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Die Hand war zu nass

Die Hand war zu nass

Dreizehn ist er gerade geworden, mein Sohn. Und passend zum neuen Lebensjahr ist er das erste Mal so richtig verliebt.
„Wie sieht das Mädchen denn aus?“ will ich wissen und daß der Kleine verliebt ist merkt man an seiner Antwort:

„Papa, die ist so schön, daß kann ich gar nicht beschreiben!“

Irgendwelche Mädchen, von denen er sagte, das sei jetzt seine Freundin, hat es auch früher schon gegeben, aber ich glaube dieses Mal sind das erste Mal auch Hormone im Spiel, die Pubertät steht vor der Tür. Und was das bedeutet, weiß jeder, der das schon mal mit seinen Kindern mitgemacht hat. Die sogenannte Schwiegermutter meint ja, das sei alles noch viel zu früh, aber immerhin habe ich die Allerliebste das erste Mal geküsst, als sie auch exakt dreizehn Jahre alt war. Und was ist daraus geworden? Wir sind verheiratet, haben zwei Kinder und jeden Tag zu essen. Was will man mehr?


Nun glaube ich ja nicht, daß mein Sohn seine Angebetete eines Tages heiraten wird, rechne eher damit, daß das nach ein paar Wochen auseinandergeht, aber wir beobachten das mit Spannung und Amusement, denn durch dieses Auf und Ab von Verliebtsein und Liebeskummer mussten wir ja auch mal gehen.

Die Hand war zu nassDie Hand war zu nass

„Ja und, hast Du sie schon mal geküsst?“ frage ich ihn und ernte einen entrüsteten Blick. „Aber Papa! Wir sind doch nur zusammen!“

Heute ist man also zusammen, früher gingen wir miteinander, das ist schon mal ein Unterschied. Kein Unterschied allerdings ist die Methode, wie man ausmacht, ob man nun zusammen ist. „Die Monika hat für mich auf einen Zettel geschrieben: ‚Bist Du mit Rouven verliebt ( ) JA ( ) NEIN, bitte ankreuzen‘ und dann hat sie den Zettel der Svetlana gegeben und die hat ihn dann ihren Freundinnen gezeigt und die haben alle gelacht und dann ist der Zettel verschwunden. Die anderen Jungs haben dann in der Pause gesungen: Der Rouven ist verlihiebt, verlihiiiiiebt! und dann war ich eben mit dem Mädchen zusammen.“

Ich frage mal vorsichtig: „Weiß die das auch?“

„Ja natürlich! Auf der Klassenfahrt waren wir beisammen wie Mann und Frau!“

Ein Schrecken durchfährt mich. Was genau, bitteschön, bedeutet ‚beisammen wie Mann und Frau‘? Ich will meinen Sohn gerade fragen, was er damit meint, da sagt er schon: „Weiß Du, wir sind immer so nebeneinander gelaufen.“

„Und sonst?“

„Ja nix sonst, das reicht doch, oder?“

„Habt ihr noch nie Händchen gehalten?“

„Doch ein Mal, aber meine Hand war so schwitzig, die ist aus ihrer Hand wieder rausgerutscht.“

„Dann wisch sie an der Hose trocken und nimm gleich wieder ihre Hand“, lautet mein väterlicher Rat.

„Das ging nicht.“

„Warum nicht?“

„Dann könnte sie meinen, ich wolle was von ihr.“

„Ja aber ihr seid doch zusammen.“

„Ja und? Wir sind doch aber nicht verheiratet, das sind doch nur so alte Leute wie ihr.“

Zack, das hat gesessen. Alte Leute! Ich bin doch noch nicht alt… Obwohl, wenn ich recht überlege, dann waren meine Eltern für mich auch immer alt. Ich kann mich gar nicht daran erinnern, daß die mal jung waren und wirklich vorstellen konnte ich mir das als Kind auch nicht. Sex hatten meine Eltern ja sowieso nicht, zum einen wurde das bei uns nicht thematisiert und zum anderen hat mich ja sowieso der Klapperstorch gebracht. Da bin ich konservativ!

Gut, unsere beiden Kinder sind auf herkömmliche Weise geschlüpft und wir haben ihnen die Geschichte vom Klapperstorch schon deshalb nicht erzählt, weil die Zwei ja etwas kräftiger sind und es solch große Störche gar nicht gibt.

„Was ist denn der Unterschied zwischen zusammen sein und verheiratet sein?“

Mein Sohn schaut mich an, als zweifle er an meinem Verstand und antwortet: „Zusammen sein ist ohne.“

„Ohne was?“

„Du weißt schon!“

„Nee.“

„Doch!“

„Nee, wirklich nicht. Ohne was?“

„Ja ohne den Sex.“

Ich mache mir über die Aufklärung unserer Kinder wenig Gedanken, denn wir leben ja in einer modernen Zeit mit übereifrigen Leherinnen, die nichts unversucht gelassen haben, um unseren Kindern schon vor Jahren einzutrichtern, wo der Penis in die Vagina gehört und wie dann die Kinder im Bauch der Mutter wachsen und wie Kondome verwendet werden. Ja, sowas lernen die Kinder schon mit Sieben, aber Josie schreibt heute noch „Schdrasenferker“, wenn die „Straßenverkehr“ meint. Also weiß unser Rouven, was Sex ist und offenbar will er mir sagen, daß man nur dann richtig miteinander geht, wenn auch sexuelle Handlungen eine Rolle spielen.

„Was ist denn jetzt genau dieser Sex?“ frage ich.

„Sich anfassen!“

„Auch Händchen halten?“

„Nur wenn man es öfters macht!“

Ich schwanke. Soll ich ihm mehr erklären oder ihn das alles mal selbst herausfinden lassen?

Warten wir’s mal ab. Ich glaube, solange der sogar noch beim Händchenhalten schüchtern ist, kann nicht viel passieren.
Dazu passt übrigens, daß mein Sohn mir gestern erklärte, er glaube seine Zunge sei sowieso viel zu kurz zum Küssen.

Na denn…

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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