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Die spinnen, die Griechen

Die spinnen, die Griechen

Ich habe ja großes Verständnis dafür, daß Kaufleute einen möglichst hohen Gewinn anstreben.
Durch die Umstellung auf den Euro erscheinen uns, die wir noch die D-Mark gewöhnt sind, viele Preise heute eher niedrig. Mal eben einen elektronischen Artikel für 49 Euro gekauft und in Wirklichkeit hat man fast 100 Mark ausgegeben. Ich kann mich gegen das automatische Umrechnen in D-Mark nicht wehren.

Es ist auch Vieles teurer geworden seit der Einführung des Euro. Rohstoffe, Materialien und jetzt erst die Erhöhung der Mehrwertsteuer. Klar, dafür habe ich Verständnis.

Kein Verständnis habe ich aber für die Speisenkarte des griechischen Restaurants, in dem Anke und ich gestern Abend waren. Die Preise gingen bei 10,80 Euro für einen Spieß los und das Rumpsteak sollte mit 18,90 Euro zu Buche schlagen.

Anke ist der Appetit schon beim Preiselesen vergangen, ich habe mir auch nicht das bestellt, was ich eigentlich gewollt hätte. Stattdessen nahm ich einen „Herkules-Teller“ für 12,90 Euro. Darauf befand sich etwas Gyros aus der Abteilung „Klingelware“, denn es war ganz augenscheinlich in der Mikrowelle heißgemacht worden. Außerdem bekam ich zwei kleine Hackfleischröllchen und eine knappe Handvoll „Pommes Chips“.

Die spinnen, die GriechenDie spinnen, die Griechen

Normalerweise wäre ich schon angesichts der Preise einfach wieder gegangen, aber wir waren zufällig in dieser Ortschaft und ich kannte den Griechen von früher und wollte mir mal sein Lokal ansehen.
Eines ist sicher, da gehen wir nie mehr hin. Das Essen war nämlich nicht nur überteuert, sondern auch noch schlicht und ergreifend schlecht.

Ich habe ein Jahr vor der Euro-Einführung die Unternehmensberatung für ein griechisches Lokal gemacht, denn mit sowas habe ich lange Jahre mein Geld verdient, und kenne die Einstandspreise, die Kalkulation und die Pachtbedingungen hier ringsherum. Ein einfacher Schweinespieß hat seinerzeit 8,90 D-Mark gekostet. Würde er jetzt 7,50 Euro kosten, wäre das in Anbetracht der Preissteigerung angemessen. Aber 10,80 Euro ist definitiv eine Frechheit.
Rumpsteak (argentinische 1a-Qualität) kostet heute im Fleischversorgungszentrum zwischen 10 und 12 Euro das Kilo. Das bedeutet, daß der Wirt aus einem Kilo 5 Steaks je 200 Gramm und je 2 Euro schneiden kann. Selbst wenn ich Personal-, Pacht- und sonstige Kosten mitkalkuliere, sind 18,90 Euro jenseits dessen, was man akzeptieren kann.
Das muss man sich einfach mal in D-Mark vorstellen, wo es rund 37-38 Mark ausmachen würde.
Hallo? Wer von uns hätte denn für ein einzelnes Rumpsteak jemals knapp 40 Mark bezahlt?

Für 27 Mark bekam ich vor dem Euro bei meinem Griechen an der Ecke die kleine Platte für zwei Personen…

Ich sehe es auch nicht mehr ein, in einer Kneipe 3,50 Euro für ein Bier zu bezahlen, wenn 100 Meter weiter der -.real-Markt das gute Oettinger-Bier für 4,55 Euro pro Kasten anbietet.
Und die 7,98 Euro für eine Flasche Sprudelwasser, die uns neulich abverlangt wurden, sehe ich auch nicht ein, wenn ein Kasten Mineralwasser „draußen“ im Super-Angebot 99 Cent kostet.

Die Wirte müssen auch einen Haufen Kosten tragen und ich finde, daß jede Mühe ihren Lohn verdient. Aber kein Wirt und kein Koch haben Alchemistenhände unter deren Einfluss sich alles in pures Gold verwandelt.

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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