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Apple-Watch killt automatische Armbanduhren

Apple-Watch killt automatische Armbanduhren

Die jetzt im Handel verfügbare Apple-Watch wird keine so große Verbreitung finden, wie die großen Innovationen, die Apple in den vergangenen Jahren ins Rennen schickte.
Viele haben es vergessen: Vor dem iPhone gab es keine Smartphones und vor dem iPad gab es keine Tablett-Computer. Armbanduhren und auch elektronische mit vielen Funktionen, auch solchen aus dem Gesundheitsbereich (Herzfrequenz usw.) gab es aber schon zuhauf.
Und diesem Wettbewerb stellt sich Apple nun mit einer Uhr, die viel zu teuer ist. Von 399,- € bis 18.000,- € reichen die Preise, die derzeit im Apple-Shop aufgerufen werden.
Daß hier nicht die Menschen in Scharen Schlange stehen werden, um mal eben ein paar Hundert oder Tausend Euro für eine Computeruhr auszugeben, liegt auf der Hand. Einige werden es dennoch tun, das ist bei Apple-Produkten eben so.

Einen ersten Mangel konnten Anwender auch schon feststellen, die Uhr lädt teilweise nicht. Ursache war zumeist, daß sie vergessen hatten die Schutzfolien von der Uhr und dem Ladekontakt zu entfernen.

Und genau hier liegt ein bisher unberücksichtigtes Problem.
Denn die Stromeinspeisung erfolgt induktiv. Hierzu sind Spulen notwendig, die den Induktionsstrom quasi empfangen und an den Akku weiterleiten. Damit ein guter Kontakt zwischen Ladeschale und Uhr gewährleistet ist, befindet sich in der Apple-Watch ein recht kräftiger Magnet.

Bewahrt man die Uhr, was viele Amerikaner getan haben und tun, in einer Uhrenschatulle neben oder über mechanischen Uhren mit Handaufzugs- oder Automatik-Uhrwerk auf, kann der Magnet der Applewatch diese Uhrwerke magnetisieren und im Ernstfall unbrauchbar machen.
Das gilt auch für Uhren, die als antimagnetisch eingestuft sind!

Apple-Watch killt automatische ArmbanduhrenApple-Watch killt automatische Armbanduhren

Warum kann die Apple Watch mechanische Uhren durch Magnetisierung in ihrer Ganggenauigkeit beeinträchtigen oder zerstören?

Vereinfacht gesagt ist es so, daß in jeder Uhr feinste aufeinander abgestimmte Bauteile im Bereich von hundertstel Millimetern exakt ineinandergreifen müssen. Damit ein möglichst leichter Lauf erreicht wird, sind entscheidende Teile auch in kleinen Edelsteinen (Steinen/Jewels) gelagert. Zudem ist eine der Baugruppen die Unruh, die im wesentlichen aus einer sehr feinen hin und her schwingenden winzigen, haarfeinen Spiralfeder besteht.
Diese hochfeinen Spiralfedern werden zur Erhöhung der Ganggenauigkeit aus Nivarox hergestellt, einem Material, das verhindert soll, daß diese Federn bei Temperaturschwankungen sich in ihrem Schwingungsverhalten ändern.
Wir wissen ja, daß Metalle sich bei Wärme ausdehnen und bei Kälte zusammenziehen und bei unterschiedlichen Temperaturen auch eine unterschiedliche Elastizität haben.
Damit die feinen Spiralfedern in Uhrwerken nicht durch diese Veränderungen sich stets ändernde Laufergebnisse zeigen, verwendet man temperaturkompensierende Metalle, eben z.B. Nivarox.

Apple Watch

Feinste Spiralfeder, exakt gelagert, eine Unruh

Wer sich mit der komplexen Materie magnetostriktiver Materialien beschäftigen möchte, der findet auf den Seiten der Firma Sinn Spezialuhren ein ganz wunderbares Uhren-ABC.

Dort heißt es:

Das Grundprinzip dieser Temperaturkompensation – die Verwendung ferromagnetischer Materialien – führt allerdings zu Anfälligkeiten gegenüber äußeren Magnetfeldeinflüssen, denn neben der Temperatur können natürlich auch äußere Magnetfelder den Magnetisierungszustand der Feder ändern und damit ihre Elastizität. Dies kann zu erheblichen Gangabweichungen führen, unter Umständen sogar zum Stillstand der Uhr.

Das bedeutet letztendlich nichts anderes, als daß feinmechanische Uhrwerke sogar durch schwächere Magnete so beeinflußt werden können, daß die teuer erkaufte Ganggenauigkeit zum Teufel ist, oder gar die feinsten Bauteile so stark magnetisiert werden, daß sie nicht mehr frei schwingen können.
Der Aufdruck „antimagnetic“ auf Uhrenböden besagt in der Regel nur, daß bei der Auswahl der Materialien für diese Uhr darauf geachtet wurde, daß schwache Magnetfelder, wie sie im täglichen Leben vorkommen, beispielsweise von Lautsprecherspulen etc. keine schädlichen Auswirkungen haben. Es bedeutet aber nicht, daß der Kontakt mit einem Magneten, oder die längere Aufbewahrung über Stunden direkt neben einem Magneten keinen schädlichen Einfluß haben kann!

Wer also eine Applewatch oder andere Gegenstände mit einem Magneten im Inneren sein Eigen nennt, der sollte tunlichst darauf achten, diese nicht in der Nähe seiner anderen mechanischen Uhren aufzubewahren.

https://youtu.be/yBP-WK47z0Q

Titelfoto: ifixit.com
Foto Unruh: „Pocket Watch Balance Wheel a“ von Chris Burks (Chetvorno) – Chris Burks: (File:Pocket Watch Balance Wheel.jpg). Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons.

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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peter wilhelm autorenlesung
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  1. tatonka
    tatonka 30 April, 2015, 09:57

    Das verstehe ich jetzt nicht. Wenn die Ladung induktiv erfolgen soll, muss doch gar kein elektrischer Kontakt vorhanden sein. Lediglich der magnetische Kontakt, der dafür sorgt, dass das Ladekabel richtig sitzt, aber der sollte sich ja durch so eine kleine Folie nicht stören lassen. Aber so im großen und Ganzen stimme ich dem Artikel zu.

    Antwort auf diesen Kommentar
    • Peter Wilhelm
      Peter Wilhelm Autor 30 April, 2015, 10:08

      Danke für den Kommentar und Dein Interesse.
      Du hast völlig recht. Es ist aber so, daß einige (gar nicht mal so viele) Anwender über Ladeprobleme mit der Apple Watch klagten. Bei den meisten, so ist amerikanischen Foren zu entnehmen, half das Entfernen der Schutzfolie an Handy und Ladeteil.
      Ich glaube nicht, daß die Folie die Stromübertragung behindert hätte, sondern eher verhindert, daß die beiden Komponenten an den richtigen Stellen exakt übereinanderliegen.

      Antwort auf diesen Kommentar
  2. Dave B
    Dave B 7 Mai, 2015, 16:26

    So eine Luxusuhr ist halt nicht problemlos, damit meine ich das Apple-Dingens.

    Die Puls“mess“funktion soll ja auch Probleme mit tätowierten Armen haben, weil der optische Sensor durch die Farbe nicht durchkommt.

    Die geringe Batterieladung mag zwar ungeeignet klingen aber durch Smartphones ist man ja an tägliches Aufladen (ob nun durch Kabel oder induktiv) gewöhnt.

    Antwort auf diesen Kommentar

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Ich kenne ja noch die alten Netzkürzel wie IMHO und AFAIK, die jüngere Generation kennt...

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