#ss#


Der Dampfplauderer

Der Dampfplauderer

Egal wann ich mal über die Kanäle zappe, immer treffe ich auf einen von Deutschlands größten Dampfplauderern: Walter Freiwald, Björn Brost oder Horst Fuchs.

Horst Fuchs beschert uns mit seinem WS-Teleshopping lauter tolle Artikel, wie Bratpfannen aus dem Weltraum und japanische Küchenmesser aus China, oder so…
Walter Freiwald, in die Jahre und zu Gewicht gekommen, war früher die tolle Stimme im Hintergrund von Harry Wijnvoords „Der Preis ist heiß“.

Neu aber omnipräsent ist der hübsche Junge von nebenan, der mit der sonoren Stimme: Björn Brost. Und eigentlich müßte der Vatikan den guten Björn sofort und ohne Umschweife heilig sprechen!


Computer, Spielekonsolen, digitale Videokameras, Gesundheitskissen, alles das hat uns der gute Björn schon zu sagenhaften Preisen verkauft. Und damit wir wissen, wie toll seine Sachen sind, scheut er sich auch nicht, sich mal auf eine Straßenwalze zu setzen und über die Produkte der Konkurrenz zu fahren. Siehe da: Das von ihm angebotene viskoelastische Kopfkissen bleibt auch danach noch ein viskoelastisches Kopfkissen, Toll!

Der DampfplaudererDer Dampfplauderer

Es erfüllt mich und meine Familie mit einem großen Gefühl der Beruhigung, zu wissen, daß man sein Kopf auch auf weltraumerprobte Kissen betten könnte, über die man auch mit einer Straßenwalze fahren kann.

Neuerdings ist der Omnipräsente gleich auf mehreren Kanälen unterwegs, um uns alle reichlich zu beschenken. Nur von ihm ganz persönlich bekommt man sofort und vollkommen problemlos zwei Handys und noch ein tolles Geschenk. Eine Playstation, einen Laptop oder -jetzt ganz heißbegehrt- einen großen LCD-Flachbild-Fernseher!

Geschenkt!

Vermutlich hat der Gute mit seinem überfahrbaren Kopfkissen soviel verdient, daß er von einem tiefen Gefühl des altruistischen Denkens erfüllt ist.

Der Handyexperte Nummer Eins kommt immer auf den Punkt. Meistverwendete Vokabelversatzstücke sind bei ihm: „Das ist doch der Punkt!“ oder „Das will man haben, das kriegen Sie von mir!“

Man kann förmlich gar nicht anders, als sofort zum Telefon zu greifen und den guten Björn anzurufen, denn er schenkt einem ja nicht nur zwei niegelnagelneue Handys, nein er schenkt einem auch noch die Anschlußgebühr und selbstverständlich kostet es auch keine Grundgebühr und den aktuell dazugeschenkten Fernseher bekommt man ohne Versandkosten.

Alles was man tun muß: Anrufen, Personalausweis und EC-Karte bereithalten und sich beschenken lassen.
Ach so: Telefonieren sollte man auch noch mit den neuen Handys! Aber das ist ja kein Problem, denn es kostet ja fast nichts. 9,9 Cent die Minute, das ist doch nicht die Welt und das ist doch der Punkt!

Meine Güte! Hatte ich bislang immer das Gefühl, jeder sei nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht und alle Handy-Klingel-Bimmel-Bammel-Angebote im Fernsehen seien nur Nepp und Zapp, so belehrt mich Björn Brost eines Besseren. Es gibt noch gute Menschen!

9,9 Cent/Minute, ja das ist der Punkt, das ist wirklich billig. Und telefonieren muß ja schließlich jeder.

Ach nee? Wirklich?
Also ich komme eigentlich gar nicht auf 200 Minuten pro Monat, das wären ja fast über drei Stunden.
Und daß man 200 Minuten quasi kostenlos abtelefonieren kann, das sagt uns der große Verschenker immer wieder. Dabei ist es nur eine Frage des Betrachtungswinkels. Eigentlich lautet der Vertrag so, daß man sich zu einen Mindestumsatz von knapp 20 Euro verpflichtet und wir Älteren erinnern uns: das waren mal fast 40 Mark!
Ach ja: Bitte nicht vergessen, das Ganze soll man natürlich mit jedem der beiden Schenk-Handys machen!
Denn der Gute schenkt uns ja nur deshalb gleich zwei Handys, weil man dann von uns verlangt, bitteschön auch auf beiden 200 Minuten zu quatschen, also 400 Minuten.
Das wären dann fast 7 Stunden zu nochmals erinnerten fast 80 Mark.

Also ich würde meine Frau und meine Kinder schlachten, wenn die auf die Idee kämen, jeden Monat weit über 6 Stunden am Handy zu hängen.

Teilt man natürlich den abtelefonierbaren Mindestumsatz durch diese 200 Minuten, dann kommt man auf die wirklich günstig klingenden 9 oder 9,9 Cent.

Da könnte man ja jetzt sagen: Wenn es doch so billig ist, dann kann man ruhig auch mal was mehr telefonieren. Klar! Aber vom Festnetz kostet das nur 1,2 Cent pro Minute oder so. Und auch da würde ich maulen, wenn meine Leute es auf über 6 unnütze Stunden brächten.

Aber Björn muß es doch ehrlich mit uns meinen, schließlich schenkt er uns ein Notebook mit Linux (sic!) dazu oder sogar einen Motorroller oder einen Flachfernseher.
Der Brüller ist übrigens, wenn Björn den Motorroller und zwei Motorola anbietet. Da bekommt man ja quasi drei Motorolla… Haha!!!

Nein, da kann ja eigentlich gar kein Haken dran sein. Sowas würde der gute Björn nie machen! Nie!

Ach was? Die 9 Cent sind gar nicht wirklich günstig, weil sie nur in Festnetz und netzintern gelten? Das kann ja wohl nicht sein, oder? Und es ist ja auch kaum zu glauben, daß Gespräche in andere Handynetze dann 49 Cent kosten? Davon hat uns Björn doch gar nix gesagt! Er hat doch immer gesagt, daß man im Vergleich zu den anderen Blödmännern, die ihren Vertrag woanders machen, sagenhaft absahnen und sparen kann. Da kann doch dann eine simple SMS keine 19 Cent kosten! Die ist ja sogar bei Tschibo billiger, oder?

Nee, aber mal ehrlich: Ist doch unfair, daß ich mir da überhaupt Gedanken drüber mache, schließlich ist der heilige Björn doch der Verschenker! Ach, auf dem Laptop ist bloß Linux drauf und die ganzen Spiele gehen gar nicht unter Linux? Und der Fernseher ist klein Plasma-Fernseher, sondern ein LCD-Schirm, der bei Sportübertragungen zum Nachziehen neigt? Und die geschenkten zwei Handys sind olle Kamellen aus der Billigecke? Nee, nicht wirklich! Das macht doch der Björn nicht!

Dir gefällt das? Schenke mir 1 Sekunde und unterstütze mich auf Patreon

Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!


peter wilhelm autorenlesung

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

Benachrichtige mich zu:
avatar
wpDiscuz
Lesen Sie weiter:
dom koeln
Jetzt muss Schluss sein: Wir finanzieren den pompösen Kirchenstaat

Ende Legende Die komplette Finanzierung des deutschen „Kirchenstaates“ läuft über die allgemeinen Steuereinnahmen, mit der...

Schließen