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Andreas Kümmert und seine Beweggründe

Andreas Kümmert und seine Beweggründe

Leser Monnshiner schreibt:

Ich finde es wunderschön, dass ein wirklich guter Sänger der mittlerweile miesesten Musikveranstaltung (hochgejubelt und überbewertet) die kalte Schulter zeigt. Aus welchen Gründen auch immer so spät. Spätestens seit idiotischen Beiträgen wie Gildo Horn, ist das doch keine ernst zu nehmende Sache mehr.

Das sehe ich ein wenig anders.
Man muß sich mal vor Augen halten, daß man in der Anfangszeit des Wettbewerbs es lange Zeit so gemacht hat, daß uns eine “Expertenjury” die Titel einfach vorschrieb, die für uns an den Start gingen.
Erst im Laufe der Zeit hat sich das zu einer Publikumsveranstaltung gewandelt.
Es war aber immer ein seichtes Schlagergesinge, bei dem nach Nicoles Sieg Ralf Siegel wie ein Gottkönig herrschte. Man glaubte, nur er könne einen Siegertitel schreiben.

Stephan Raab und Guildo Horn haben den Wettbewerb ad absurdum geführt und der deutschen Musikindustrie den Spiegel der Satire vorgehalten. Vor allem aber haben sie den Wettbewerb aus der Staubkiste herausgeholt. Dadurch ist die Kruste aufgebrochen und auf einmal interessierten sich vor allem auch jüngere Leute für den Wettbewerb.

Aus einem Wettbewerb, bei dem schon darüber nachgedacht wurde, ob Deutschland da überhaupt weiter mitmacht, ist ein moderner und toller Wettbewerb geworden.
Die Geschmäcker sind sicher unterschiedlich, und wer nur Heavy Metal oder die Böhsen Onkelz hört, wird da kaum Gefallen dran finden.

Andreas Kümmert und seine BeweggründeAndreas Kümmert und seine Beweggründe

Aber in den letzten Jahren hat der Song Contest gewaltig gewonnen und das haben wir Gildo Horn und Stefan Raab zu verdanken.

Was Herrn Kümmert anbetrifft, so hätte er dem Wettbewerb durchaus berechtigt die kalte Schulter zeigen können. Das steht ihm zu. Jeder Künstler mag die Meinung vertreten, er und seine Kunst würden durch diesen Wettbewerb nicht richtig präsentiert.
Davon gibt es viele und die sagen das auch ständig.

Herr Kümmert hätte direkt nach seinem zweiten Auftritt Bescheid sagen können: “So Leute, das war’s für mich, ich bin raus aus der Nummer.”

Das hätte einen Knall verursacht.

Aber bis zum bitteren Ende zu verweilen, dann erst den Rückzieher bekannt zu geben und die jetzige Siegerin mit dem Makel der Ersatzsängerin von Kümmerts Gnaden abzustempeln, das fand ich persönlich mies.

Gegen Herrn Kümmerts Kunst sage ich gar nichts, das ist ganz großes Kino, aber sein Verhalten beim ESC finde ich eher klamottenhaft.
Ich warte mal ab, was er letztlich für eine Begründung liefert.

Aber jetzt diesen Wettbewerb, der endlich aus der Verkrustung erwacht und das weltweit größte Showspektakel ist, quasi durch eine solche Maßnahme zu stören oder an der Nase herumzuführen, daran finde ich nichts Wunderschönes.

Hätte Herr Kümmert, beispielsweise, um dem aus Sicht mancher Künstler zu kommerziellen Spektakel eine lange Nase drehen wollen, dann hätte er das tun und sagen sollen.
Aber dann richtig und mit Krawumm: “Geht mir weg mit dem seichten Pop-Spektakel, macht Euren Scheiß alleine.”

Doch er zieht sich zurück, weil er dem nicht gewachsen ist.

Da beginnen dann die Mutmaßungen über die Beweggründe.
Geht man dahin und kommt man so weit, dann muß man aber gute Gründe haben, um das Publikum so zu düpieren. Das mit der langen Nase war wohl nicht der Grund, denn die Chance hat er vertan.

Also sind es andere, in seiner Person liegende Beweggründe, die vielleicht auch sehr wichtig sind, etwa gesundheitliche Sorgen. Aber dann stellt sich die Frage: Warum hat er überhaupt mitgemacht.

Alles was jetzt, vielleicht bei Lanz oder so, an Erklärungen gebracht wird, muß schon etwas ganz Besonderes sein, um nicht als bloße Ausflüchte zu gelten.

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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peter wilhelm autorenlesung
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2 Kommentare auf "Andreas Kümmert und seine Beweggründe"

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Peter Grohmüller
Co-Autor

Es gab 2004 auf Platz 8 mit 93 Punkten schon einmal einen ESC-Kandidaten der rein äußerlich auch nicht wirklich der Prototyp des Glamour-Pop-Stars ist: Max Mutzke. Wie Guildo Horn ebenfalls gecoacht von Stefan Raab. Der hat allerdings bis zum Finale durchgezogen und macht jetzt sein Ding, u. A. mit der grandiosen HR-Bigband, also weit jenseits des schnöden Kommerzes.
Vielleicht hätte Andreas Kümmert – Augen zu und durch – genau auf der Schiene fahren und das ganze Galama in Wien über sich ergehen lassen sollen. Mit der Stimme könnte er ein ganz großer und ernstzunehmender Künstler werden, in dem riesigen Ozean des musikalischen Mittelmaßes, das tagtäglich aus den Radios mieft. Möglicherweise hat er sich aber diese Tür selbst zugeschlagen.

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