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Deutsche Bahn verkauft Schienenstahl und plant Kurzarbeit im Winter

Deutsche Bahn verkauft Schienenstahl und plant Kurzarbeit im Winter

Die Deutsche Bahn plant im nächsten Winter Kurzarbeit in großem Maßstab. Grund dafür ist ein Verkauf einer erheblichen Schienenstrecke an die Volksrepublik China.

Stahl und andere Metalle sind derzeit so teuer wie noch nie. Die boomenden Märkte in Fernost sorgen dafür, daß der Bedarf an Materialien größer ist, als das Angebot.
Der Diplom-Ingenieur Dietmar Lewrenz, Abteilungsleiter Netze und Schienen bei der Deutschen Bahn, hat auf einem Symposium am 28. Juni 2015 zum ersten Mal sein Konzept „length & sell“ vorgestellt.
Er war nach langwierigen Berechnungen und Versuchen, die von der Materialprüfungsanstalt Magdeburg unterstützt und vom Fraunhofer Institut wissenschaftlich begleitet wurden, dahinter gekommen, daß sich Gleisverwerfungen wirtschaftlich nutzen lassen.

Infobox Gleisverwerfung
Eine Gleisverwerfung ist eine unbeabsichtigte Verformung von Eisenbahn- oder Straßenbahngleisen, die ein gefahrloses Befahren des betroffenen Gleises nicht mehr erlaubt. Gleisverwerfungen entstehen in der Regel durch thermische Längung der Schienen bei großer Sommerhitze.Wikipedia

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Lewrenz war bekannt, daß sich Eisenbahnschienen bei Sommerhitze enorm ausdehnen und bei Eiseskälte stark zusammenziehen. Das ist nichts Neues. Neu hingegen ist die Erkenntnis, die der 54-jährige daraus zog.

Deutsche Bahn verkauft Schienenstahl und plant Kurzarbeit im WinterDeutsche Bahn verkauft Schienenstahl und plant Kurzarbeit im Winter

„Wenn wir nun im Sommer die dann wesentlich längeren Schienen mit der Flex kürzen, haben wir eine enorme Menge überflüssigen Stahl, den wir gewinnbringend nach China verkaufen können.“

In der Shing Lui Ltd. in Shanghai hat die Deutsche Bahn einen bereits seit Jahren auf dem Gebiet des internationalen Stahlhandels tätigen Joint Venture Partner gefunden.

Noch in diesem Sommer will die Bahn 400 neu eingestellte Mitarbeiter auf „Stahlernte“ schicken. Lewrenz dazu: „Auf das gesamte Schienennetz der Bahn hochgerechnet ergibt das eine Ausbeute von etwa 3.000 Tonnen in jedem warmen Sommermonat.“

„Einfache physikalische Gesetze können, geschickt angewandt, hohe wirtschaftliche Gewinne bringen“.

Dabei handelt es sich bei der Ausdehnung von Metallen unter Hitzeeinflüssen um ein einfaches physikalisches Gesetz. „Einfache physikalische Gesetze können, geschickt angewandt, hohe wirtschaftliche Gewinne bringen“, so der Ingenieur und Familienvater aus Plauen, der vor seiner Karriere bei der Bahn Projektleiter für Hochspannungssimulation ein EnBW war.

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Insgesamt erhofft sich die Deutsche Bahn einen jährlichen Mehrgewinn von 1,4 Milliarden Euro.

Doch so hochfliegend die Pläne auch sind, so hat das Projekt „length & sell“ auch seine Schattenseite.
Denn Lewrenz kommt nicht umhin, auf folgenden Umstand hinzuweisen: „Auf der anderen Seite wissen wir, daß sich die Schienen im Winter stark zusammenziehen. Das hat uns nachdenklich gemacht.
Wenn also das Schienennetz im Winter 10% kürzer ist, ja dann benötigt die Deutsche Bahn im Winter auch rund 10% weniger Fachkräfte, die die Schienen warten. Die Schienen sind einfach im Winter nicht da, sie haben sich auf das gesamte Netz der Bahn gesehen, um 1.181 Kilometer verkürzt. Es sind also gut tausend Kilometer im Winter weniger zu pflegen, als im Sommer. Wir werden diese saisonalen Schwankungen durch sozialverträglichen Personalabbau und Kurzarbeit abfedern müssen.“

Es sind ja zwei Faktoren, die hier zusammenspielen. Im Sommer dehnen sich die Schienen aus und werden mit der Flex gekürzt. Nur so ist ein reibungsloser Bahnbetrieb überhaupt möglich. Der so gewonnene Stahl wird nach China verkauft und ist damit einfach weg. Kürzen sich die Schienen dann im Winter aufgrund der Kälte noch weiter, sind einfach nicht mehr so viele Gleise da, die gepflegt werden müssen.

Kritiker wenden ein, der Ausdehnungskoeffizient von Stahl sei zu gering, um eine nennenswerte Ausbeute zu erzielen.
Dem hält Lewrenz entgegen: „Es ist nur scheinbar eine geringe Ausbeute. Tatsächlich summiert sich das ganz gewaltig. Als Ingenieure der Bahn haben wir natürlich Rückfahrkarten gekauft und deshalb sowohl in die eine, wie auch die andere Richtung gemessen. Das ergibt schon mal das Doppelte. Man vergesse bitte nicht, daß das Schienennetz auf seiner kompletten Länge mit jeweils 2 Schienen versehen ist, was das eben Verdoppelte nochmals verdoppelt.
Neben den überflüssig werdenden Schienenstücken fallen aber auch jede Menge Gleisbolzen, Schrauben, Synthrathalterungern und natürlich auch Oberleitungen, Masten, Kabel und sonstige nebenlogistische Metallteile an. Unterm Strich ist die Ausbeute gewaltig und das Jahr für Jahr!“

Bad Berleburg wird die Erntestelle sein und zur Stahlstadt aufsteigen.

In letzter Konsequenz wollen die Ingenieure der Bahn und das Fraunhofer Institut nun die Stelle in Deutschland finden, in der dieser sommerliche Überhang zu Tage tritt. Hier scheint Bad Berleburg die Nase vorne zu haben.
Dort laufen die wichtigsten Strecken zusammen, ebenso wie im Mannheimer Güterbahnhof.
Das würde bedeuten, daß man nicht überall in Deutschland kleine Stücke ernten würde, sondern quasi im Hochsommer in Bad Berleburg die kompletten Schienen, Masten und Leitungen entfernt und dann die Ausdehnung von Gesamtdeutschland das Fehlende nachschieben läßt.
Bad Berleburg wurde auch deshalb ausgewählt, weil das Fehlen der Schienen dort am wenigstens auffällt, da will sowieso keiner hin.

Links: Gleisverwerfung https://de.wikipedia.org/wiki/Gleisverwerfung

Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Bestsellerautor Peter Wilhelm schreibt hier über die hauptsächlichsten Nebensächlichkeiten der Welt.
Er testet Produkte, Service und Angebote.
Er ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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Schlagworte:
bahnsatireSchienen

peter wilhelm autorenlesung

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8 Kommentare auf "Deutsche Bahn verkauft Schienenstahl und plant Kurzarbeit im Winter"

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Seb
Seb
8 Monate 10 Tage her

Das manchmal so einfache Lösungen so lange auf sich warten lassen. Grandiose Idee.

Nachdem sich meine Geschäftsidee mit dem Brennholzverleih nicht druchgesetzt hat, und ich mit der Produktion von Luftgitarrenkoffern gerade erst angefangen habe, könnte ich meine guten Kontakte nach China nutzen, und der Deutschen Bahn AG so bei der Vermarktung helfen.

Peter Grohmüller
Peter Grohmüller
8 Monate 10 Tage her
Hallo Peter, Geile Story. Allerdings einige Wochen zu früh. Solche Dinge werden in der Regel am 1. April verbreitet. Aber was die Einschätzung der sogenannten Manager angeht: köstlich. Diese Pfeifen würden das glatt abkaufen. Lass Dir die Idee schützen. Allen Vollpfosten, die jetzt die Gleise ablaufen, um schon mal Überschüsse zu ernten, sei gesagt: nehmt die Pinzette mit! Der Wärmeausdehnungskoeffizient von Eisen (dürfte bei Stahl, wenn überhaupt, nur unerheblich abweichen) beträgt 11,8 · 10−6 K−1 .Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Eisen. Übersetzt bedeutet dies, dass sich ein Stab aus Eisen von einem Meter Länge bei einem Temperarturunterschied von 1 K um 11,8 · 10−6… weiterlesen »
Lochkartenstanzer
Lochkartenstanzer
8 Monate 10 Tage her

@Peter Grohmüller:

Bei einem Schienennetz von ca. 33.000 km und 30 K Temperaturunterschied sind das immerhin ca. 11,7 km Schienen. 🙂

Peter Grohmüller
Peter Grohmüller
8 Monate 9 Tage her

@Peter
Da kann man ja von Glück sagen, dass sich der große Visionär Edmund Steuber mit seinem Transrapid nicht durchgesetzt hat. Der wäre nämlich auf einer Mono-Schiene gefahren – und diese noch aus Beton. Falls sich jemand nicht mehr erinnern sollten, hier der Link zu seinem geradezu epochalen, virtuos vorgetragenen Apell für DAS Transportmittel des 21. Jahrhunderts

nadar
nadar
8 Monate 8 Tage her

Einen Schönheitsfehler hat der Artikel: Die Schrottpreise sind seit Sommer letzten Jahres dank der weniger stark wachsenden chinesischen Wirtschaft um ca 75% gesunken – dazu ein Artikel vom Oktober letzten Jahres:
http://www.euwid-recycling.de/news/maerkte/einzelansicht/Artikel/preisverfall-bei-stahlschrott-haelt-unvermindert-an.html

Peter Grohmüller
Peter Grohmüller
8 Monate 7 Tage her

@nadar.
Unabhängig davon, dass der Artikel feinste Satire ist, hängt der Schrottpreis nicht nur von der chinesischen Nachfrage ab, sondern ist ebenso wie der Preis für alle Rohstoffe das Resultat der Zocker an den Börsen. Angebot und Nachfrage als bestimmende Großen im Rohstoffhandeln war gestern, ebenso wie der Zusammenhang zwischen Börsenwert und tatsächlicher geschäftlicher Tätigkeit von Unternehmen.

Anja
8 Monate 6 Tage her

Ich liebe Satire einfach 😀

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