauchen noch ein paar Jahre, irgendwann kommt das, aber dann wirds richtig teuer", habe ich gedacht.
Auch heute liefert das Morgenmagazin der ARD wieder einen Punkt zur Freude an dilettantischem Journalismus. Da spricht Moderatorin Anna Planken im Zusammenhang mit den vor einem Jahr nach einem Minenunglück geretteten chilenischen Bergleuten davon, die Männer seien nach 69 Untertagen gerettet worden.
Hm, sie waren vielleicht 69 Tage unter Tage, aber haben nicht 69 Untertage irgendwo verbracht, so ein Unsinn. Mit "unter Tage" bezeichnen Bergleute das da unten, unter der Erde, unterhalb des Tageslichtes, nicht etwa einen Zeitabschnitt von 24 Stunden oder ähnliches.