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Bürostühle für schwere Menschen – schweres Geschäft

Bürostühle für schwere Menschen – schweres Geschäft

Bürostühle für schwere Menschen zu finden, ist nicht leicht. Das meiste, das im Internet angeboten wird, ist Schrott. Ich erkläre Ihnen, wo die Unterschiede liegen, worauf Sie achten sollten und welchen Stuhl ich nach langen Tests für den besten halte.

Für diesen Test wurden uns freundlicherweise Stühle verschiedener Hersteller zur Verfügung gestellt.
Keinen dieser Stühle durften wir kostenlos behalten und wir haben auch sonst keine Bezahlung für diesen Test erhalten.

Im Test haben wir folgende Stühle:

Haider Bioswing Bürodrehstuhl 560i QS

Turbo Chefsessel XXL von Gernot-M. Steifensand

Seno XXL von Stuhl24, Wiesloch

Alle Stühle erfüllten unsere Testbedingungen:

1. breite Sitzfläche

2. Schwerlastausführung über 120 Kilo

3. verstellbar

4. Anschaffungspreis unter 2.000 €

Breite Sitzfläche bei Bürostühlen für schwere Menschen

Schwerere Menschen müssen nicht zwangsläufig besonders dick oder unförmig sein. Bei einer entsprechenden Körpergröße kann ein Mensch durchaus noch als nicht „fett“ gelten, obwohl er deutlich über 100 Kilo auf die Waage bringt.
Dennoch benötigen diese schweren Menschen eine etwas breitere Sitzfläche. Der durchschnittliche Bürostuhl ist eher für die schlanke Sekretärin gemacht und nicht für schwere Menschen.
Deshalb haben wir bei der Auswahl der Stühle nur solche berücksichtigt, die um die 50 cm oder mehr an Sitzbreite bieten.

Bürostühle für schwere Menschen - schweres GeschäftBürostühle für schwere Menschen - schweres Geschäft

Bürostühle in Schwerlastausführung über 120 kg

Als XXL-Stuhl wird heute im Internet, aber auch im stationären Handel, alles bezeichnet, was etwas großvolumiger gebaut ist. Der Knackpunkt ist die Gasfeder und die übrige Mechanik.
Es ist noch keine Kunst, hier ein Maximalgewicht von 120 kg zu erreichen. Eine etwas stärkere Gasfeder reicht da. Deshalb sind die meisten Stühle auch für exakt diese 120 kg ausgelegt.
Ist der Stuhlbenutzer aber schwerer, wird die Sache zum Problem. Er könnte zunächst bedenkenlos einen 120-Kilo-Stuhl nutzen, hätte aber nicht lange Freude daran.
Die Gasfeder würde binnen kürzester Zeit nachgeben und der Stuhl zusammensinken.
Aber damit nicht genug: Die Sitzfläche ist mit dem Stuhluntergestell verschraubt. Diese Verschraubung hält bei einer Überbelastung auch nicht sehr lange. Es besteht die Gefahr, daß beim Wippen der Stuhl komplett auseinanderbricht.

Verstellbarkeit des Bürostuhls für schwere Menschen

Ein bequemer Stuhl läßt ich auf vielfältige Weise an die Sitzgewohnheiten und ergonomische Aspekte anpassen. Hierzu gibt es immer Verstell- und Einstellmöglichkeiten.
Auch wenn man sie vielleicht nur ein einziges Mal benötigt, und nach der Findung der geeigneten Sitzposition nie mehr verstellen wird, je mehr Einstellmöglichkeiten, umso besser.
Bei Stühlen bis 120 Kilogramm Belastbarkeit mögen diese Einstellmöglichkeiten gegeben sein, die dafür aber notwendigen Federn und Spannschrauben halten einer Dauerbelastung nicht stand, wenn der Sitzende deutlich schwerer ist.

Anschaffungspreis unter 2.000 Euro

Mal abgesehen davon, daß es natürlich auch bei Bürostühlen nach oben keine Preisgrenze gibt, findet man schnell einen passenden Stuhl, auch für große und schwere Benutzer, wenn man bereit ist 4.000 Euro und mehr auszugeben. Hier stechen in erster Linie die Leitwartenstühle hervor. Das sind Stühle, wie sie in den Leitwarten der Feuerwehr oder in Kraftwerken eingesetzt werden. Extrem gut gepolstert, nahezu unverwüstlich und schnell auf verschiedene Personen umstellbar, das sind hier die Kriterien. Diese Stühle halten ewig und sie halten es auch aus, wenn 24 Stunden am Tag verschiedene Personen darauf sitzen.
Das ist aber nicht das, was man für sein Büro haben möchte.
Denn diese Stühle sind erstens recht voluminös und zweitens auch sehr teuer.

Die Testkandidaten

Zunächst hatten wir uns die beiden Stühle von Steifensand und Haider als Wunschkandidaten herausgesucht. Dazu gesellten sich drei Stühle, besorgt bei Anbietern, die auf Amazon und Ebay anbieten, und einem örtlichen Möbelhaus. Diese drei sogenannten XXL-Stühle brauchen wir hier gar nicht näher zu diskutieren. Wir haben sie allesamt gleich wieder zurückgeschickt bzw. -gebracht.
Es wird XXL draufgeschrieben, aber ein erster Blick auf die ärmlich dünne Gasfeder und ein erstes Probesitzen zeigten sofort, daß die allesamt nichts taugen.
Ja, bei den Versandstühlen war schon der Zusammenbau schwierig. Schlechte Vorbohrungen, schief eingesetzte Gewinde und Schrauben, die vorne „stumpf“ waren, sorgten dafür, daß der Zusammenbau ohne weiteres gar nicht möglich war. Ohne unsere Testwerkstatt hätten wir die Stühle gar nicht montiert bekommen. Wer kann zu Hause schon Gewinde nachschneiden?

So blieb es dann bei dem Stuhl von Haider und dem von Steifensand.

Wie der dritte Stuhl, der Seno XXL in unseren Test kam, lesen sie im nächsten Abschnitt.

Der Ergonomie-Fachmann

Nur, was ist eigentlich wirklich wichtig bei einem Bürostuhl?
Klar, man möchte bequem sitzen. Punkt.
Punkt? Nein, da gibt es noch einiges mehr zu berücksichtigen, denn die Gesundheit spielt hier eine große Rolle.
Ergonomie ist das Stichwort.

Antworten auf unsere Fragen fanden wir bei Stuhl24 in Wiesloch. Inhaber Alfred Arnold ist seit 1987 in der Branche tätig und unterhält in Wiesloch (Baden-Württemberg) seit 2012 eine der größten Bürostuhlausstellungen Deutschlands. Der Ergonomieexperte zeigte uns Problemzonen, erklärte uns, was richtiges Sitzen überhaupt ist und sagte:

90% der Menschen sitzen völlig falsch. Das liegt einerseits an schlechten Stühlen, aber andererseits vielmehr an falschen Einstellungen. Viele sitzen zu hoch, zu tief oder haben die falsche Tischhöhe. Die Folgen sind Nacken- und Rückenschmerzen und langfristig Haltungsschäden und kaum noch behebbare Rückenprobleme.“

Und er weiß noch mehr:

An den Rücken denken ja viele sofort, wenn es um Stühle geht. Doch die wenigsten wissen, daß auch Kopfschmerzen, Magen- und Darmprobleme und Krampfadern etwas mit falschem Sitzen zu tun haben. Ich kann jedem nur raten, zu einem Ergonomie-Fachmann zu gehen und sich beraten zu lassen. Einen guten Stuhl bestellt man nicht für 90 Euro bei Amazon.“

Die Fülle der Stühle, die Alfred Arnold uns vorführte, hat uns fast erschlagen. Es gibt Drehstühle für Zahnärzte und Feinmechaniker, für die leichte Sekretärin, für den schweren Labormitarbeiter und für den über 2 Meter großen Chef.

Ein Stuhl für alle, das gibt es nicht! Man muß sich das Arbeitsumfeld anschauen. Deshalb kann man einen guten Bürostuhl auch nicht einfach bei Ebay bestellen. Am liebsten ist es mir, wenn die Leute herkommen und ich sie beraten kann. Wo das nicht geht, liefern wir die Stühle auch zur Probe. Einmal kurz draufsetzen, wie im Möbelgeschäft, das reicht doch nicht“

Und er hat Recht! Wenn man bedenkt, daß man 8 Stunden und mehr auf seinem Bürostuhl zubringt, dann muß dem Kauf eines guten Stuhls ebensoviel Aufmerksamkeit entgegengebracht werden, wie beim Kauf eines guten Bettes. Und wenn man sieht, daß gute Matratzen heute auch an die 700-1.000 Euro kosten, dann weiß man, daß man für einen guten Stuhl mehr als 100 Euro ausgeben muß.

Ja und dann präsentiert er uns den SENO XXL, einen Stuhl den er guten Gewissens empfehlen kann. Natürlich haben wir auch diesen Stuhl gleich mit in den Test aufgenommen.

Der Testablauf

Nachdem die Stühle in unserer Redaktion eingetroffen waren, haben wir uns überlegt, wie wir den Test angehen.
Mein Kollege Frank Mischkowski und ich kamen schnell überein, daß uns die technischen Daten nicht interessieren.
Wer die genauen Maße der Stühle lesen möchte, kann kurz danach googeln.
Techniktests gibt es genug auf den Seiten der Testinstitute und da wird ja sogar mitbewertet, ob die Verpackung auch schön FCKW-frei ist.

Uns interessierte in erster Linie, wie man auf den Stühlen sitzt und welche Einstellmöglichkeiten die Stühle bieten.
Und zum Leidwesen der Stuhlfirmen, die alle nach wenigen Wochen schon anfragte, wann der jeweilige Stuhl wieder abgeholt werden könne, haben wir den Test über 3 Monate ausgedehnt.
Denn wir sind der Meinung, daß man mindestens einen Monat auf eine Stuhl gesessen haben muß, um ihn wirklich beurteilen zu können.

Dazu haben wir die Mühe auf uns genommen, die Stühle zwischen Heidelberg und Fürth hin und her zu transportieren, da Frank Mischkowski seine Agentur in Fürth hat.

Wer also nun Daten zum Rollwiderstand der Rollen, der Abriebfestigkeit des Bezugs usw. erwartet, der ist hier falsch.
Wir beurteilen, wie gut die Stühle unserem Rücken tun.

Steifensand Turbo XXL

steifensand

Der Steifensand Turbo XXL ist ein im Netz stark beworbener Stuhl, der Lasten bis zu 200 kg tragen kann.
Er ist sehr hoch und wunderschön breit. Der uns zur Verfügung gestellte Stuhl war mit Leder bezogen und hatte verstellbare Armlehnen.
Der Sitzkomfort ist zunächst einmal prima.
Man kann den Stuhl von Steifensand auch in der Höhe verstellen. Das geht geschmeidig mit Gasfeder.
So, und dann?
Das war’s.

Wie? Das war’s?
Ja, mehr geht nicht mit dem Turbo XXL. Man bekommt diesen Stuhl auch mit einer tollen Verstellmechanik und allerlei ergonomischen Funktionen, aber in der XXL-Ausführung sind diese alle nicht verbaut.
Und das ist schade. Ich weiß nicht, ob man sagen kann, daß der Hersteller es sich hier etwas einfach gemacht hat. Das Problem an allen Bürostühlen für schwere Menschen ist ja gerade die Mechanik.
Breite und bequeme Stühle werden auch für 120,- Euro angeboten, nur geht da eben die Mechanik sehr schnell kaputt, Billigware eben.

Also ist es natürlich eine sehr konsequente Entscheidung des Herstellers, auf alles zu verzichten, was durch eine hohe Belastung schnell kaputt gehen kann.

Nur, man kann den Stuhl halt eben nicht einstellen. Man kann nicht wippen, die Lehnenneigung ist nicht anpassbar usw.
Das bedeutet, man sitzt anfangs sehr bequem, doch das ändert sich.
Will man sich mal entspannt zurücklehnen, bietet der Stuhl harten Widerstand, nichts bewegt sich.
Auf ein verändertes Sitzverhalten bzw. eine geänderte Körperhaltung geht der Stuhl nicht ein.

Das war uns nicht genug. So hat uns dieser Stuhl nicht besonders gut gefallen.
Nun wollen wir das aber nicht schlecht reden. Das Unternehmen bietet viele XXL-Stühle bis 120 und bis 150 kg an und darunter auch welche mit besserer Mechanik.
Daher ist dieses Modell hier der Schwerathlet unter den Bürostühlen, der Menschen bis zu 4 Zentnern Körpergewicht tragen kann. Das ist eine ganz enorme Zahl.
Für einen Preis zwischen 700 und 900 Euro, je nach Händler, bekommt hier auch ein extrem schwerer Mitbürger einen anständigen Stuhl.

Dieser Stuhl ist also mit seinem hohen Tragegewicht für alle diejenigen geeignet, die keinen vernünftigen Bürostuhl mehr mit Mechanik finden.

Seno XXL

bürostuhl xxl

Der Seno XXL ist für uns eine Überraschung gewesen. Er kostet ab 850 Euro je nach Ausführung und ist ein XXL-Stuhl mit einer tollen Synchro-Mechanik.

mechanik_seno

Auf obigem Bild sieht man die Meachnik bzw. die vielfältigen Verstellhebel. Damit läßt sich der Seno nicht nur auf verschiedene Körpergrößen einstellen, sondern auch mal schnell zwischendurch, wenn man mal was ändern möchte.

Der Stuhl ist also vielfältig einstellbar und macht jede Bewegung mit. Der Rücken wir gestützt und die Beine werden nicht abgedrückt.
Auch die Sitztiefe ist einstellbar.

Sitzt man auf diesem Stuhl, fühlt man sich gleich von Anfang an wohl. Es ist einfach so, daß man nach kurzer Zeit nicht mehr daran denkt. Und genau so muß ein guter Bürostuhl sein.
Auch nach Monaten ist der Stuhl nicht in die Knie gegangen, da knarzt und quietscht nichts und es hat sich auch nichts gelockert.

Der Seno ist unser Preis-Leistungs-Sieger.

Haider Bioswing 560i QS

haider-swing

Mehr Stuhl geht nicht. Das ist unser einhelliges Urteil über den Haider Bioswing.
Ich nehme das Testergebnis gleich vorweg: Ich habe mir im Anschluß an diesen Test einen solchen Stuhl gekauft.

Der Bioswing sieht nur auf den ersten Blick so aus, wie ein einfacher Bürostuhl. In Wirklichkeit ist er eine Gesundheitsmaschine.
Auf die ausgeklügelte Mechanik komme ich gleich noch zu sprechen.
Vorweg: Ich sitze täglich zwischen 8 und 16 Stunden auf diesem Stuhl. Seit ich ihn verwende, habe ich:

-deutlich weniger Kopfschmerzen
-keine sitzbedingten Rückenschmerzen mehr
-keine Probleme mit dem Hintern
-weniger nächtliche Krämpfe in den Waden

Das mit den Wadenkrämpfen ist besonders herausstechend. Was haben mein Arzt und ich nicht schon alles probiert! Immer wieder wurde ich nachts von total verhärteten und krampfenden Waden aufgeweckt. Tierische Schmerzen, raus aus dem Bett, versuchen, den Krampf durch Herumlaufen zu lösen…
Nichts half.
Jetzt verwende ich den Bioswing von Haider aus ganz anderen Gründen, nämlich mit der Zielrichtung weniger Rückenschmerzen zu haben, und stelle fest, daß zu allererst die Krämpfe fast komplett ausbleiben.
Wer hätte das gedacht? Offenbar bewirken der Swing-Mechanismus und mein neues Sitzverhalten eine bessere Durchblutung der Beine.

Rückenschmerzen sind ja das erste an das man beim Thema Bürostuhl denkt. Im Haider Bioswing nehme ich völlig ohne darüber nachzudenken so viele unterschiedliche Sitzhaltungen ein -und der Stuhl macht sie alle mit- daß Verspannungen gar nicht erst auftreten.
Früher saß ich oft vornüber gebeugt in der Schildkrötenhaltung, Hals nach vorne überstreckt und den Kopf vorgeschoben.
Dadurch bekam ich Nackenschmerzen und Kopfweh.
Heute ist das ebenfalls weg.

Wie macht der Haider Bioswing das?

So:

bioswing

Diese Mechanik scheint aus der Raumfahrt zu stammen. Kurz gesagt: Der Stuhl steht nicht auf einem starren oder gasgefederten Rohr, sondern er hängt an 4 Pufferelementen.
Dadurch federt er nicht nur auf und ab, sondern bewegt sich auch ein wenig in jede Richtung.
Das sorgt dafür, daß die Wirbelsäule, und im Grunde genommen das ganze Skelett, in Bewegung ist, obwohl man scheinbar nur sitzt.

Ich persönlich habe diesen Stuhl ja inzwischen gekauft und bin rundherum glücklich damit. Ich würde ihn nicht mehr missen wollen.
Das verdanke ich der guten Beratung von Herrn Arnold.

Links: Stuhl24.de
Firma Gernot M. Steifensand: http://www.sitwell.de/

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!



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