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Die Wechseljahre der Kanzlerin

Die Wechseljahre der Kanzlerin

Ein richtiger Sommer ist das ja nicht, oder? Regnerisch, eher schwül als warm und abends viel zu kühl. Normalerweise messe ich dem Wetter doch recht wenig Bedeutung bei, zumal ich erkannt habe, daß das so eine der Sachen ist, die ich am allerwenigsten beeinflussen kann. Und dennoch ist das Wetter eines der beliebtesten Themen, um mir die Ruckdäschl vom Erdgeschoss vom Leib zu halten.

Bevor ich mir von unserer selbsternannten Concierge ein Gespräch aufzwingen lasse, bei dem sie das Thema bestimmt, ist es ein sehr geschickter Schachzug, der Alten einfach ein paar Floskeln über das Wetter vorzuwerfen. Daran hat sie dann zu kauen und während sie das tut, kann ich oft genug mit heiler Haut entkommen.

Es ist ja bekanntermaßen schlichtweg unmöglich, unser Haus zu betreten oder zu verlassen, ohne daß die Alte einem über den Weg läuft. Ihr Balkon liegt zur Straßenseite hin und somit entgeht ihr einfach gar nichts.
So bleibt es auch nicht aus, daß sie mich heute abermals erwischt. Ich hatte schon gedacht, daß mir die Concierge erspart bliebe, aber da kommt sie völlig unerwartet von hinten, sie war im Keller, und stöhnt mir in den Nacken:

„Ei das Wetter, das Wetter bringt mich schier um, wisse‘ Sie?“

Die Wechseljahre der KanzlerinDie Wechseljahre der Kanzlerin

„Ja ja“, sage ich, „es ist ja auch fürchterlich drückend.“

„Wisse Sie, was der Mann von gegenüber gesagt hat?“

„Nein.“

„Des is ja a so einer, wisse Sie?“

„Was für einer ist das denn?“

„Ach, kumme Sie, Sie wisse doch, was isch meine.“

„Nein, wirklich nicht“, sage ich wahrheitsgemäß, denn außer der Tatsache, daß in dem Haus gegenüber überhaupt Leute wohnen, weiß ich absolut nichts über die.

„So än komischer Mann ist das.“

„Wie? Ein komischer Mann?“

„Na schwül!“

„Aber Frau Ruckdäschl…“

„Komme Sie, höre Sie mir uff! Der hotts mir selber gesagt! Schwül wär’s, hott er gesagt! Und da weiß man doch was des is. Des sind doch die die immer in Frauekleider herumlaufe, wann keiner zuguckt!“

„Was Sie meinen ist schwul, der hat doch aber bestimmt schwül gesagt und das Wetter gemeint.“

„Meine Sie?“

„Aber sicher doch, der würde Ihnen doch nicht einfach so quer durch den Vorgarten erzählen, daß er schwul ist.“

„Naja, vielleischt hawwe Sie Rescht. Eigentlisch isser jo ganz nett. Aber drückend isses wirklich, odda?“

„Das ist wahr, Frau Ruckdäschl, dieser Sommer will einfach nicht richtig in die Gänge kommen.“

„Und Schuld daran ist nur die Merkel“, sagt die Ruckdäschl und stampft zur Bestätigung mit dem rechten Fuß auf.

Ich mache immer wieder den gleichen Fehler. Statt einfach zu nicken und wegzugehen, bleibe ich stehen und gehe auf den Blödsinn der Alten ein:

„Was bitte hat unsere Bundeskanzlerin mit dem Wetter zu tun?“

„Na höre Sie kein Radio, schaue Sie keine Nachrischte?“

„Doch schon, aber…“

„Gestern ist es gekommen, im Fernsehn! Da hawwe die gesagt, daß die Merkel jetzt weiter macht mit dem Klimakterium und dass es deshalb so warm wird, vor allen in den Treibhäusern.“

„Was Sie meinen, heißt Klima oder Klimawandel.“

„Klimakterium, sag ich doch! Das Klimakterium von der Merkel ist Schuld am schwulen Wetter!“

Sprichts, stampft nochmals mit dem Fuß auf und verschwindet in ihrer Wohnung.

Ob die Merkel das weiß?

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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