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Das Atom-Moratorium

Das Atom-Moratorium

Sicher erinnern sich die Leser dieser Zeilen noch an das Atom-Moratorium vor etwas über 5 Jahren:

– als in Deutschland sämtliche Lichter ausgingen,
– als die Menschen paralysiert auf ihren schwarzen Bildschirm starrten und bei Kerzenlicht in Omas Memoiren nachlesen mussten, wie man auf offenem Feuer kocht,
– als der Weltuntergang quasi direkt bevorstand.

Wikipedia gedenkt dieser existentiellen Zäsur des Deutschen Biedermeiers mit den Worten:

„…die politische Entscheidung der Regierung Merkel vom 14. März 2011, alle 17 deutschen Atomkraftwerke einer Sicherheitsprüfung zu unterziehen und dazu die sieben ältesten Kraftwerke und das Atomkraftwerk Krümmel drei Monate lang stillzulegen (bzw. sie, wenn sie sich zu diesem Zeitpunkt nicht in Betrieb befanden, abgeschaltet zu lassen)“.

Man sollte fairerweise dazu bemerken, dass bis dahin Angela Merkel und Norbert Röttgen, also die weltmächtigste Bundeskanzlerin für ausufernden Atomlobbyismus und ihr devoter Lautsprecher mit Kinngrübchen und Dackelblick, der damalige Bundesminister für Blabla und Reaktorsicherheit, – dass also die beiden immer beteuerten, dass alle, alle, aber wirklich alle, alle deutschen Kernkraftwerke absolut dermaßen sowas von total, krass, vollkommen sicher waren, das glaubst du gar nicht!
Wahnsinnig sicher, quasi.

Das Atom-MoratoriumDas Atom-Moratorium

Dann ereignete sich am 11. März 2011 im Kaiserreich Japan dummerweise der Hyper-Gau.
Im Kernkraftwerks-Komplex Fukushima flogen mal eben einige Dächer der Meiler hollywoodmäßig davon.
Die komplette Anlage wurde von Meerwasser malerisch geflutet.
Die ganze Umgebung wurde für Generationen hoffnungslos verstrahlt und die Mär von der billigen, sauberen und sicheren Atomkraft musste… – …ja was eigentlich?

Nun ist Japan ja bekanntlich kein Dritt-Welt-Land, wo man derartige Peinlichkeit unter „na ja, die Neger können halt nicht solide bauen“ abtut.
Japan ist high-tech, ist Heimat der Manga-Comics, von Pokémon GO, Trendsetter in allem Blödsinn, was man mit Elektronik und Beton so an- und errichten kann – auch und gerade Atomkraftwerke.

Um ihren saturierten Arsch zu retten, Pardon, um den Anschein von Deutungshoheit und Richtlinienkompetenz aufrecht zu erhalten, trieb die allwissende Mutter der Nation eben jene eingangs erwähnte Sau namens Atom-Moratorium durchs Dorf.
Sie liess Fiffi Röttgen seine ministrable Logorrhoe in die Mikrofone der Medien sabbeln. Man erkenne die Zeichen der Zeit, übernehme Verantwortung und kümmere sich um das Wohl der Bürgerinnen und Bürger.

Und genau deshalb müsse man im Lichte der dramatischen Vorkommnisse in Japan jetzt entschlossen die Sicherheit der absolut sicheren deutschen Kernkraftwerke einer Sicherheitsüberprüfung unterziehen.
Man müsse nun sicherzustellen, dass diese sicher seien, oder so einen ähnlichen Dreck.

Will meinen: Was den deutschen Wählerinnen und Wählern nach Merkelschem Duktus gerade noch eben als wirklich, ganz ehrlich, absolut alternativlos für den Fortbestand der Existenz der Bundesrepublik Deutschland verkauft wurde, war nun schlagartig verzichtbar – zumindest für die Dauer von drei Monaten.
Dass dieser willkürlich gewählte Zeitraum weder mit Daten noch Fakten begründet wurde, steht auf einem anderen Blatt der nach oben offenen Skala politischer Absurditäten.

Man kann also feststellen, absolut alternativlos heißt übersetzt nichts weiter als: Ja, OK, dann eben nicht, muss ja nicht unbedingt sein. Dann könnte man doch eigentlich mal ein generelles Moratorium ausrufen für alle absolut alternativlosen Idiotien, die uns tagtäglich serviert werden, oder?

Über möglichst viele Beispiele Eurerseits würde ich mich freuen.

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Peter Grohmüller

Peter Grohmüller

Hallo, ich bin Peter Grohmüller und leide nicht an dieser Welt, aber mir fällt ihr Leiden auf.

"This world is sick and we are the doctors."

Wenn es eine Wunde gibt, dann muß man sie entweder heilen oder Salz hineinstreuen. Wir, das sind die Kritischen, die Hinterfragenden und die Lallbackenentlarver. – So einer bin ich.

Alle namentlich gekennzeichneten Beiträge geben allein die Meinung des Autors wieder.


peter wilhelm autorenlesung
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