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Die Arschlecker Wildbuam

Die Arschlecker Wildbuam

Ist doch eine merkwürdige Sache, das mit dem Musikgeschmack. Neulich hatten wir Party, au Mann, in unserem Alter noch fette Party…
Nun, ganz so wie vor dreißig Jahren laufen dann die Feiern doch nicht mehr ab, vielleicht liegt das auch daran, daß man sexuell versorgt ist und sich mehr zu erzählen hat.
Jedenfalls war irgendwann mal die CD abgenudelt, die ich anfangs aufgelegt hatte und ich wollte eine neue auflegen. Da meldeten sich dann die Anwesenden mit ihren Musikwünschen zu Wort: „Ach, wenn Du schon was Neues auflegst, dann spiel doch mal was von…“

Nun muß man wissen, daß alles Anwesenden so zwischen 40 und 50 sind, also einer Generation angehören, könnte man sagen. Zumindest aus der Sicht unserer Kinder gehören wir alle zur Generation „Achwas, die leben noch?“

Ute rief: „Mach mal was von Elton John!“
Werner: „Elton John, nee bloß nicht, leg was von Queen auf.“

Also legte ich erst Elton John auf, was niemanden störte, aber offensichtlich auch nicht jedem gefiel. Dann folgte Queen und ich war erstaunt, daß doch eine darunter war (eben jene Cousine Ellen, die auch eine Schwägerin von irgendwem sein könnte und von der niemand so genau weiß, wie sie mit uns verwandt ist, aber sie ist bei allen Feiern dabei und eine unserer liebsten Gäste) die äußerte, Queen sei doch „voll die aggressive Musik“.
Queen und aggressiv?
Der nächste Musikwunsch, diesmal von Robby -einem Amerikaner- lautete nach etwas Amerikanischem. Also legte ich was von John Denver auf, Countrymusik, was gibt es -aus deutscher Sicht- Amerikanischeres? Aber das stieß bei Robby gar nicht auf Gegenliebe und er zählte mir in Windeseile eine ganze Reihe von Gruppen auf, von denen ich noch nie etwas gehört habe; das sei amerikanische Musik…
Also erstarb John Denver mitten in „Country Roads“ und ich wurde am CD-Player von Karl heimgesucht, der aus dem Auto eine CD von Ramstein geholt hatte.

Ich war erstaunt, wieviele der alten Säcke und Säckinnen damit etwas anfangen konnten, diese düstere Krawumm-Musik mit unverständlich herausgegröhlten Texten (?) schien doch tatsächlich einigen zu gefallen und selbst Ellen, die eben ja noch Queen als aggressiv empfunden hatte, fand das „gar nicht mal so schlecht“.

Auf diese Weise spielte ich einen Querschnitt durch das gesamte Musikrepertoire und landete irgendwann bei einem Sampler, den ich selbst mal aufgenommen hatte. Das muß irgendwann in den 80ern gewesen sein und siehe da, das war genau die Mischung, die dann wirklich bei allen ankam. „Lady in black“, „Hiroshima“, „Carpet Crawlers“ und so’n altes Zeug.

Ich bin ja nur froh, daß noch keiner von uns die Zillertaler Spatzenschießer oder die Arschlecker Wildbuam hören wollte…

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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