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Beinahe-Katastrophe im Fernmeldeturm

Beinahe-Katastrophe im Fernmeldeturm

Trägt der Wirt die Schuld?

Im Turmrestaurant „Skyline“ des Mannheimer Fernmeldeturms wäre es am vergangenen Sonntag beinahe zu einer Katastrophe mit möglicherweise tödlichem Ausgang gekommen.
Ein Kinderwagen mitsamt angeschnalltem Kleinkind ist zwischen einen Pfeiler und eine Sichtschutzwand geraten und wäre vom Drehmechanismus des Turmrestaurants beinahe zerquetscht worden.

Beinahe-Katastrophe im FernmeldeturmBeinahe-Katastrophe im Fernmeldeturm

Nur der schnellen Reaktion des Vaters des Kindes ist es zu verdanken, daß dem kleinen Jungen nichts passiert ist.

Millionen von Menschen haben seit 1975 die Kanzel des Fernmeldeturms besucht und viele davon sind auch im Höhenrestaurant „Skyline“ eingekehrt. Besondere Attraktivität hat das Restaurant, das als Drehrestaurant ausgeführt ist.

Beinahe-Katastrophe im Fernmeldeturm

„Der von den Architekten Heinle, Wischer und Partner geplante und zwischen 1973 und 1975 errichtete, 212,8 Meter hohe Fernmeldeturm Mannheim ist ein modernes Wahrzeichen der Stadt Mannheim. Er beherbergt neben Sendeeinrichtungen für Richtfunk und Funkdienste im UKW-Bereich in 120 Metern Höhe ein Drehrestaurant und eine Aussichtsplattform, von der man einen schönen Rundblick über Mannheim und das Umland hat.“ [1]

Nun dreht sich nicht, wie manche Mannheimer auch heute noch fast 35 Jahre nach der Erbauung des Turms glauben, die gesamte Kanzel in 125 Meter Höhe sondern nur innerhalb des Restaurants ein Drehkranz. Von einem auf dem Drehkranz befindlichen Tisch aus gesehen, bewegen sich also die Fenster am Betrachter vorbei und auch der Turmkern mit Bar-, Anrichten, Aufzug und kleiner Küche bleiben „stehen“.
Daraus ergibt es sich, daß es in dem Restaurant sich drehende und feststehende Teile gibt, die aneinander vorbei fahren.
Es ist also logisch und selbstverständlich, daß man als Besucher einer solchen Attraktion auch besondere Sorgfalt walten lassen muß. So manche versehentlich auf dem feststehenden Teil abgestellte Handtasche kam erst nach einer Stunde wie von selbst wieder „vorbeigefahren“ und es soll auch schon mal vorgekommen sein, daß unvorsichtige Gäste einen leeren Stuhl so ungünstig zurückgeschoben haben, daß dieser bei seiner Runde dann irgendwann an ein feststehendes Teil anstieß.

Eine wirkliche Gefahr geht vom Drehkranz nicht aus, er dreht sich im Schneckentempo und braucht für eine Runde ungefähr eine Stunde.
Die Restaurantfläche die sich dreht, kann ja jederzeit problemlos vom festen Bodenteil aus betreten werden und wird einem ja nicht etwa mit der rasanten Geschwindigkeit eines Karussells unter den Füßen weggezogen.

Beinahe-Katastrophe im Fernmeldeturm

Es liegt also in der Verantwortung jedes einzelnen Besuchers, mit dieser Technik verantwortungsvoll umzugehen. Jeder der das Restaurant besucht, bemerkt nach wenigen Minuten, daß es sich dreht und die meisten Besucher kommen ja gerade deswegen. So kann man sich also auch nicht auf den Standpunkt stellen, der Restaurantbetreiber Holger Polomski müsse irgendwelche weiteren Maßnahmen ergreifen, um das Ganze noch sicherer gestalten. Noch viel weniger kann man ihm eine Schuld anlasten.

Wie man auf die Idee kommen kann, einen Kinderwagen ausgerechnet so ungeschickt auf drehbarem und feststehendem Teil zu plazieren, daß er zwischen Pfeiler und Trennwand geraten kann, ist vollkommen unverständlich. Hier haben eindeutig die Eltern nicht aufgepasst.
Überdies dreht sich der Turm so langsam, daß man eigentlich annehmen müsste, daß bei ordnungsgemäßer Beaufsichtigung von Kind und Kinderwagen die Gefahr so rechtzeitig erkannt werden kann, daß normalerweise überhaupt nichts passieren kann.

Entweder haben die Eltern also nicht genügend geschaut oder sie haben den Kinderwagen schon so knapp zwischen die aufeinander zu bewegenden Teile geschoben, daß das unverantwortlich ist.

Die Aufregung ist natürlich groß und durchaus verständlich. Daß die Eltern einen gehörigen Schrecken bekommen haben, ist klar und nachvollziehbar. Auch am Gastronomiepersonal dürfte der Vorfall nicht spurlos vorübergegangen sein, denn man wagt es kaum, sich auszumalen, was alles hätte passieren können, wenn der Vater nicht geistesgegenwärtig und schnell reagiert hätte.

Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, daß jeder der eine solche Attraktion besucht, sich auch über die damit möglicherweise verbundenen Gefahren im Klaren sein sollte.
Entsprechend muß man sich verhalten.

Im Turm wird nun darüber nachgedacht, die Not-Aus-Schalter etwas deutlicher zu kennzeichnen, vielleicht sollte man auch über weitere Hinweisschilder nachdenken.
Ob es wirklich sinnvoll ist, jetzt an allen Gefahrstellen Lichtschranken anzubringen, ist mehr als fraglich. Die Betriebsvorschriften für das Drehrestaurant sehen solche Maßnahmen zumindest einmal nicht vor. Eventuell könnten ja durch den Einsatz von Abweisern im Fußbereich der feststehenden Teile dazwischen befindliche Gegenstände beiseite geschoben werden.
Aber wie dem auch sei: Wer in ein Drehrestaurant geht, muß eben einfach damit rechnen, daß das Ding eben genau das macht: sich drehen!

[1] Wikipedia: Mannheimer Fernmeldeturm
Bilder: © Peter W. Sawatzki

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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peter wilhelm autorenlesung
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