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Brauhaus-Kultur in Tschechien und Österreich

Brauhaus-Kultur in Tschechien und Österreich

Wer wie ich aus Franken kommt, wird sich schon über die Überschrift wundern. Denn wo gibt es schließlich gutes Bier, wenn nicht hier? Nichtsdestotrotz habe ich meinen Lokalpatriotismus kurz abgelegt und mich auf die Suche nach ungewöhnlichen Biersorten aus den Nachbarländern Österreich und Tschechien begeben. Die Auswahl ist gigantisch, sodass ich natürlich nicht jedes probieren konnte. Zwei besonders interessante Geschmackserlebnisse will ich euch aber nicht vorenthalten.

Keine Frage: Dass Deutschland mit seinem 500 Jahre alten Reinheitsgebot eine lange und traditionsreiche Bier-Kultur hat, ist über Bayern hinaus bekannt. Dabei gehören „Brauerei“ und „Gasthof“ einfach zusammen. Allein bei den rund 300 fränkischen Brauereien ist meistens auch ein Wirtshaus angeschlossen, in dem sich der unvergleichliche Geruch von herzhaften Schäufele, frisch gebackenem Brot und würzigen Bratwürsten verbreitet. Ohne Grundlage geht aber auch in Österreich und Tschechien nichts: Neben böhmischen Spezialitäten wie Lendenbraten und Knödeln bekommt man in den Gaststuben auch knuspriges Kalbsschnitzel zum Gambrinus, Pilsner Urquell oder Gösser.

Tschechien: Hanfbier

Mein Respekt gebührt zunächst den Tschechen – schließlich haben sie schon 1842 das erste Pils gebraut und sind mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von stolzen 143 Litern im Jahr noch vor Deutschland die Biernation Nummer Eins. Deswegen finden sich auf den tschechischen Bierfestivals und in Wirtshäusern oft ganz unerwartete Hopfensäfte. Während bspw. bei uns noch über das Cannabisverbot diskutiert wird, ist Tschechiens Hanfkultur etwas ausgeprägter. Deswegen habe ich mich auch nur kurz gewundert, in Prag neben den Klassikern auch das Hanfbier „KonoPi“ zu entdecken. Außerdem ist die Hopfenpflanze botanisch sehr eng mit Cannabis verwandt, wie ich in diesem Artikel gelesen habe. Weil das Bier genauso wie Hanfschokolade kein berauschendes THC enthält, war ich neugierig und habe mir einen Schluck (na gut, genau genommen war es die ganze Flasche) davon gegönnt. Mein Fazit: süß, süffig, vollmundig und vor allem: ungewöhnlich!

Österreich: Bierzauberei

Die böhmische Essenskultur ist durch die K&K-Monarchie nicht nur in Tschechien, sondern auch in Österreich präsent. Viele klassische Gerichte, die hier auf den Tisch kommen, stammen aus den einstigen Kronländern der Monarchie, so etwa das eigentlich für Wien berühmte Kalbsschnitzel aus Italien. So vielfältig wie die Küche sind auch die unterschiedlichen Biersorten. Eine davon hat mich stutzig werden lassen. Denn wer seine Brauerei „Bierzauberei“ nennt, hat durchaus ein gewisses Selbstbewusstsein. Noch vor sechs Jahren betrieb Günther Thömmes die kleine Brauerei in Brunn in Niederösterreich und versuchte dort, vergessene Biersorten zu brauen, wie z. B. das English Burton Ale. Obwohl das Brauhaus vor drei Jahren an eine Wiener Gastbrauerei verkauft wurde und Thömmes nun unter die Autoren gegangen ist, kann man sich noch durch diverse Kreationen von Thömmes‘ „Bierzauberei“ probieren. Dieser mietet sich nämlich auf seinen Reisen bei unterschiedlichen handwerklichen Brauereien ein, um Sorten wie das „Shadow Play X-tra“ anzusetzen. Das Ergebnis ist trocken, malzig und leicht bitter im Antrunk, danach dunkel und würzig und mit dezenten Vanille- und Schokoladearomen.

Insgesamt kann ich sagen: Auch wenn viele Biere eher süßlich schmeckten, sind sie in Kombination mit herzhaften Brathendl, Knödeln oder Gulasch in den tschechischen und österreichischen Wirtshäusern echt ein Genuss. Probiert’s aus, wenn ihr mal dort seid – und schreibt gern einen Kommentar. Ich bin gespannt auf eure Meinungen!

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Thomas von Görditz

Thomas von Görditz

Thomas von Görditz ist Journalist und Fotograf. Seit 15 Jahren berichtet er im Internet über technische Neuheite, Lifestyle und alles was mit Essen und Trinken zu tun hat.
Seine Stärke ist das Aufbereiten von schwerverständlichen Informationen, sodaß sie leicht verständlich und besser lesbar werden.
Wenn Sie Kontakt zu Thomas aufnehmen möchten, schreiben Sie bitte an thomas@dreibeinblog.de Hier im Dreibeinblog bearbeitet er verschiedene Themenschwerpunkte.


peter wilhelm autorenlesung

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7 Kommentare auf "Brauhaus-Kultur in Tschechien und Österreich"

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Robbi
Gast

Nur weil Tschechien mal zum Ostblock gehörte, ist es nicht auch gleichzeitig ein osteuropäisches Land. Es gehört ebenso zu Mitteleuropa, wie die weiter östlich liegende Slowakei.

Peter Wilhelm
Chefredakteur

Das ist richtig. Thomas orientiert sich bei seiner Sprachwahl vermutlich an diesem hier:

„Mit Osteuropa wird allgemein der östliche, Mitteleuropa benachbart gelegene, Teil Europas bezeichnet. Eine speziellere Definition des Begriffes Osteuropa hängt davon ab, in welchem Zusammenhang diese Bezeichnung verwendet wird:

Im ethnischen, sprachlichen und kulturellen Sinn bezeichnet Osteuropa den Teil Europas, der von den slawischen Völkern bewohnt wird. Diese vereinfachte Einteilung wird jedoch kritisiert, da zum einen auch der östliche Teil Deutschlands lange Zeit von Slawen besiedelt war und teilweise heute noch ist (siehe Sorben)…
Im politischen Sinn bezeichnete Osteuropa während des Kalten Krieges die europäischen Ostblockstaaten.

Im statistischen Sinne der Vereinten Nationen umfasst das östliche Europa: Bulgarien, Moldawien, Rumänien, Russland, die Slowakei, die Ukraine, Ungarn, Polen, Tschechien und Weißrussland. Die baltischen Staaten zählen bereits zum nördlichen Europa.
Osteuropa war ein zentrales Forschungsgebiet der Ostforschung, die im östlichen Teil Deutschlands ihren Anfang hat.“

Wikipedia: Osteuropa

Klass Kl.
Gast

Ich sage auch Osteuropa, wenn ich von Ungarn, Tschechien oder dem ehem. Jugoslawien spreche. Hat sich so in meinem Kopf festgebrannt: Ostblock=Osteuropa. Interessant, dass es dann doch nicht so ist. Man muß ja nur mal auf die Karte gucken, um zu erkennen, dass es nicht stimmt.
wieder was gelernt.

Dorian
Gast

Also, ja, es gibt einige Sorten, die etwas süßlicher sind. Aber man findet auch herb gehopfte Biere, die ich persönlich sehr schätze. Ich war erst dieses Jahr in Tschechien und konnte das ausgiebig austesten. Schöner Bericht.

Peter Grohmüller
Co-Autor

Ich war mittlerweile einige Male in Tschechien (ob Ost-, Mittel-, West- oder sonstwie Europa – diese Diskussion ist m. E. völlig gaga und hat nix mit Bier zu tun). Jedenfalls ha ich nirgends so Gutes getrunken, wie in all den tschechischen Hausbrauereien, die ihren Saft ausschließlich über die Theke ausschenken. Wobei: ich korrigiere. In Wien bei Salmbäu gibt es auch sauleckeres Gesöff.

Wool
Gast

Erfahrungen teilen, wie soll denn das gehen?
1. Wenn ein Bier wirklich schmeckt, ist die Erinnerung am nächsten Morgen i.d.R. getrübt – außer man nimmt „den Schädel“ als Indikator.
2. Wenn ein Bier nicht schmeckt, probiert man ein anderes das einem dann schmeckt… (zurück zu 1.)
3. Man probiert solange weitere Biere um eines zu finden das einem schmeckt, findet aber einfach keines – was der Erinnerung wiederum abträglich ist. Leider ist in diesem Fall „der Schädel“ als Indikator nicht mehr aussagekräftig und verfälscht die Testergebnisse.

Nur wie unterscheidet man dann Fall 1 von Fall 3, oder gar von Fall 2?

(Achtung im obigen Text finden sich Ansätze von Überspitzungen!)

Peter Grohmüller
Co-Autor

@ Wool

Man kann Erfahrungen sehr wohl austauschen; ich erzähle Dir von meiner und Du mir von Deiner. Punkt. Das ist das originäre Prinzip des Erfahrungsaustauschs. Die Wertung von Erfahrungen, oder anders: die in Worten ausgedrückte Meinung dahingehend ob A besser oder schlechter als B sei, ist eine andere Baustelle. Von einem solchen Ranking kann ich in dem Beitrag des Fränkischen Leckermäulchens aber an keiner Stelle etwas lesen. Thomas verknüpft hier einfach drei „Parameter“: Tschechien, Bier und lecker, und er kommt zu der SUBJEKTIVEN Erkenntnis, dass es in Tschechien leckeres Bier gibt. Dem kann ich nur zustimmen – subjektiv.
Und wenn Deine Erinnerungen an das Bier vom Vorabend am nächsten Morgen getrübt sind, oder Dir gar der Schädel brummen sollte, warst Du vermutlich hackendicht. Dann halte Dich bei der nächsten Verkostung einfach an den guten alten Paracelsius: die Dosierung macht das Gift. Ebenfalls überspitzt 🙂

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