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Die Wasserrohre…

Die Wasserrohre…

…in unserem Haus werden am Donnerstag kontrolliert und gereinigt. Feine Sache!
Weniger fein ist es, daß alle Räume, durch die Wasserrohre laufen, frei zugänglich sein müssen.
Am Ostermontag fiel dann der Allerliebsten ein, daß der eine Kellerraum, der große, ziemlich voll steht.

„Schatz, da müssen wir morgen unbedingt was machen!“

Ich nickte nur, denn ich wußte, was kommen würde.


Gestern sind wir also runter in den Keller, die Allerliebste und ich.
Und dann stand ich da vor dem Chaos. Dutzende von Kisten, Kartons und allerlei Gerümpel. Jetzt rächte sich, daß wir immer mal wieder die Kinder mit dem Auftrag etwas in den Keller zu stellen, hinuntergeschickt hatten.

Die Wasserrohre...Die Wasserrohre...

Schon die erste Kiste weckte das Interesse der Allerliebsten.
„Ach guck mal hier, ist das nicht süß“, fragte sie und hielt mir einen Babystrampler unserer Tochter unter die Nase.

„Und wozu hebst du das Zeug auf?“ erkundigte ich mich.

„Die sind doch so suß!“

„Ja, aber du stimmst schon mit mir überein, daß Josie den nie wieder wird anziehen können, oder?“

„Man weiß ja nie!“

„Du bist doch nicht etwa schwanger?“

„Depp!“

„Ich frag ja nur.“

„Noch ein Kind von dir halten meine Nerven nicht aus!“

„Immerhin sind die auch von dir, die Kinder.“

„Von mir haben sie aber nur die besseren Eigenschaften.“

„Ach was?“

Diese scherzhaft vorgetragene Frage „Ach was?“ traf die Allerliebste mehr, als ich es gewollt hatte und sie schmollte eine Weile vor sich hin. Das gab mir Gelegenheit, weitere Kisten in den Gang zu wuchten und etwas Platz im Keller zu schaffen.
Während ich schuftete, öffnete die Allerliebste eine Kiste nach der anderen und verfiel wieder in ihr: „Ach wie süß!“
Jetzt war allerdings noch eine Variante hinzugekommen: „Ach da ist das. ich wußte gar nicht, daß ich das noch habe!“

Alte Briefe, kaputte Puppen, Babykleidung, egals was… alles erregte ihre Aufmerksamkeit und immer mehr geriet sie ins Plappern. Unbedingt wollte sie mir zu jedem Kellerfundstück eine spannende und anrührende Geschichte erzählen.
Aber zum einen war ich bei den meisten Geschichten sowieso dabei und zum anderen gibt es ein, was ein Mann, der den Keller aufräumen will, gar nicht gebrauchen kann: eine plappernde Ehefrau, die alles süß findet!

So ging das ungefähr eine halbe Stunde. Ich kam nicht wirklich voran und die Allerliebste geriet immer mehr in Verzückung.
Was sollte ich tun?

Als mir eine Packung mit altem Ostergras in die Hände fiel, schnupperte ich, nur so aus einem Reflex heraus, daran.

„Was riechst du denn da?“

Mehr aus Jux sagte ich: „Ich glaube das riecht nach Mäusepisse!“

„Mäuse!!!!!!“

Aha! Jetzt hatte ich die Lösung gefunden. Die Allerliebste mag keine freilaufenden Mäuse und diese frauentypische Angst galt es nun geschickt auszunutzen. Keinesfalls dürfte ich jetzt den Fehler machen, zu behaupten, wir hätten Mäuse im Keller. So einfach kriege ich meine Frau nicht dran, dafür ist sie zu klug und kennt mich zu gut.
Ich mußte geschickter vorgehen, das war mir klar. Deshalb sagte ich mit einem beruhigenden Unterton: „Nein, nein, ich dachte nur es röche so.“

„Aber wenn da Mäuse sind, mußt du es mir sagen“, befahl die Allerliebste.

„Ja ja.“

„Nee, nee, nicht bloß ja ja sagen, sondern mir Bescheid sagen, wenn da welche sind.“

„Da sind bestimmt keine.“

Vorsichtshalber roch ich wieder an der nächsten Schachtel und verzog etwas das Gesicht. Im Augenwinkel sah ich, daß die Allerliebste mich ganz genau beobachtete.
Zeit für Stufe zwei meines Plans.

Bei der nächsten Schachtel, die ich hervorholte, kratzte ich etwas mit dem Fingernagel am Boden der Schachtel.

„Was war das!“ Die Allerliebste wich zurück.

Ich zuckte nur mit den Schultern und stellte die Schachtel direkt vor ihren Füßen ab. Sie wich noch etwas zurück. Daraufhin begab ich mich in die dunkleren Tiefen des Kellers, knisterte etwas mit Papier herum und riß an einer Schachtel eine kleine Ecke ab. Dann dann steiß ich einen kurzen, erschreckten Schrei aus und sprang mit der Schachtel in der Hand zur Allerliebsten.

Die fragte mit weit aufgerissenen Augen: „Waren da Mäuse?“

Ich nickte und zeigte ihr wortlos die Schachtel mit der fehlenden Ecke.

Die Allerliebste wich noch weiter zurück und fragte: „Viele? Große?“

Ich nickte: „Ziemlich viele und ich glaube sogar, daß es Ratten sind.“

Das reichte. Auf einmal fand Anke gar nichts mehr süß und interessant, sondern war binnen 10 Sekunden aus dem Keller verschwunden.

Zwei Stunden später hatte ich, mit Hilfe der inzwischen hinzugekommenen Kinder, die unbedingt mal die süßen Mäuslein sehen wollten, die Hälfte vom Gerümpel aus dem Keller geräumt und in blaue Müllsäcke verpackt. Die fuhren wir dann noch auf die Müllkippe.

„Du glaubst gar nicht, wie das Zeug aussah“, sagte ich später zu Allerliebsten, „alles angefressen und voller Mäuseköttel.“

„Hoffentlich hast du alles weggebracht“, sagte sie und in mir stieg ein Gefühl großen Glücks auf.

Mit Hilfe dieser Mäusetaktik wird es mir gelingen, den ganzen Keller leer zu kriegen und endlich allen alten Scheiß, den meine Frau seit 20 Jahren sammelt, auf den Müll fahren zu können.

Ich finde, ich bin genial!

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!


peter wilhelm autorenlesung
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